Bresekow, ein Dorf in Vorpommern. Als die alte Frau Hanske stirbt, kommt ihre Tochter Ingrid mit ihrer Familie aus Irland zur Beerdigung. Ingrid hatte Bresekow vor vielen Jahren fluchtartig verlassen. Der Besuch verändert vieles im Dorf, wirft gerade für die Familien Ploetz und Wachlowski alte und neue Fragen auf. Die Dorfbewohner beginnen zu sprechen, über ihr derzeitiges Leben und ihre Verstrickungen von damals. Bresekow war immer eine kleine Welt, eng, abgelegen und heute zudem vom Verfall bedroht.
Judith Zander lässt drei Generationen zu Wort kommen. Sie erzählt mit ungeheurer Sprachkraft von einem verschwiegenen Ort im Nordosten Deutschlands, von Provinz und Alltag, von Freundschaft und Verrat, vom Leben selbst.Die Autorin wurde bei den 34. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt für ihren Auszug aus 'Dinge, die wir heute sagten' mit dem 3sat-Preis 2010 geehrt. Sie erhielt für diesen Roman den Preis der Sinecure Landsdorf 2010 und war nominiert für den Klaus-Michael Kühne-Preis 2010. Zudem wurde der Roman auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2010 aufgenommen.
Judith Zander popostudierte Germanistik, Anglistik sowie mittlere und neuere Geschichte in Greifswald und ging anschließend an das Deutsche Literaturinstitut Leipzig. Ihre Gedichte wurden bisher in Zeitschriften und Anthologien, u. a. Edit, Manuskripte, Wespennest, Ostragehege, Das Gedicht sowie Quellenkunde (Lyrikedition 2000, 2007), Lyrik von jetzt zwei (Berlin Verlag, 2008), Neubuch. Neue junge Lyrik (yedermann, 2008) veröffentlicht. 2008 erhielt sie ein Stipendium der Kulturstiftung Sachsen im Edith-Stein-Haus in Breslau und ebenso das Stipendium des Künstlerhauses Lukas in Ahrenshoop. Judith Zander arbeitet auch als Übersetzerin amerikanischer Lyrik, z. B. für Sylvia Plath und Bob Hicok.
! Grossartig. Ich liebe die Sprache: die verschiedenen Soziolekte, und das Platt, je nach Person. Die Handlung ist ganz interessant, würde aber ohne die grandiose Erzählweise recht ereignislos dahintröpfeln. Die Ereignisse (oder nicht-Ereignisse) funktionieren nur als "Leinwand" für die Beschreibung der Dorfgesellschaft - Das aber sehr gut...
In Kurz: Das beste, was ich seit langer Zeit gelesen hab.
Ein sehr sorgfältig komponiertes Buch, in dem die Sprache eine der wichtigsten Protagonisten ist. Es passiert nicht viel an der Oberfläche, dafür aber im Inneren der Menschen. Die Art, wie die Autorin indirekt, durch die jeweiligen Gedanken, ihre Figuren einfängt fand ich großartig.
Und nicht zu vergessen: das Buch ist auch eine Hommage an die Beatles & Uwe Johnson :-)
Ein bisschen Story, aber vor allem eingefangene Innenansichten und, je nach Alter, Erinnerungen einiger Dorfbewohner. Die Sprachstile passend zu den Charakteren. Am anstrengensten ist für mich der Pastor "zu lesen" und das Platt der Gemeinde.
Vom Aufbau her erinnert mich der Roman an Julia Zehs "Unterleuten", das ebenfalls in einem Dorf "spielt" und aus der Perspektive mehrerer Dorfbewohner erzählt wird. Allerdings gibt es dort nach meiner Erinnerung mehr Handlung. In "Dinge..." geht es, bis auf die Teenager, auch viel um Erinnerung, wie das Leben früher war, nach dem Krieg, in der DDR.
Der "Anlass" des Romans, die Rückkehr von Ingrid Hanske nach dem Tod ihrer Mutter, spielt dann - abgesehen von der Präsenz ihres Sohnes für die beiden Teenagerinnen - nicht wirklich ein Rolle. Mir ist diese Ingrid fremd geblieben; so wie ihre Perspektive beschrieben wird, kann ich sie mir auch schwer als Mutter vorstellen. Sonja kann ich gut nachvollziehen, die beiden Mädchen sind etwas nerdig. Der Pastor ist sprachlich schwierig und irgendwie unbeteiligt an der Handlung.
Insgesamt ein Roman, der durch seine Figuren geprägt wird, ihre Sprache, und den Eindruck, den die Bewohner des Dorfes machen, weniger durch eine gradlinig erzählte "Story".
Ich mag, dass ab und zu in Mundart geschrieben wurde. Und die Freundschaft, die sich zwischen Romy und Ella entwickelt ist schön. Habe das Gefühl, dass sie ein bisschen von Paul verarscht wurden. Henry ist mir etwas zu simpel dargestellt.
Auf´m Dorf Nach Jahren kehrt sie zurück ins Dorf in Mecklenburg-Vorpommern. Nachdem ihre Mutter gestorben ist, kommt Ingrid mit ihrem Mann und ihrem Sohn aus Irland angereist, um an der Beerdigung teilzunehmen. Das gibt ein Gerede im Dorf, schließlich hat sie sich ewig nicht blicken lassen. Noch vor der Wende ist sie in den Westen abgehauen und ihren behinderten ersten Sohn ließ sie zurück. Und nun soll das Elternhaus veräußert werden. Eine Weile will sie mit ihrer neuen Familie dableiben bis alles geregelt ist. Und ihr jüngerer Sohn Paul bringt die Welt der jungen Frauen im Dorf durcheinander.
Aus verschiedenen Sichtweisen wird die Geschichte dieser Heimkehr, die letztlich keine ist, erzählt. Jung und alt berichten von sich, von Ingrid, von Ingrids Familie und wie alles kam. Teilweise werden die Gedanken der Menschen so niedergeschrieben, wie sie es wohl aufs Band sprechen würden, hochdeutsch, mit Schnauze, Plattdeutsch. Teilweise mit drastischer Direktheit werden die Ereignisse dargelegt. Schonungslos offenbaren sich einige der Berichterstatter. Teilweise geraten sie mit ihrer Gedankenflut jedoch auch ins Lamentieren. Dann wird das Lesen, welches sonst eher zügig voranschreitet, von Goethes Ennui gebremst. Zudem wird es ein wenig mühsam die eigentlich etwas bittere Geschichte dieser Heimkehr aus den vielen Gedankengängen der unterschiedlichen Personen herauszufiltern.
Ein Roman, der mir persönlich wahrscheinlich mehr gesagt hätte, wäre die Handlung in einen üblicheren Fluss gekleidet worden. Die vielen guten Ideen und Ausführungen wären möglicherweise in Zwischenspielen oder -kapiteln ebenso zur Geltung gekommen.