Danke für alles, Herr Bichsel. Ruhen Sie in Frieden.
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Diese Sammlung von sechs Essays und Reden aus den 1960er- und 80er-Jahren verkörpert Bichsels Ansichten und Kritik zur politischen und gesellschaftlichen Lage seiner Heimat. Einem Max Frisch nicht unähnlich, nimmt er dabei kein Blatt vor den Mund. Oft ist auch ein gewisser, sehr schweizerischer Schalk dabei. Demokratie, Freiheit, Armee, Bildung, Fortschritt, Aussenpolitik, Wohlstand: Was ihn und die Schweiz damals schon beschäftigte, beschäftigt uns noch heute - und zwar so, dass beim Lesen nicht gross auffällt, dass einige Paragraphen bereits fünfzig Jahre alt sind.
Wer den Hochschulförderungsgesetz freundlich gestimmt ist, erklärt, unsere Studenten seien ruhig und verdienten die Förderung. Wer eher dagegen ist, erklärt, unsere Studenten seien ruhig, und das spreche doch dafür, dass es mit unseren Hochschulen nicht schlecht bestellt sein könne. (S. 38)
Wir sind in diesem Land nur noch beschäftigt mit der Verteidigung unseres Reichtums - das heisst, wir sind nur noch damit beschäftigt, den dauernden Beweis zu erbringen, wie schwer wir selbst es haben. (S. 63)
(...) Aber dieser Staat hat einen Ruf zu verlieren, den Ruf, ein humanitärer, international solidarischer Staat zu sein, den Ruf, ein mutiger Staat zu sein. Also lässt man ihn doch besser politisch gar nicht antreten, dann muss er sich nicht beweisen. Die vielen Angriffe auf unseren Aussenminister Aubert [SP, 1978-87] haben auch damit zu tun, dass man ihm übelnahm, dass er versuchte, als Aussenminister Aussenpolitik zu betreiben. Unsere Wirtschaft will diese betreiben, und sie betreibt sie erfolgreich und mit Gewinn. (S. 67)
Ich erkenne leider keinen Unterschied zu heute. Ausser, dass unser Aussenminister den Liberalen angehört.