Klassiker aus dem Jahr 2009 im Fachbereich Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts, Deutsch, I. Von dem Unterschiede der reinen und empirischen Erkenntnis Daß alle unsere Erkenntnis mit der Erfahrung anfange, daran ist gar kein Zweifel; denn wodurch sollte das Erkenntnisvermögen sonst zur Ausübung erweckt werden, geschähe es nicht durch Gegenstände, die unsere Sinne rühren und teils von selbst Vorstellungen bewirken, teils unsere Verstandestätigkeit in Bewegung bringen, diese zu vergleichen, sie zu verknüpfen oder zu trennen, und so den rohen Stoff sinnlicher Eindrücke zu einer Erkenntnis der Gegenstände zu verarbeiten, die Erfahrung heißt? Der Zeit nach geht also keine Erkenntnis in uns vor der Erfahrung vorher, und mit dieser fängt alle an. Wenn aber gleich alle unsere Erkenntnis mit der Erfahrung anhebt, so entspringt sie darum doch nicht eben alle aus der Erfahrung. Denn es könnte wohl sein, daß selbst unsere Erfahrungserkenntnis ein Zusammengesetztes aus dem sei, was wir durch Eindrücke empfangen, und dem, was unser eigenes Erkenntnisvermögen (durch sinnliche Eindrücke bloß veranlaßt) aus sich selbst hergibt, welchen Zusatz wir von jenem Grundstoffe nicht eher unterscheiden, als bis lange Übung uns darauf aufmerksam und zur Absonderung desselben geschickt gemacht hat. Es ist also wenigstens eine der näheren Untersuchung noch benötigte und nicht auf den ersten Anschein sogleich abzufertigende ob es ein dergleichen von der Erfahrung und selbst von allen Eindrücken der Sinne unabhängiges Erkenntnis gebe. Man nennt solche Erkenntnisse a priori, und unterscheidet sie von den empirischen, die ihre Quellen a posteriori nämlich in der Erfahrung, haben. Jener Ausdruck ist indessen noch nicht bestimmt genug, um den ganzen Sinn, der vorgelegten Frage angemessen, zu bezeichnen. Denn man pflegt wohl von mancher aus Erfahrungsquellen abgeleiteten Erkenntnis zu sagen, daß wir ihrer a priori fähig oder teilhaftig sind, weil wir sie ni
Immanuel Kant was an 18th-century philosopher from Königsberg, Prussia (now Kaliningrad, Russia). He's regarded as one of the most influential thinkers of modern Europe & of the late Enlightenment. His most important work is The Critique of Pure Reason, an investigation of reason itself. It encompasses an attack on traditional metaphysics & epistemology, & highlights his own contribution to these areas. Other main works of his maturity are The Critique of Practical Reason, which is about ethics, & The Critique of Judgment, about esthetics & teleology.
Pursuing metaphysics involves asking questions about the ultimate nature of reality. Kant suggested that metaphysics can be reformed thru epistemology. He suggested that by understanding the sources & limits of human knowledge we can ask fruitful metaphysical questions. He asked if an object can be known to have certain properties prior to the experience of that object. He concluded that all objects that the mind can think about must conform to its manner of thought. Therefore if the mind can think only in terms of causality–which he concluded that it does–then we can know prior to experiencing them that all objects we experience must either be a cause or an effect. However, it follows from this that it's possible that there are objects of such a nature that the mind cannot think of them, & so the principle of causality, for instance, cannot be applied outside experience: hence we cannot know, for example, whether the world always existed or if it had a cause. So the grand questions of speculative metaphysics are off limits, but the sciences are firmly grounded in laws of the mind. Kant believed himself to be creating a compromise between the empiricists & the rationalists. The empiricists believed that knowledge is acquired thru experience alone, but the rationalists maintained that such knowledge is open to Cartesian doubt and that reason alone provides us with knowledge. Kant argues, however, that using reason without applying it to experience will only lead to illusions, while experience will be purely subjective without first being subsumed under pure reason. Kant’s thought was very influential in Germany during his lifetime, moving philosophy beyond the debate between the rationalists & empiricists. The philosophers Fichte, Schelling, Hegel and Schopenhauer saw themselves as correcting and expanding Kant's system, thus bringing about various forms of German Idealism. Kant continues to be a major influence on philosophy to this day, influencing both Analytic and Continental philosophy.
