Sie sind schwul, sehen gut aus und haben interessante Berufe. Sie leben ihr Leben in einer Welt zwischen abgedrehten Partys und bizarren Kunstevents, Konsum, Fitnesstraining und First World Problems. Aber irgendetwas funktioniert nicht mehr so wie früher ...
David ist Mitte dreißig und Kinderarzt. Sein Freund ist etwas jünger, Architekt und hat das gemeinsame 200-Quadratmeter-Luxusloft geplant. Davids bester Freund Martin ist gerade fünfzig geworden und Landschaftsplaner. Dessen beste Freundin wiederum ist Bloggerin und selbst ernannte Schwulenmutti.
Außerdem gibt’s da noch Lena und Rita, die bald heiraten, Peter und irgendwie auch den jungen Ben. Doch dann verliebt sich die Schwulenmutti in einen Schwulen, David und sein Freund haben eine gröbere Beziehungskrise und die Hochzeit von Lena und Rita gerät zum perfekten Desaster.
Mit viel Ironie schreibt Christopher Wurmdobler über Freundschaft, Liebe und Sex, Körperkult, Älterwerden, Vorurteile und das schöne Leben in der queeren Wiener Großstadt-Blase, manchmal berührend, oft unglaublich witzig und immer so, dass man nicht aufhören kann zu lesen.
Was sich anhört wie eine billige Soap ist, nun ja, zwar genau das, aber so viel mehr. Das Buch ist durchweg von so viel Ironie durchzogen, dass man sie anfangs fast übersieht und sich fragt, was man hier eigentlich vor sich hat. Der Schreibstil ist sehr vom Wienerischen geprägt und hat einen starken Erzählcharakter, was einem aber doch das Gefühl gibt, mitten dabei in diesem kunterbunten Hühnerhaufen zu sein. Aber beginnen wir mal von vorn.
»Solo« verläuft nach keinem klassischen Spannungsbogen. Es erzählt aus wechselnden Sichtweisen das Leben der Hauptcharaktere, die alle irgendwie im selben Freundeskreis stecken oder die durch Überschneidungen etwas miteinander zu tun haben. Dabei sind alle Personen irgendwie queer, sie leben in ihrer Blase, bekommen kaum etwas vom Leben derer mit, die sich nicht darin bewegen. Der Autor lässt sehr stark die Wienerische Umgangssprache einfließen, die mir das Reinkommen anfangs etwas schwer machte, der Story aber dafür sehr viel Authentizität verleiht. Wie kann es sein, dass ich meine, die Wiener Szene nun bestens zu kennen, obwohl ich sie nicht im Geringsten selbst erlebt habe?
Wenn man sich irgendwann in diesen teils etwas derben Dialekt eingelesen hat, kommt man aus dem Lachen allerdings kaum noch heraus. Christopher Wurmdobler zieht Klischees durch den Kakao, dass es kracht. Dabei meine ich nicht nur die Klischees, die Menschen über Homosexuelle haben, sondern vor allem die, wie sich die großstädtische Gesellschaft heutzutage verhält. Eine vegane Food-Bloggerin, die sich heimlich Fleischkäse in den Mund stopft, minutenlanges Posieren vor dem Smartphone, um den besten Winkel für Instagram zu erwischen à la »Soll ich dich fotografieren?«, »Nein, sonst ist es ja kein Selfie!«, hat nicht überhaupt jeder ein Profil auf Grindr, und ein Power-Eventmanager-Lesben-Duo, für die ihre Hochzeit zum größten Projekt der Karriere wird und der eigentliche Sinn dahinter mal kurz verloren geht. Und bevor ich’s vergesse: Schwule feiern die besten Partys. Ach ja? Na ja, vielleicht ein bisschen… Das alles sind nur Beispiele für den trocken komischen Erzählstil, der mich hat Tränen lachen lassen, auch wenn er eben gewöhnungsbedürftig ist. Einen kleinen Einblick in den Schreibstil erhaltet ihr im Buchtrailer, den ihr am Ende des Beitrags findet.
Man könnte meinen, durch diesen Soap-Charakter blieben die Charaktere oberflächlich und farblos, doch das ist hier in keinster Weise der Fall. Jede Person gewinnt man auf gleiche Weise lieb, da sie all das echte Leben in sich tragen, das uns auch in unserem eigenen alltäglichen Leben begegnen könnte, wenn wir nur die Augen dafür öffnen.
