This watershed study is the first to consider in concrete terms the consequences of Britain's abolition of the Atlantic slave trade. Why did Britain pull out of the slave trade just when it was becoming important for the world economy and the demand for labor around the world was high? Caught between the incentives offered by the world economy for continuing trade at full tilt and the ideological and political pressures from its domestic abolitionist movement, Britain chose to withdraw, believing, in part, that freed slaves would work for low pay which in turn would lead to greater and cheaper products. In a provocative new thesis, historian David Eltis here contends that this move did not bolster the British economy; rather, it vastly hindered economic expansion as the empire's control of the slave trade and its great reliance on slave labor had played a major role in its rise to world economic dominance. Thus, for sixty years after Britain pulled out, the slave economies of Africa and the Americas flourished and these powers became the dominant exporters in many markets formerly controlled by Britain. Addressing still-volatile issues arising from the clash between economic and ideological goals, this global study illustrates how British abolitionism changed the tide of economic and human history on three continents.
David Eltis is an Emeritus Professor of History at Emory University, Atlanta and a Research Associate at the Hutchins Center, Harvard University, Massachusetts and at the University of British Columbia. His publications include Atlas of the Transatlantic Slave Trade (with David Richardson, 2010), The Rise of African Slavery in the Americas (1999), and Economic Growth and the Ending of the Transatlantic Slave Trade (1989).
Die folgende kritische Rezension basiert auf einer Synthese der verfügbaren Informationen zu Eltis’ bahnbrechender Untersuchung über die ökonomischen und organisatorischen Dynamiken des transatlantischen Sklavenhandels im 19. Jahrhundert. Die Darstellung folgt den drei zentralen Analysefeldern: den ökonomischen Auswirkungen von Abolitionismus und britischer Unterdrückung, den Veränderungen von Angebot, Nachfrage und Organisation sowie der geografischen Beheimatung der Sklavenschiffe. David Eltis’ bahnbrechende Untersuchung „Economic Growth and the Ending of the Transatlantic Slave Trade“ eröffnet einen präzisen, zugleich ernüchternden Blick auf die ökonomischen und organisatorischen Dynamiken des transatlantischen Sklavenhandels im 19. Jahrhundert. Diese Rezension nähert sich dem Werk aus analytischer Perspektive und konzentriert sich auf drei zentrale Aspekte: die ökonomischen Konsequenzen von Abolitionismus und britischer Unterdrückung, die Veränderungen von Angebot, Nachfrage und Handelsorganisation sowie die geografische Verlagerung der Beheimatung der Sklavenschiffe.
1. Ökonomischer Einfluss von Abolitionismus und britischer Unterdrückung
Die britische Abolitionspolitik erscheint bei Eltis als ökonomische Anomalie – eine Politik, die im Lichte nationaler Interessen „wrongheaded enough to qualify for inclusion in Barbara Tuchman’s catalog of folly in government“ gewesen sei. Die direkten Kosten der britischen Unterdrückung des Sklavenhandels beliefen sich zwischen 1816 und 1862 auf rund 11,7 Millionen Pfund Sterling (in konstanten Preisen von 1821–1825) – vermutlich mehr, als britische Investoren vor 1807 durch den legalen Handel je verdient hatten. Diese Politik zerstörte die bisherige Weltmarktposition des britischen Plantagensektors und stärkte stattdessen die sklavenbasierten Ökonomien Kubas und Brasiliens, deren Exporte (Zucker, Kaffee) im 19. Jahrhundert massiv expandierten. Obwohl das Handelsvolumen zunächst sank, führte die Repression zu einer Explosion der Kosten und Risiken für die Händler – etwa durch Bestechung und steigende Versicherungsprämien. Paradoxerweise brachte gerade der illegale Handel extrem hohe Gewinne hervor, mindestens doppelt so hoch wie jene im legalen Handel des 18. Jahrhunderts, allerdings um den Preis großer Unsicherheit und häufigen Bankrotts.
