Der vielleicht spannendste Thriller, den ich in diesem Jahr gelesen habe - nur, dass dies keine Fiktion ist. Was nur noch um so gruseliger macht. Mehrmals pro Seite ist mir der Unterkiefer heruntergeklappt, ich kam aus dem Kopfschütteln überhaupt nicht mehr hinaus, und bei einigen Kapiteln hatte ich richtig Angst und die Befürchtung, nachts Alpträume zu bekommen. Denn die Frage, wie bzw. ob so etwas sein kann, wie so etwas überhaupt möglich ist, ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Manipulation von Menschen und Medien, Manipulation durch Menschen und Medien sind Dinge, die mir wirklich Angst machen.
Das Problem ist: Wer Zweifel anbringt, und seien sie noch so deutlich und logisch, wird oft allzu schnell in die Ecke der paranoiden Verschwörungsspinner gedrängt. Erst recht, wenn sich die Zweifel auf Angaben aus höchstoffizieller Ebene beziehen. Die Autoren dieses Buchs zweifeln dennoch - und das viel, genau und absolut zu Recht. Sie präsentieren eben keine "spinnerte" Verschwörungstheorie, sondern legen den Finger in die vielen, vielen offenen (oder hier eher verschlossenen bzw. versteckten) Wunden, an denen der offizielle Abschlussbericht des 9/11-Anschlags krankt. Und davon gibt es reichlich, sie alle wurden schon zig mal besprochen und diskutiert, meist jedoch fernab der großen Öffentlichkeit. Die Autoren fassen alle diese vielen Fragen zusammen, sie nehmen den Abschlussbericht Stück für Stück auseinander und zeigen die vielen Ungereimtheiten und Vernachlässigungen auf. Das beginnt ganz am Anfang (wer steckte denn nun eigentlich hinter dem Anschlag, wie wurde er überhaupt finanziert - die Kommission scheint das nicht weiter interessiert zu haben) geht über die Ausführung bzw. nicht erfolgte Gegenwehr (wer waren denn nun überhaupt diese 19 Attentäter, warum waren die "Big Four" kaum informiert bzw. scheinbar handlungsunfähig) bis hin zu den dramatischen Folgen (wie konnten die Türme, v.a. das kaum beschädigte WTC7, überhaupt so "kontrolliert" einstürzen). Warum diese vielen Fragen überhaupt berechtigt sind, liegt im Abschlussbericht der Kommission selbst, der diese Fragen oft gar nicht, oder so wirr und unlogisch beantwortet, dass einem die Ohren schlackern ("nicht relevant" o.Ä. Ausdrücke sind auch sehr beliebt). Von Beginn an mit einem lachlaft geringem Budget ausgestattet, wurde den Mitarbeitern der Kommission so ziemlich jeder denkbare Stein in den Weg gelegt. Wichtige Zeugen wurden nicht gehört, wichtige Beweise vorenthalten, wichtige Fragen überhaupt nie gestellt. Und es ist einfach viel zu viel, was an diesem Anschlag, seiner Vorgeschichte, seiner Ausführung und seiner Verarbeitung einfach keinen Sinn ergibt. Zufall ist ja schön und gut, aber in diesen Dimensionen...?
Weshalb die Autoren das Buch zu einer Art Handreichung für die öffentliche Justiz machen. Die Idee dahinter: Sollte die ganze 9/11-Thematik jemals von einem öffentlichen Gericht untersucht und verhandelt werden, sollte es jemals zu einer wirklich unabhängigen Untersuchung seitens der Justiz kommen, benennt dieses Buch sowohl die Zeugen, die vorgeladen werden müssten, das Beweismaterial, in das Einsicht zu nehmen wäre sowie die Fragen, die es zu klären gilt.
Gut, klug und überzeugend gemacht. Und dabei noch äußerst unterhaltsam. Der Ton des Buches ist wunderbar zynisch. Und das passt, denn schon beim Lesen des Vorworts merkte ich, dass Zynismus wohl das einzige Mittel ist, diese "Untersuchung" und ihren Abschluss"bericht" überhaupt näher zu betrachten. Egal, inwieweit man sich jetzt auf die Hintergründe einer möglichen Verschwörung einlassen will, selbst wer nur bei 10, ach was, 5 Prozent der offenen Fragen ein komisches Gefühl bekommt, wird gar nicht umhin kommen, sich der Forderung "Reinvestigate 9/11" anzuschließen und ein paar dieser Fragen mal mit mehr als nur "nicht relevant" zu beantworten - und sei es nur, um "diese verträumten Zweifeler" zum Verstummen zu bringen ;);)
Spannend, unterhaltsam, flott geschrieben: Unbedingte Empfehlung.