Ist man zuerst der Meinung, einen wenig anspruchsvollen Unterhaltungsroman vor sich zu haben, fällt einem irgendwann der satirische Unterton schnell wie Schuppen von den Augen. Ich meine irgendwo gelesen zu haben, dass Christopher Wurmdobler der Meinung war, dass es genug problembehaftete Romane über Homosexuelle gibt und dass dringend etwas her musste, das sich selbst nicht zu ernst nimmt und dass Schwule, genau wie alle anderen Menschen auch, nicht mit ihrer Sexualität zu kämpfen haben, sondern sich allenfalls selbst in die Quere kommen. Dem kann ich absolut zustimmen; es wurde Zeit für eine blöde, ehrliche, (un)komplizierte Darstellung des schwulen Wiener Großstadtlebens.
Fazit
Wenn auch Christopher Wurmdoblers Solo sicherlich Geschmackssache ist, hat der Autor damit bewiesen, dass sich die sogenannte LGBT-Community wunderbar selbst auf die Schippe nehmen kann und die restliche Gesellschaft dabei mitzieht. Er hat damit urkomisch satirische Unterhaltungsliteratur geschrieben und nimmt sich dabei selbst nicht zu ernst. Ich bin mir sicher, dass seine direkte Art nicht jedem zusagt; wer aber weiß, dass unsere Welt bunt ist und bereit ist, auch über sich selbst zu lachen, dem kann Solo* ein paar unterhaltsame Lesestunden bescheren.
Der Alltag eines schwulen Freundeskreises in Wien, gefüllt mit likes auf instagram, dates auf grindr, vielen Feiern und der Erkenntnis, dass vieles nicht mehr so funktioniert wie früher. Bei manchen Szenen habe ich Tränen gelacht (Stephs Erkenntnis woher sie Kleider auf der Party kennt, die Kunstaktion mit den Luftballons), außerdem hatte ich riesige Freude mit den Kapitelüberschriften, die deutsche Übersetzungen von bekannten Poptiteln sind. Nachdem man die Welt der Freunde und ihre Beziehung zueinander besser kennen gelernt hat, eröffnet sich auch das verbindende Element der Geschichte und man wartet gespannt, wie sich alles zusammenfügen wird. Da findet sich für mich auch das Manko des Romans, es wird ein wenig vorhersehbar. Gen Ende gibt es auch immer ernstere Abschnitte und man bekommt sogar etwas Mitleid mit der hippen, gutaussehenden Clique, die irgendwo spürt, dass sie in einer Blase lebt, die irgendwann platzen wird, aber unfähig ist, etwas daran zu ändern. Nein, das ist kein Oscar Wilde und kein aufrüttelnder sozialkritischer Roman über das Schwulenleben in der heutigen Zeit. Das ist Unterhaltungsliteratur, die einfach Spaß macht. Mit teilweise frechen, abstrusen und vollkommen abgedrehten Momenten. Ich habe mich jedes Mal gefreut, wenn ich es geöffnet habe, weil es sich anfühlte, wie eine warme Kuscheldecke, in die man sich einwickelt, um den Alltag ein wenig auszuschließen. Hier geht es in allererster Linie um Freundschaft, das Älterwerden und schrägen Humor. Wenn man sich darauf einlässt, wird man nicht enttäuscht.
Keine komplexen Charaktere, keine interessante oder besonder spannende Handlung, kein wirklich origineller Schreibstil, einfach der normale Alltag von ein paar random Freunden. Ein paar Mal musste ich schmunzeln, grundsätzlich ist das Buch auch angenehm geschrieben - also man kommt schnell durch -, die Charaktere sind auch nicht unsympathisch. Alles in allem ist das Buch nett oder ok, mehr aber auch nicht. Kein großer Spannungsbogen, kein Drama bei dem man das Gefühl hat, das es ernstzunehmende Konsequenzen haben wird (vielleicht lagen mir die Charaktere aber auch einfach nicht genug am Herzen, um ernsthaft in ihre Probleme investiert zu sein) und auch keine große Moral oder Lebensweisheit oder einfach IRGENDWAS am Ende, was ich aus dem Buch mitnehmen könnte, für mein eigenes Leben. Sicher ein nettes Buch, wenn man im Urlaub am Strand liegt und was zum Lesen braucht, aber nicht genug um mich ernsthaft bewegen zu können. Irgendwie schade, aber eigentlich nicht so schlimm, ist vermutlich auch nicht das Ziel dieses Buches.
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Die Geschichte ist ziemlich flach, und das was in einem Freundeskreis passiert, ist leider nur für diesen interessant. Die Charaktere sind zwar fiktiv, basieren aber stark auf den realen Personen.
Man hat hier die ganz netten und liebevollen Personenportaits, recht passabel dargestellt die zwischenmenschliche Situationen, und dafür ziemlich schlimm detailliert und oft unnötig die Orte-, Mode- und Musikbeschreibungen mit viel zu vielen Anglizismen dazu.