Jump to ratings and reviews
Rate this book

Schwule Listen. Namen, Daten und Geschichten.

Rate this book

Paperback

About the author

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
0 (0%)
4 stars
0 (0%)
3 stars
1 (100%)
2 stars
0 (0%)
1 star
0 (0%)
Displaying 1 of 1 review
Profile Image for Klaus Mattes.
762 reviews11 followers
August 22, 2025
Ein Sachbuch mit vielen Namen und vielen Listen.

Vor dreißig Jahren war ich entzückt. List der Vernunft, der Berliner Journalist Elmar Kraushaar tat, als habe er den Plausch mit den nutzlosen Listen allerlei bunten Zeitgeistmagazinen abgeschaut. Und ich fand seinerzeit noch, im Amüsement wäre alles versteckt (unter vielen Nebensachen), was man über Schwule zu wissen braucht.
Es steht mittlerweile allerdings arg viel Wertloses, Überflüssiges, Veraltetes drin. Heutige Junge müssen nicht mal mehr ahnen, dass die Wortkombination „Schwule Listen“ ein politisch gedachtes Wortspiel gewesen ist.
Seinerzeit hielt es der - einer Westberliner Schwulengruppe der Pionierzeit in den frühen siebziger Jahren entstammende - „Siegessäule“-Journalist Kraushaar (ein Mann wie ein Schrank, es gibt im Netz ein Gruppenbild der alten Siegessäule-Mannschaft) für nötig, abstruse Fallbeschreibungen aus der Psychiatrie zu dokumentieren, die zögerlich wachsende Offenheit des „Spiegels“ zu verulken („10 gepflegte Vorurteile - Was Serientäter über Schwule schreiben“), sich den Leiden des (schwulen) Grünen-Politikers Micha Schulze anzunehmen, dem ein Berliner CDU-Mann gerichtlich untersagen lassen wollte, ihn als „heterosexuell“ zu demaskieren.

Es musste die eine Liste mit 118 prominenten Aids-Toten damals auf jeden Fall kommen.
Wer da drunter war! (Wen man fast schon vergessen hat!)
Klaus Nomi, Denholm Elliott, Jean Paul Aron, David Wojnarowicz, Anthony Perkins, Manfred Seipold, Dieter Schidor, Klaus Schwarzkopf, Amadeus August, Peter Hujar, Hervé Guibert, Rudolf Nurejew, Cyril Collard, Jürgen Baldiga, Melitta Sundström, Copi, Siegfried Dunde, Brad Davis, Derek Jarman, Bernard Marie Koltès, Werner Pochath, Kurt Raab, Kuno Raeber, Vito Russo, Sylvester (Prince Nelsons großes Vorbild), George Whitmore, Jan Hendriks, Jim „Muppet“ Henson, Horst Bienek, Günter Thews.

Dann die eher quälenden Listen der Staaten, in denen der Analverkehr bestraft wird, der Staaten, die keine schwulen Soldaten haben, der Staaten, die, wie ganz Osteuropa nach der Wende, Homosexualität vor Kurzem straffrei gestellt haben/hatten.
Immer noch vergnüglich, allerdings gehen diverse Promis heute damit hausieren und heißen inzwischen anders, sind „Stars“, wenn sie dementieren, „so veranlagt“ zu sein. Schauspieler Thomas Fritsch: „Absoluter Schwachsinn! Wäre ich schwul, würde ich dazu stehen.“ Oder es nur ausprobierten: Pelé. Prominente, die Schwule abknutschen, so Iris Berben: „Wenn ich erzählen würde, wie viele meiner Fernsehpartner schwul sind, dann würde ganz Deutschland zusammenbrechen, weil plötzlich der Männlichkeitswahn nicht mehr stimmt. Ich persönlich habe da keine Berührungsängste, ich lebe damit, meine engsten Freunde sind schwul.“
Ich lebe auch damit. Es ist möglich.

Oder das Gillamoos, bzw. wo Deutschland eben gerade so liegen mag und noch echt und unverfälscht ist: Zwischen 1989 und 2003 beispielsweise beim Münchner Kultusminister (Hans Zehetmaier) und seiner CSU: „Homosexuelle sind krankhaft und contra naturam und somit dem Randbereich der Entartung zuzuordnen. Dieser Rand muß ausgedünnt werden.“
Ausgedünnt. Bong-di-Bong! Höcke, übernehmen Sie!
(Nebenbei: Es gibt, selbst in Bayern, keine einzige Kleinstadt, die Gillamoos heißt. Das ist eine Veranstaltung, ein Event, eine Art Oktoberfest.)

Fragen, die alle interessieren, tauchen auch noch auf.
Die Männer mit dem längsten Schwanz:
Lord Byron (Sargöffnung nach 114 Jahren): „Sein Sexualorgan war von wahrhaft abnormaler Größe.“
Wie man es auch nennen kann. Falls jemand eigene e-Books schreiben will:
„seine geile Rute, Lanze, Krummschwert, Organ, Geschütz“.

