Es fällt mir schwer, fies zu diesem Buch zu sein, weil es die Geschichte von jemandem erzählt, dem offensichtlich ein unfassbares Unrecht geschieht, und weil es auf dem Leben des Autors basiert. Das + der Fakt, dass das Manuskript vom KGB jahrelang konfisziert war, macht es ja aber nicht gleich zu einem guten Buch.
Vielleicht liegt es an der seltsamen Übersetzung aus dem Russischen, aber die Sätze sind zum Teil grammatisch unlesbar und ich bin mir relativ sicher, dass dadurch kleine und mittelgroße Ungereimtheiten entstanden sind und ich nicht einfach zu doof bin. Letzteres glaube ich nicht, weil der Text abseits davon zT so wirkt, als wäre es ein Teen-Novel: Die Sprache ist größtenteils so einfach gestrickt (und nicht auf die minimalistische Art), dass es unangenehm ist zu lesen.
Die zugrundeliegende Idee des Plots, der die Sinnlosigkeit und den Wahnsinn des stalinistischen Repressionsapparats darstellen soll, ist einfach nicht gut: Die Prämisse, dass der Protagonist und hochintelligente Ingenieur mit allen Ruchlosigkeiten des Gefängnissystems rechnet, aber nicht mit der finalen, sagt nicht viel über den Gegenstand des Buchs aus: Der Twist am Ende ist für alle Charaktere aus der Kerkerzelle ersichtlich, da sie dauernd die Ruchlosigkeit des Systems erörtern, in allen erdenklichen Arten und Weisen. Was soll die „Offenbarung“ am Ende denn genau sagen, das nicht auf 150 Seiten davor schon bekannt war? Daher ist auch nicht ersichtlich, was die eigentliche Idee (die Fake-Sabotage-Pläne) für eine Rolle spielt, wenn sie nichts Neues einführt.
Die beiden Nachworte sind unfassbar mühsam zu lesen, das zweite ist so schlimm, dass ich das Buch fast auf den letzten 7 Seiten abgebrochen hätte.
Ohne hier Dinge vergleichen zu wollen: „Ist das ein Mensch?“ von P. Levi ist ein ungleich besseres Buch/besserer Bericht über das von massivem Unrecht geprägten Leben in einem Lager einer Diktatur, in dem viel genauere Erkenntnisse verhandelt werden.