Ein eindringliches Plädoyer für ein freieres Verhältnis zwischen Deutschen und Juden. Vorgetragen von einem, der die deutsche Geschichte besser kennt als viele Deutsche: Avi Primor.Wenn es im Fernsehen um Israel, den Nahostkonflikt oder die Juden geht, kommt er meistens ins Bild: Avi Primor, früherer Botschafter des Staates Israel in Deutschland. Zusammen mit der Journalistin Christiane von Korff legt er offen, was Antisemitismus heute ist und was nicht. Den viel beschworenen und immer wieder befürchteten »neuen« Antisemitismus kann er jedenfalls nicht erkennen. Unverkrampft und sehr persönlich schildert Primor auch seine eigenen Erfahrungen als Israeli und Jude, die er im »Land des Holocaust« sammeln konnte. Nicht umsonst ist er der bis heute am häufigsten gerügte Botschafter Israels. Das Recht auf eine eigene Meinung ließ er sich von niemandem nehmen. Gerade diese Freiheit im Denken macht das Buch einzigartig.
Avi Primor war in den 1990er Jahren Botschafter des Staates Israel in Deutschland und kennt sich daher mit der nicht immer ganz einfachen Beziehung der beiden Staaten bestens aus. Viele schätzen ihn als besonnen auftretenden Talkgast in deutschen Diskussionsrunden zum Thema Israel und Nahost, denn Avi Primor ist Verfechter der Zwei-Staaten-Lösung und drängt auf eine Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinensern. Mir persönlich geht er damit mitunter zwar etwas sehr weit, doch kann ich mich im Kern in vielen seiner Aussagen wiederfinden. In seinem Buch "An allem sind die Juden und die Radfahrer schuld" geht es allerdings nicht primär um den Nahostkonflikt, sondern um antisemitische Vorurteile und Missverständnisse zwischen Deutschen und Juden. Mit fundiertem Hintergrundwissen geht Primor auf die häufigsten Stereotypen ein (Beispiel: Alle Juden sind so reich wie Rockefeller oder Die Juden haben Jesus ermordet) und beleuchtet sie historisch, politisch und kulturell. Auch wer schon viel über die Thematik weiß (oder meint zu wissen) wird sicher noch einige neue Aspekte entdecken. Durch diese sorgfältige Auseinandersetzung mit der Thematik ist das Buch zwar keine leichte Romanlektüre, aber auch keine zu komplexe Fachliteratur. Eher ein historisches Sachbuch für Jedermann.
Avi Primor, ehemals israelischer Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland, ist ein Verfechter der Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinensern, ein wahrer Humanist, dabei mit scharfem Blick für die politischen Realitäten. In diesem Buch, das teilweise als Interview geführt ist, erfährt man viel über das Judentum, in historischer, religiöser und politischer Hinsicht, auch anhand des persönlichen Lebensweges des Autors und der Entwicklung seiner Anschauungen, die er im Laufe seines Lebens hin und wieder revidieren musste.