Das ist die logische, wenn auch unendlich viel peinlichere Fortsetzung. Nachdem Panajotis Kondylis (1943 - 1998), der intellektuelle Eiszapfen der Moderne, uns in „Der Philosoph und die Macht“ gnadenlos die Hybris der Philosophen vor der Macht gezeigt hat, wendet er sich nun dem Thema zu, bei dem sie sich (wenn möglich) NOCH lächerlicher machen: „Die Lust“. Man ahnt: Hier wird selbst der frostigste Intellektuelle rot. Das ist, als würde man einen Terminator bitten, eine Valentinskarte zu rezensieren. Man erwartet keine Romantik, sondern eine Autopsie des Triebes. Kondylis’ analytische Klinge trifft hier auf die weiche, chaotische Welt der menschlichen Begierde – und zerlegt sie mit chirurgischer Präzision. Und jetzt kommt die brillante Pointe meines Kassenbons vom 15. Februar 1996: Ich habe das Buch für 18 DM regulär gekauft! Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.
Die ökonomische Analyse des Buchmarktes (1996/97) lautet also:
“Der Philosoph und die Macht“: 38 DM, aber auf dem Wühltisch für 16,95 DM verramscht. (Fazit: Das Gerede der Philosophen über Macht ist wertlos). "Der Philosoph und die Lust": Regulärer Preis 18 DM.
Die Analyse ist unbarmherzig: Das Gerede der Philosophen über die Lust ist zwar auch spottbillig, aber der Markt sprach 1996 unfreiwillig eine Wahrheit aus: Lust ist mindestens 1,05 DM wertvoller als Macht! Es ist ein bösartiger Spaziergang durch 2500 Jahre philosophischer Verdrängung: Wir sehen Denker, die entweder panisch versuchen, die „schmutzige“ Lust in „höheren Eros“ (Plato) zu sublimieren, oder sie als „Sünde“ (die Kirche) zu verdammen. Ein Buch, das genüsslich beweist: Nichts ist un-erotischer als ein Philosoph, der versucht, die Lust zu denken. Und 18 DM war 1996 der faire Preis für diese kalte, intellektuell erwärmende Dusche. Einzelheiten über Der Philosoph und die Macht entnehme man hier: https://www.goodreads.com/book/show/4...