2. Veränderung von Angebot, Nachfrage und Organisation
Die Nachfrage nach versklavten Arbeitskräften blieb in den Amerikas trotz wachsender Ächtung stark – genährt durch die industrielle Expansion und die zunehmende Konzentration auf Plantagenkulturen (Baumwolle, Zucker, Kaffee). Die Unterdrückungspolitik verknappte das Angebot, erhöhte die Kosten und ließ die Sklavenpreise steigen, was die Plantagenbesitzer zwang, die Produktivität pro Sklave weiter zu steigern. Geografisch verlagerte sich das afrikanische Angebot: Zwischen 1821 und 1867 stammten fast zwei Drittel der Deportierten aus Häfen südlich des Äquators. Das Volumen blieb hoch – noch zwischen 1811 und 1820 erreichte es etwa zwei Drittel des Rekordniveaus der 1780er Jahre. Parallel dazu expandierte der legitime afrikanische Warenhandel (z. B. Palmöl), der bis zur Mitte des Jahrhunderts wirtschaftlich bedeutsamer war als der Sklavenexport. Organisatorisch wandelte sich der Handel von einem europäischen, staatlich regulierten System zu einer illegalen, hochriskanten, in den Amerikas verankerten Unternehmung. Schnellere Schiffe (Klipper) und große Handelsfirmen – etwa Martínez & Blanco in Kuba oder Pinto da Fonseca in Brasilien – dominierten das Geschäft, oft in Form von Aktiengesellschaften zur Risikostreuung. Bestechung, Verschleierung und das Unterhalten geheimer Faktoreien wurden zu zentralen Kostenfaktoren.
3. Beheimatung der Sklavenschiffe
Im 19. Jahrhundert erlebte die Beheimatung der Sklavenschiffe eine vollständige geographische Umkehrung. Vor 1790 waren etwa 70 % der Schiffe in europäischen Häfen registriert. Nach der britischen (1807) und der US-amerikanischen (1808) Abschaffung verlagerte sich der Schwerpunkt radikal: Nach 1820 waren über 90 % der Schiffe in den Amerikas beheimatet. Die wichtigsten Zentren lagen nun in Havanna, Bahia und Rio de Janeiro – in unmittelbarer Nähe der Absatzmärkte. Zwar führten nun spanische, portugiesische, später brasilianische und kubanische Händler die Geschäfte, doch die wahre Kapitalbasis blieb verschleiert. Durch die Nutzung fremder Flaggen – etwa portugiesischer oder US-amerikanischer – wurden Herkunft und Eigentum bewusst verwischt. Trotz des offiziellen Rückzugs europäischer Mächte blieb britisches Kapital indirekt präsent, indem britische Kaufleute weiterhin Kredite und Waren für die illegalen Sklavenhändler lieferten.
4. Moralische und philosophische Einordnung Einordnung
Eltis’ Buch offenbart ein fundamentales Paradox europäischer Moderne: die Gleichzeitigkeit moralischer Läuterung und ökonomischer Komplizenschaft. Die Abolition war nicht nur ein humanitäres Ideal, sondern auch eine Verschiebung der Interessen – weg von der physischen Versklavung, hin zu neuen Formen ökonomischer Abhängigkeit. In dieser Perspektive erscheint die „Beendigung“ des Sklavenhandels weniger als moralischer Sieg denn als Transformation der Ausbeutung. Der historische Blick, den Eltis eröffnet, zwingt dazu, den Begriff des Fortschritts zu überdenken: Wenn moralische Bekenntnisse sich mit wirtschaftlichen Interessen überlagern, bleibt die Frage, ob die Moderne tatsächlich das Ende der Sklaverei brachte – oder nur ihre Verlagerung in subtilere Formen.
This is a good book for revising some of the earlier misconception for the economic reasonings behind the grand abolition. Eltis makes a convincing argument for the link between the rise of "wage-labour" in Europe and abolition of slavery in New World.