Die Negation Von Solidaritat: Selbstdarstellungs- Und Interaktionsstrategien Des Kleinburgertums in Den Dramen 'zur Schonen Aussicht', 'geschichten ... (Probleme Der Dichtung, 53)
Odon von Horvath gilt mit seinen Dramen vor 1933 als Chronist der kleinburgerlichen Gesellschaft in den Zwischenkriegsjahren. Er fokussiert just das Milieu der abhangig Beschaftigten und kleinen Selbstandigen, in dem der deutsche Faschismus erstarkt. Die Arbeit bestimmt die Verhaltensweisen von Horvaths Kleinburgern als "strategische Interaktionen" (Erving Goffman), die auf Mittel der Selbstinszenierung und auf das Bemuhen, "das Sein durch den Schein zu uberholen" (Pierre Bourdieu), setzen. Die angewandten Selbstdarstellungs- und Interaktionsstrategien greifen auf Versatzstucke der zeitgenossischen popularen Kultur zuruck und versuchen, sie gewinnbringend einzusetzen - etwa die Grand-Hotel-Kultur der Goldenen 20er ('Zur schonen Aussicht'), den Mythos von der Wiener Walzerseligkeit ('Geschichten aus dem Wiener Wald') oder das Stereotyp vom vitalen Mann aus dem Volk ('Kasimir und Karoline'). Die Untersuchung verfolgt diese Strategien von Horvaths Ego-Taktikern bis in ihre Bruche und macht sie als Negationen eines entgegengesetzten Verhaltensmusters desjenigen der Solidaritat.