"Ich besorge aber, daß es der Ausführung des Humischen Problems in seiner möglich größten Erweiterung (nämlich der Kritik der reinen Vernunft) ebenso gehen dürfte, als es dem Problem selbst erging, da es zuerst vorgestellt wurde. Man wird sie unrichtig beurteilen, weil man sie nicht versteht; man wird sie nicht verstehen, weil man das Buch zwar durchzublättern, aber nicht durchzudenken Lust hat; und man wird diese Bemühung darauf nicht verwenden wollen, weil das Werk trocken, weil es dunkel, weil es allen gewohnten Begriffen widerstreitend und überdem weitläufig ist." - Immanuel Kant, "Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik die als Wissenschaft wird auftreten können"
Zu Kants Hauptwerk, der Kritik der reinen Vernunft, eine Rezension schreiben zu wollen, würde ich mir im Ernst nicht anmaßen wollen, die fünf-Sterne-Bewertung war hier alternativlos und spielt im Grunde auch gar keine Rolle. Was Kant hier leistet, darüber sollte sich jeder seine eigene Meinung bilden. Die Leseerfahrung der "Kritik der reinen Vernunft" ist ohnehin nicht mittelbar, sondern nur persönlich nachzuvollziehen. Zwei Gesichtspunkte möchte ich trotzdem im Bezug auf die "Kritik der reinen Vernunft" hervorheben, von denen der eine sehr erwartbar, der andere vielleicht etwas überraschender ist.
- Die überwältigende erste Erfahrung, die ich beim Lesen dieses Werks gemacht habe, war Demut. Es gibt vermutlich kaum ein besseres Mittel um herauszufinden, dass man nicht so klug ist, wie man dachte, als einfach mal zu versuchen, ohne Vorübungen die "Kritik der reinen Vernunft" zu lesen, irgendwelche Inselbegabungsmenschen mit Riesenhirnen mal ausgenommen. Den Gegenbeweis darf sich jeder Leser gerne selbst liefern. Die pure Selbstverachtung und äußerste Konzentration auf seine Arbeit, die sich Kant in den 11 Jahren an seinem Hauptwerk angetan haben muss, werden ungefähr ahnbar, wenn man mal versucht, 5 Minuten am Stück konzentriert über ein und denselben Gegenstand nachzudenken ohne allzusehr abzuschweifen. Die Ausschweifungen von Kants (phänomenalem) Satzbau, die vielleicht eines der größeren Lektürehindernisse sind, habe ich persönlich eher als eine Spur seines überragenden Intellekts empfunden, für den es kein Problem darstellt, einem Gedanken ebenso wie einem Satz eine halbe Seite lang durch eine kaum noch durchschaubare Konstruktion von Verschachtelungen, Einwürfen und Klammerungen zu folgen. Ich muss ehrlich zugeben, mich primär vor zwei Jahren mal an der "Kritik der reinen Vernunft" das erste Mal versucht zu haben, weil ich mir ziemlich cool dabei vorkam, mich mit Philosophie anstatt mit Facebook zu beschäftigen. Einige von Kants Argumentationen sind sicherlich nicht ganz so unangreifbar, wie er das selbst immer wieder im Anschluss an sie betont (zu welcher Erkenntnis mich persönlich aber auch nur ergänzende Lektüre gebracht hat).
Es bleiben, wenn man sich (was irgendwie als Hauptmotivation erwartbar wäre) mit dem philosophischen Aspekt der "Kritik" beschäftigt, trotzdem einige erschütternde Argumentationen, die bis heute die besten verfügbaren Antworten auf einige der zentralen Fragen und Paradoxen der menschlichen Vernunft darstellen.
