Inhalt:
Kai Samweber hat nach einem Arbeitsunfall ein finanzielles Tief: Er bezieht Hartz IV, lebt in einem Drecksloch von Wohnung, nimmt Drogen und trinkt und hat nur einen Freund. Shane, der Deutschtürke, der ihm den Stoff verschafft und auch einen Auftrag, als Kai die Schulden an dessen Brüder nicht zurückzahlen kann…
Schreib-/Erzählstil:
Pilz riss mich von der ersten Seite an mit. Die Verzweiflung und völlige Aussichtslosigkeit Kais hat er mit tiefgründigen und verständlichen Worten umgesetzt. Ich habe Kai vor mir sehen können, die Nebencharaktere rückten weites gehend in den Hintergrund, ohne ganz zu verschwinden. Pilz baut seine Erzählung logisch und konsequent aus, ohne ein Märchen vom Abhängigen zum Millionär zu konstruieren. Die Wut Kais stellt er ohne Kompromisse dar.
Meine Meinung:
Ich habe das Buch verschlungen, mich in Kais Lage versetzt, die Handlung aufgesogen und hatte Bilder vor Augen. Die Situation, die Worte, die Pilz benutzt hat und die Idee mit den Briefen, die Kai an seinen Bruder Florian schreibt, wirken authentisch.
Kai rettet sich aufgrund seiner Arbeitslosig- und Rastlosigkeit in den Drogensumpf und benötigt Schlüsselereignisse, um sich aus seinem Leben zu retten. Pilz differenziert klar zwischen den Momenten und dem Inneren Kais – wie es ihm wirklich geht, erfährt man durch die Briefe an Florian, seinen Bruder. Die Situation Deutschlands und die allgemeine Unruhe erfährt man ebenfalls durch Man Down – Kai rettet sich in Drogen und Alkohol aufgrund seiner Arbeitslosigkeit, andere Menschen, die in diesem Moment wirklich leben, retten sich vielleicht ebenfalls in diese Ersatzmittel, vielleicht aber auch in andere Probleme oder auch glückliche Momente, die ihnen durch die Finger rinnen. Die Unruhe, die unterschwellig im Land herrscht wird klar heraus gestellt und mich erschreckte, wie oft ich bejahen musste, als Pilz einwarf, dass sich die Großen das Geld in die Tasche stecken und wir „Kleinen“ auf der Strecke bleiben.
Fazit:
Für mich eins der besten Neuerscheinungen im Jahr 2010 – klar, offen, strukturiert, mit viel Wortgewalt und brutal ehrlich.