Karierte Schürzen und Eierlikör, Kartoffeln, Fliegen und Tapetenmuster, Langeweile und Abenteuer: Die Zeit dehnt sich, die Sommer sind endlos, die Welt der Erwachsenen ist sonderbar und undurchschaubar. Dass man je so wird wie sie, ist ganz undenkbar. Woran man sich erinnert, wenn man an seine Kindheit zurückdenkt, ist Glückssache. Oft sind es Details, an die sich Erinnerungen knüpfen, und aus kleinsten Details setzt sich in der Rückschau eine ganze Welt zusammen.
Nadia Budde, preisgekrönte Autorin und Illustratorin, blickt zurück mit der ihr ganz eigenen Mischung aus Witz und Genauigkeit. »Such dir was aus, aber beeil dich!« steht irgendwo zwischen Comic und Graphic Novel. Ungewöhnlich, wild und gewagt entsteht so ein ganz besonderes Panorama einer Kindheit, in der sich alle wiederfinden werden, die selbst einmal Kind gewesen sind.
Nadia Budde, geboren 1967 in Berlin, arbeitete als Gebrauchswerberin, bevor sie Grafik Design an der Kunsthochschule Berlin Weissensee und am Royal College of Art in London studierte. Gleich ihr erstes Bilderbuch Eins zwei drei Tier (1999, Peter Hammer Verlag) wurde mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis und dem Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis ausgezeichnet. Trauriger Tiger toastet Tomaten (2000) erhielt den Troisdorfer Bilderbuchpreis und den Luchs der Jury von ZEIT und Radio Bremen. Die Comic-Biografie Such dir was aus, aber beeil dich (2009, Fischer Schatzinsel), wurde mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis und dem Max-und-Moritz-Preis als bester Comic für Kinder ausgezeichnet. 2013 gewann Nadia Budde den Hans-Meid-Preis für Buchillustration, 2017 war sie für den Astrid Lindgren Memorial Award nominiert. Ihre Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt.
Neben der Illustration eigener und fremder Bilderbuchtexte zeichnet Nadia Budde auch für Zeitungen, Zeitschriften und im Bereich Trickfilm, Bühnenbild und Werbung. Sie hielt viele Workshops und Lesungen im In- und Ausland, u.a. in Norwegen, Frankreich, Iran, Ukraine, Polen, Kirgistan, Kasachstan, Bolivien, Peru, Israel, Ägypten, Thailand, Algerien, Palestina und Libanon. Im Sommersemester 2008 übernahm sie eine Gastprofessur an der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein in Halle an der Saale im Fachbereich Illustration. Sie ist Mitglied der Jury für den Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis. Nadia Budde lebt mit ihrer Familie in Berlin. (Source: https://www.peter-hammer-verlag.de/au...)
„Und was ist Zeit? Zeit ist ein Schwarm Stubenfliegen. Es ist früher Nachmittag im Sommer, die Sonne scheint durchs Küchenfenster, es riecht nach Lappen. Unter der Lampe werden endlos Flugbahnen geschlossen. Leise wird dabei gesummt. Sonst passiert nichts. […] Plötzlich schert eine Fliege aus und knallt gegen die Fensterscheibe. Es kommt jemand. Dann ist Abend. Dann ist die Woche herum. Dann ist der Sommer vorbei. Ein Fliegenschwarm ist wie die anderen Fliegenschwärme. Alle Kindheitssommer sind wie ein Sommer.“
Von Amalie zu Weihnachten bekommen und wirklich eine ungemein gute Zeit damit gehabt (tausend Dank an dieser Stelle ❤️). Ich mochte die Erzählweise der Autorin sehr, so nachvollziehbar und gleichzeitig so skurril, irgendwie auch genau, wie ein Kinderkopf funktioniert. Die fantastischen Illustrationen haben die Leseerfahrung dazu noch besser gemacht. Ich glaube es ist auch ein Buch, das man öfter lesen muss, um alle Ideen der Autorin wirklich zu verstehen. Und ich freue mich schon drauf!
Einerseits haben mich die erzählten Ausschnitte aus der Kindheit nur teilweise abgeholt (vielleicht zähle ich auch nicht zum Zielpublikum?), andererseits mag ich bei Illustrationen einen größeren Detailreichtum.
Warum sollten sich also meine Großeltern-Land-Kinderheitserinnerungen von allen anderen Großeltern-Land-Kinderheitserinnerungen unterscheiden? Ich spielte gern Braut mit dem Haarnetz meiner Großmutter, Ich frisierte gern meinen Großvater, Manchmal durfte ich das Stoppelbärtchen meiner Großmutter zupfen. Im Moorbad, einmal im Monat, sah ich die schneeweiße Haut meiner Großmutter-Land. Ihre großen, mattrosa Unterhosen hingen ganz ohne Scham auf der Leine...