- Der wesentliche Teil dieser "Rezension", denn im obigen Absatz steht sicherlich nichts sonderlich originelles, ist eigentlich dieser: Abgesehen von dem reichen philosophischen Schatz, den die "Kritik der reinen Vernunft" birgt, hat sie mir auch, nach einigem Traning und Vorübungen (Kants eigene "Prolegomena" sind am ehesten zu empfehlen finde ich) ein erhebliches Lesevergnügen bereitet. Kant geht, sowohl in den Prolegomena, als auch in der "Kritik" selbst, an mehreren Stellen darauf ein, dass er nicht darauf rechnet, dass eine große Menge sein Hauptwerk lesen wird, zugleich aber darauf, dass von diesen wenigen ein ungleich kleinerer Teil es vermutlich verstehen wird. Zu dem Leser, der es bis ans Ende geschafft hat, empfindet Kant ein spürbar Kumpel- und Komplizenhaftes Verhältnis. Ob ich aus diesem Buch irgendetwas verstanden habe, sei mal dahingestellt, aber dass Immanuel Kant mich für eine coole Sau hält, darauf würde ich mir schon was einbilden. Wenn man sich nach einiger Zeit an Kants ausschweifenden Satzbau gewöhnt hat, finde ich persönlich, dass auch für die eigene Konzentration ein gewisser Trainings- und Lerneffekt spürbar ist. Dann kann man nicht nur immer öfter Kants Argumentationen längere Zeit folgen, ohne immer wieder an den Satzanfang zurückkehren zu müssen- man kann auch bemerken, dass nicht nur in Kants Philosophie, sondern auch in seiner Sprache, eine kräftige, karge, wenn auch schwer zu entdeckende Schönheit liegt.
Die Auseinandersetzung mit diesem Werk würde ich, wenn man egoistisch denkt, als eines der sinnvollsten und bereicherndsten Dinge vermuten, die man mit seinem Leben so anstellen kann. Aber wie Kant selbst (wenn auch an anderer Stelle) schon schreibt: "Wer diesen Plan, den ich als Prolegomena vor aller künftigen Metaphysik voranschicke, selbst wiederum dunkel findet, der mag bedenken, daß es eben nicht nötig sei, daß jedermann Metaphysik studiere[...]."
Nach Platon und Aristoteles führt kein gerader Weg, sondern ein geistiger Anstieg: von der Idee zum Begriff, vom Dialog zur Definition, vom Staunen zur Systematik. Und doch bleibt bei beiden ein Rest von Welt – ein Bereich, der sich der endgültigen Begründung entzieht. Diesen Raum betritt Immanuel Kant. Er steht am Ende einer langen Bewegung des abendländischen Denkens, die bei Platon mit der Frage nach dem Wahren beginnt und bei Aristoteles mit der Ordnung des Seienden Gestalt annimmt. Kant vollzieht den entscheidenden Schritt: Er richtet die Frage nach der Erkenntnis nicht mehr an die Welt, sondern an den Verstand selbst. Mit der „Kritik der reinen Vernunft“ wagt er das Experiment, die Bedingungen aller möglichen Erfahrung systematisch zu bestimmen – eine Philosophie, die zugleich Wissenschaftstheorie, Erkenntniskritik und Selbstbefragung der Vernunft ist. Am Ende dieses Werks erhebt Kant zwei große Ansprüche: den Innovationsanspruch, eine völlig neue Methode des Philosophierens begründet zu haben, und den Vollständigkeitsanspruch, in seiner Kritik nichts Wesentliches ausgelassen zu haben. Er fordert seine Lesenden ausdrücklich auf, ihn an dieser Vollständigkeit zu messen – ein fast übermenschliches Selbstvertrauen, das sich weniger aus Eitelkeit speist als aus dem Willen, endlich festen Boden unter das Denken zu bringen. In diesem Regal stehen die drei Kritiken neben der Prolegomena, den kleinen, scharf geschnittenen Abhandlungen und einer reichen Sekundärliteratur, die Kommentare, Exegese und kritische Reflexionen umfasst – allesamt Nachbeben dieses geistigen Erdbebens. Sie zeugen von einem Denken, das weder in den Himmel der Ideen flieht noch in der Beschreibung der Welt verweilt, sondern die Bedingungen beider sichtbar macht – und damit den vielleicht größten architektonischen Entwurf des menschlichen Geistes vorlegt. Die bereits eingerichteten Regale – Platon, Aristoteles – sowie das noch einzurichtende Kant-Regal dokumentieren meine über 4000 Bücher: meine persönliche Topographie des Lesens und Denkens. Was sind schon viertausend Bücher in achtundvierzig Jahren, wenn weltweit jedes Jahr rund 1,79 Millionen neue Bücher erscheinen? Diese Zahl relativiert meine Leseleistung, nicht jedoch die Bedeutung der Gedanken, die in den Büchern dieser Regale nachhallen. Eine ausführliche Besprechung ist unter folgendem Link zu finden: https://www.goodreads.com/book/show/1...