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Von Tunis nach Kairuan 2015

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Unsere TUNISREISE unterschied sich um Einiges von der, die Klee, Macke und Moilliet fast auf den Tag genau 101 Jahre vor uns unternahmen, trotzdem gab es, rückblickend, einige Parallelen. Am Samstag, den 18.4.2015 landeten wir in Tunis nach einer Stunde Flugzeit von Frankfurt aus. Unsere Reisegruppe bestand aus uns, Birgit und mir, dem Reiseleiter Nurredin und einem Fahrer. Der „arabische Frühling“ hatte hier 2011 seinen Anfang genommen und das Attentat auf das Bardo-Museum vier Wochen vor unserer Ankunft hatte den Tourismus in Tunesien vollkommen zum Erliegen gebracht. Unser kleines Hotel, überwiegend von Geschäftsleuten besucht, lag nur wenige Fußminuten östlich eines alten Stadttores, dem Grünen Tor, „Grün“, weil es früher einmal in Grüne führte. Der Weg in das alte Zentrum führte an Autoschlossereien und Schreinereien vorbei, die ihre Arbeit zu großen Teilen auch vor der Werkstatt ausführten. Der belebte Platz vor dem Tor war ein Verkehrsknotenpunkt für Straßenbahnen und endlos viele Fahrzeuge bis hin zu Eselskarren, zwischen denen sich die Menschen hindurchzwängten. Dazwischen am Straßenrand fliegende Händler und Küchen, deren Inventar oft nur aus zwei großen Plastiktüten und einem Campingkocher bestanden. Rührei zwischen zwei Brötchenhälften war eine ihrer Spezialitäten. Frühmorgens schon ging ich dort hin um zu zeichnen. Im Bardo-Museum zeigte man mir am nächsten Tag die Einschusslöcher in den Wänden und Vitrinen und nachmittags saßen wir, Birgit ging es wieder etwas besser, in Sidi Bou Said. Wir tranken Kaffee im gleichen Café wie Klee und Co vor 101 Jahren und waren umringt von sonntäglichen Familienausflüglern und mir blieb noch Zeit für ein paar Aquarelle. Nach dem Besuch von Karthago und Co ging es am übernächsten Tag in einem großen Bogen durch den Norden des Landes, mit römischen Städten und Tempeln, nach Kairouan, dem eigentlichen Sehnsuchtsort. Das Hotel war ursprünglich eine Festung direkt an der Stadtmauer und lag von der großen, weltberühmten Moschee nur wenige Minuten entfernt. Schon vor dem Frühstück am nächsten Morgen nutzte ich die Zeit für eine ganze Reihe flüchtiger Bleistiftskizzen und danach zogen wir noch durch abenteuerliche Viertel, die erst langsam zum Leben erwachten. Auch die offizielle Stadtführung wurde für weitere Skizzen genutzt. Danach ging es in den Süden, abends Ankunft in Tozeur. Das einzige kleine Hotel, das noch geöffnet war, beherbergte mit uns insgesamt nur fünf Gäste. In den nächsten Tagen ging es durch Berge, Steppe, Sand- und Salzwüste. Im Osten besuchten wir kleine Bergoasen nahe der algerischen Grenze und im Süden streiften wir den Rand der Sahara fast bis zur libyschen Grenze. Es gab Motive ohne Ende und jedes war eine neue Herausforderung. Ein Kamelritt in die Wüste, aus Mitleid mit dem sonst arbeitslos gebliebenem Berber, wurde zu einem Erlebnis, ebenso wie das Essen, zu Gast in einer Höhlenwohnung. An der Küste entlang fuhren wir wieder Richtung Norden über Hammamed und Sousse nach Nabeul. Genau zwei Monate nach unserer Reise erfolgte dort ein großes Attentat und vertrieb auch noch die letzten Touristen dort.Die zwölf Tage waren wie im Flug vergangen. Wir haben endlos viel gesehen und gelernt, mit zahlreichen Menschen, alt und jung, Schulkindern und Basaries gesprochen und wurden immer freundlich begrüßt und auch befragt. Bemerkenswert war, dass, wenn ich in irgendeiner Ecke stand und zeichnete ich genau beobachtet wurde. Nachdem sie dann einen verstohlenen Blick darauf geworfen hatten, wurde es wohlwollend kommentiert. Dass für das Resultat fast immer der Begriff „Foto“ verwendet wurde sehe ich als einen Beleg für das immer noch wirksame Bilderverbot im Islam. Die „Ausbeute“ unserer Reise ein paar winzige römische Münzen und ein Amulett, Fatimas Hand, mit klopfendem Herzen einer armen Socke zwischen Ruinen abgekauft.

40 pages, Paperback

Published October 29, 2018

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