Schwule Killer:
Gilles de Rais: „Als Grund für seine Taten gibt er an, daß er, dem Rat eines Freundes folgend, die Opfer der Jungen habe erbringen müssen, um mit der Kunst der Alchemie sein Vermögen zu vermehren.“
Nebenbei, das reinste Deutsch war's nicht, was Elmar Kraushaar so schrieb.
Die schwulen Brüder:
Anthony, der Bruder von Sir Francis Bacon.
John Vernon Bouvier, der Bruder von Jackie Kennedy.
Paul, der Bruder von Konstantinos Kavafis.
George, Bruder von Fürstin Grace von den Dächern von Nizza.
Schwule Gatten:
Peter Allen, von Liza Minnelli.
Carlos Thompson,von Lilli Palmer.
Definitiv zu unser aller Glück nicht schwul (wie Kraushaar jedenfalls meinte):
Dieter Hallervorden
Edmund Stoiber
Wim Wenders
Eduard Zimmermann.
Aber der FBI-Chef J. Edgar Hoover war versteckt schwul und hatte einen festen Freund. Also ist Hoovers Liste eben eine andere, vorkommen tut der schon auch.
Prominente Cruising-Plätze (ob das noch stimmt, kann ich nicht beeiden):
Wiener Staatsoper. Louvre. Deutsches Eck. Las Ramblas. Dizengoff-Platz.

Die leider zig Seiten (!) belegenden Listen der für verschiedene Kultursektoren zuständigen Gastautoren/Experten/Berliner Kulturbetrieb-Schwulen, bringen einen zum Einschlafen, jedenfalls im Jahr 2024.
Literatur (Detlev Meyer): Else Lasker Schüler, Mario Wirz
Comics (Ralf König): Claire Bretécher, Bill Watterson („Calvin und Hobbes“)
Schlager, Filme (Wieland Speck): Connie Francis, Fräulein Menke, Woody Allen, Derek Jarman
Oper (Andreas Meyer-Hanno): „La Wally“, „Dreigroschenoper“
Theater (Michael Merschmeier): „Seid nett zu Mister Sloane“, „Die Spur des dunklen Engels“
Fernsehen (Matthias Frings): „Drei Damen vom Grill“, „Meister Eder und sein Pumuckl“
Fotografie (Ingo Taubhorn): Duane Michaels, George Dureau
(Bei dieser Gelegenheit meine kleine Warnung vor Connie Francis!)
Ganz, ganz selten, aber dann doch, finden sich im orangeroten rororo-Taschenbuch einige wenige Listen, die man auf jeden Fall gebraucht hat.

Die Todesursachen schwuler Filmfiguren:
1. Michael, Deutschland 1924 - unheilbare Krankheit
2. Plötzlich im letzten Sommer, Großbritannien 1959 - zerfleischt
3. Sommer der Verfluchten, Großbritannien 1960 - Tod im Duell
4. Tod eines Freundes, Italien 1966 - vom Freund erschossen
5. Der Detektiv, USA 1968 - hingerichtet auf dem elektrischen Stuhl
6. Alexandria - Treibhaus der Sünde, USA 1969 - eine Hutnadel im Hals
7. Das Bildnis des Dorian Gray, Deutschland/Italien 1970 - ein Messer im Herzen
8. Tod in Venedig, Italien 1970 - unheilbare Krankheit
9. Die Freunde, Frankreich 1971 - Unfall
10. Ich liebe dich, ich töte dich, Deutschland 1971 - hingerichtet
11. James Bond - Diamantenfieber, USA 1971 - ertränkt
12. Die amerikanische Nacht, Frankreich/Italien 1972 - Autounfall
13. Scarecrow, USA 1973 - erschlagen im Knast
14. Der Schakal, Frankreich 1973 - erschossen
15. Bruce Lee - Der Mann mit der Todeskralle, USA 1973 - zerhackt
16. Caligula, Italien/USA 1976 - ermordet vom Geliebten
17. Ein Mann namens Herbstblume, Spanien 1977 - zum Tode verurteilt
18. Raum ohne Grenzen, Mexiko 1977 - von einem Truck überrollt
19. Die Chorknaben, USA 1977 - eine Polizeikugel im Kopf
20. Ende in Moll, Frankreich/Italien 1982 - Selbstmord aus Liebeskummer
21. Furyo - Merry Christmas, Mister Lawrence, Großbritannien 1982 - Ritualmord
22. Der Tod des Mikel, Spanien 1983 - von der Mutter getötet
23. Der verführte Mann, Frankreich 1983 - zu Tode gefickt
24. Der vierte Mann, Niederlande 1983 - eine Eisenstange im Auge
25. Kuß der Spinnenfrau, USA/Brasilien 1985 - erschossen
26. Das Gesetz der Begierde, Spanien 1986 - ein Sturz von den Klippen

„Der vierte Mann“ ist eine Verfilmung des holländischen Autors Gerard Reve. Das Buch gab's mal von der Bibliothek Suhrkamp und man kann es sich inzwischen sehr gut schenken. Dann doch eher sein „Näher zu dir“, immer noch.
Displaying 1 of 1 review

Can't find what you're looking for?

Get help and learn more about the design.