Die wohl bekannteste buddhistische Parabel beschreibt mehrere Blinde, die v- schiedene Teile eines Elefanten - Rfissel, Ohr, Schwanz, Bein etc. - betasten. A- grund des ber/,ihrten Teils ist nun jeder Blinde davon /,iberzeugt, dass nur er die eigentliche Beschaffenheit eines Elefanten verstanden Der Elefant sei also wie ein F~cher, ein Baum, ein Seil usw. Ahnlich vielschichtig und problematisch stellt sich die kornmunikationswissenschaftliche Besch~iftigung mit dem Ph~inomen der ,Gegenbfl}ntlichkeif dar. So ist Gegen6ffentlichkeit etwas fiir Stamm (1988) ein Sprachrohr alternativer Lebensentw/ eine ,,anmnstitutionelle Diskurs6ffe- lichkeit', die mittels eigener Kommunikationsstruktur (Flugbl~itter, Altemativpresse etc. ) ein vom Massenmediensystem unabh~ingiges Teil6ffentlichkeitssystem sch- fen soll. Ffir Scholl (2005) hingegen def'miert sich Gegen6ffentlichkeit als die T- matisierung und der Diskurs von Informationen und Meinungen, die in den et- lierten Massenmedien unterbleiben oder unterdr{ickt werden. Negt und Kluge (1972: 162f. ) bezeichnen mit diesem Etikett gar Vorformen einer sogenannten ,,proletarischen O ffentlichkeit. ' Wer sich auf die Thematik der Gegen6ffentlichkeit einl~isst, muss zuerst die Zweifel daran ausr~iumen, ob sich ein solches Forschungsinteresse fiberhaupt kommunikationswissenschaftlich formulieren und beantworten l~isst. Das liegt nicht nut daran, dass das dazugeh6rige Kontrastwort ,Offentlichkeit' als einer der zentralen aber auch schillerndsten Begriffe in der Kommunikationswissenschaft gilt. Vielfach wird (3ffentlichkeit als eine Basiskatego*ie bezeichnet (z. B. Brosius, 2003: 45; Imhof, 2004 22f. ; P6ttker, 2005: 329). Dennoch wird sie gleichzeitig oft aufgrund des scheinbar fehlenden Realit~itsanspruches etwa als ,,Mythos' oder als ,,Phantom' charakterisiert (z. B. Maresch, 1999: 146; Robbins, 1993).