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German Colonialism: Race, the Holocaust, and Postwar Germany

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More than half a century before the mass executions of the Holocaust, Germany devastated the peoples of southwestern Africa. While colonialism might seem marginal to German history, new scholarship compares these acts to Nazi practices on the Eastern and Western fronts. With some of the most important essays from the past five years exploring the "continuity thesis," this anthology debates the links between German colonialist activities and the behavior of Germany during World War II. Some contributors argue the country's domination of southwestern Africa gave rise to perceptions of racial difference and superiority at home, building upon a nascent nationalism that blossomed into National Socialism and the Holocaust. Others remain skeptical and challenge the continuity thesis. The contributors also examine Germany's colonial past with debates over the country's identity and history and compare its colonial crimes with other European ventures. Other issues explored include the denial or marginalization of German genocide and the place of colonialism and the Holocaust within German and Israeli postwar relations.

360 pages, Hardcover

First published January 1, 2010

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February 17, 2026
Die „Kontinuitätsthese“ im Visier der Realpolitik
Das Erscheinen von „German Colonialism: Race, the Holocaust, and Postwar Germany“, herausgegeben von Volker Langbehn und Mohamed Salama, wirkt wie ein intellektuelles Manifest gegen das gegenwärtige politische Vergessen. Während die historische Forschung – in diesem Band eindrucksvoll gebündelt – die Verbindungslinien vom Völkermord an den Herero und Nama bis zu den Vernichtungspraktiken des Nationalsozialismus immer präziser freilegt, setzt Kulturstaatsminister Wolfram Weimer einen kulturpolitischen Kontrapunkt: die Streichung des Kolonialismus aus dem neuen Gedenkstättenkonzept des Bundes.
So entsteht eine aufschlussreiche Gleichzeitigkeit: wissenschaftliche Vertiefung hier, erinnerungspolitische Verengung dort.

1. Wissenschaft als Korrektiv politischer Amnesie
Im Zentrum des Bandes steht die sogenannte „Kontinuitätsthese“ – die Frage, ob Deutsch-Südwestafrika als historisches Laboratorium jener rassistischen Gewaltpraktiken verstanden werden muss, die im Holocaust ihren radikalisierten und industrialisierten Ausdruck fanden.
Die Beiträge zeigen mit analytischer Präzision, dass wesentliche Elemente nationalsozialistischer Vernichtungspolitik – Rassenklassifikation, administrative Entmenschlichung und biopolitische Kontrolle – bereits im kolonialen Kontext erprobt, institutionalisiert und ideologisch legitimiert worden waren.
Gerade hierin liegt die gegenwärtige Brisanz: Während die politische Ebene den Kolonialismus aus dem institutionellen Gedächtnis zu verdrängen scheint, belegt die Forschung seine strukturelle Bedeutung für das Verständnis der deutschen Gewaltgeschichte. Der Kolonialismus erscheint nicht länger als historische Peripherie, sondern als integraler Bestandteil einer ideologischen Kontinuität.

2. Die politische Konstruktion erinnerbarer Vergangenheit
In Anlehnung an Josué Guébo „Seuls les oiseaux savent la vérité sur les frontières“ ließe sich sagen: Während der Dichter die künstlichen Grenzen der Kolonialzeit zu überwinden versucht, entstehen im erinnerungspolitischen Raum neue Grenzziehungen – nicht geografisch, sondern epistemisch.
Der Band von Langbehn und Salama zeigt, dass das Ausblenden kolonialer Gewalt aus der nationalen Erinnerung keine bloße editorische Entscheidung ist, sondern eine strukturierende Intervention in das historische Selbstverständnis.
Es entsteht eine selektive Erinnerungskultur: eine nationale Selbstbeschreibung, die Verantwortung anerkennt, jedoch nur innerhalb eines politisch stabilisierten Rahmens.
In Guébos Terminologie ließe sich dies als eine Form erinnerungspolitischer „indépendance de pacotille“ beschreiben – die symbolische Behauptung historischer Reife bei gleichzeitiger Begrenzung ihrer erkenntnistheoretischen Konsequenzen.

3. Streitbarkeit als Voraussetzung historischer Redlichkeit
Besonders überzeugend ist der Band durch seine methodische Offenheit. Er präsentiert die Kontinuitätsthese nicht als abgeschlossenes Dogma, sondern als dynamisches Forschungsfeld. Skeptische Positionen stehen neben affirmativen Interpretationen, empirische Detailstudien neben theoretischen Reflexionen.
Gerade diese Pluralität ist seine Stärke. Denn historische Erkenntnis entsteht nicht aus der Stabilisierung von Gewissheiten, sondern aus der kontrollierten Konfrontation konkurrierender Deutungen.
Der Band verteidigt damit implizit eine „Architektur der Freiheit“ im historischen Denken: ein Erinnern, das den Holocaust und die kolonialen Genozide nicht isoliert, sondern als miteinander verflochtene Ausdrucksformen einer ideologischen und institutionellen Entwicklung begreift.

Fazit: Die Bibliothek als Ort der historischen Selbstaufklärung
Wenn politische Institutionen bestimmte Kapitel der Vergangenheit marginalisieren, verschiebt sich die Verantwortung auf die Forschung. Geschichte verschwindet nicht – sie verändert ihren institutionellen Ort.
Dieses Buch wirkt daher wie ein intellektuelles Instrument der Freilegung. Es durchbricht die Verhärtungen selektiver Erinnerung und stellt die unbequeme, aber notwendige Frage nach den strukturellen Kontinuitäten deutscher Gewaltgeschichte.
Es ist damit nicht nur ein Beitrag zur Geschichtswissenschaft, sondern ein Beitrag zur Selbstaufklärung einer Gesellschaft, die Gefahr läuft, ihre eigene historische Tiefendimension zu verkürzen.
Ein notwendiges, unbequemes und zutiefst zeitgemäßes Buch.
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