- ein Klassiker aus dem Hobmair-Programm für die sozialpädagogische Ausbildung- durchgängig vierfarbig, ansprechend, modern und dreigliedrig aufbereitet- zeichnet sich durch einen fachsystematischen, klar strukturierten Aufbau undzielgruppengerechte Sprache aus - entspricht dem neuesten Stand der wissenschaftlichen Forschung- vermittelt die Inhalte ausführlich und anschaulich anhand von Fallbeispielen aus der Praxis, Diagrammen und Abbildungen- bietet zahlreiche Aufgaben und Anregungen zur Unterrichtsgestaltung- enthält ein Lesebändchen zum leichteren Nachschlagen- berücksichtigt die Themen Neuropsychologie und Neurotherapie sowie die Theorie der psychosozialen Persönlichkeitsentwicklung von Erik Erikson- viele praxisorientierte Beispiele- als Schulbuch zugelassen in Sachsen (FOS/FS), in NRW (FOS/FS) sowie in Baden-Würrtemberg (berufliches Gymnasium)
Für wen ist das Buch? Generell kann es in einigen Bundesländern als Lehrbuch eingesetzt werden, daher richtet es sich wohl hauptsächlich an Schüler der Oberstufe und an Lehrer. Geschrieben ist es auf jeden Fall auf dem Niveau, plus die vielen Wiederholungskästchen und dann auch Aufgabenstellungen zur Bearbeitung, die sich da sehr gut angliedern.
Als Lehrbuch halte ich es trotzdem für sehr kritisch. Es gibt einige Stellen, die man besser beurteilen kann, wenn man auch auf Erfahrungen aus dem Studium zurückgreifen kann zur Reflexion. Und andere, die ich einfach für schlicht schlimm oder gefährlich halte, das so zu verbreiten und dann auch noch im Zweifel unter 15-16-17Jährigen.
Abgesehen von den vielen Gedichten von Eugen Roth, die auflockern sollen, aber manchmal einfach nur für Augenverdrehen sorgen, gibt es einen Fokus auf Entwicklungspsychologie und klinische. Kann man machen, Psychologie besteht aber noch aus ein paar mehr Teilen, die komplett untergehen, gerade bei den Anwendungsbereichen. Finde ich schade, denn hier wird es sehr in die Nähe der Pädagogik gerichtet.
Dann kommt das Kapitel über Psychische Störungen und das möchte ich am liebsten herausreißen. Da ist so einiges fragwürdiges - Hypochondrie unkommentiert knapp nach den Zwangs- und Angststörungen, und noch munter das Münchhausen-Syndrom drauf. Schizophrenie kriegt gleich Beispiele ab zur Erläuterung, bei denen man diese Frau B.s und Herrn K.s einfach nur noch als verrückt abstempelt - Sensibilität oder Verständnis Fehlanzeige. Dass nicht alles ein lustiges Beispiel braucht, zeigt dann erst der Absatz zu den sexuellen Verhaltensstörungen, wo Exhibitionismus, Pädophilie und Sadomasochismus alle nur einen kleinen Erklärungssatz hinten angestellt bekommen, aber nicht ein weiterer Herr K. auftritt. Ob man sie jetzt alle in einem Atemzug erwähnen sollte und direkt darüber die Transsexualität als Störung der sexuellen Identität ... *seufz* mir bereitet es auf jeden Fall sehr viele Bauchschmerzen.
Die zum Brechreiz wurden, als dann Erklärungsansätze für psychische Störungen kamen und die Depression unter anderem unter dem Schlagwort "Lerntheorien" damit erklärt wurde, dass sie ja auch daher kommen kann, dass ein Depressiver dann Nähe und Zuwendung zB von Seiten seiner Familie erfährt und so depressives Verhalten erlernt. Schließlich kennen wir ja alle den einen, der nur deshalb depressiv ist, damit er mehr Aufmerksamkeit bekommt. Seriously?! Und das in einem Schulbuch? Unabhängig davon, ob ein Lehrer das dann sensibler behandelt, was ist mit den Schülern, die vielleicht allein darüber stolpert, weil er wissen will, was mit Mama/Tante/Freundin los ist? Der stempelt das dann lustig ab als "ach, vielleicht etwas genetisch, dann Vorerfahrungen in der Kindheit, aber eigentlich will er nur Aufmerksamkeit". Finde ich hochgradig bedenklich.
Das letzte Kapitel behandelt dann Therapien, wozu ich nicht sehr viel sagen kann, hier fehlte mir etwas tiefergehendes Hintergrundwissen, weil das in meinem Studium recht wenig behandelt wird. Alles in allem würde ich das Buch niemandem in die Hand geben, der da nicht Vorwissen oder eine gute fachliche Begleitung hat, die einiges einordnet und gerade rückt. Für jemanden, der sich einfach für das Thema interessiert und eine Einführung haben will, ist es absolut ungeeignet.