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Vater unser, gleich nach der Werbung

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In 50 Jahren wird mehr als ein Drittel aller Deutschen über 60 Jahre alt sein, eine Senioren-Armada, die immer gesünder herumhoppelt, schwarz arbeitet, keine Steuern zahlt und Geld haufenweise hortet. Für Dieter Hildebrandt liegt daher die Quotenmacht der Alten klar auf der Hand. Sein Entschluss steht Sich selbst kasteiend, steigt unser kabarettistisches Urgestein hinab in die tiefsten Canyons des TV-Flachsinns. Zusammen mit seiner Frau Renate beschließt Hildebrandt, seinen Erfahrungsschatz um eine der furchtbarsten Varianten zu erweitern -- den Einzug in einen Senioren-Container. Lebenslänglich vertragsmäßig gebunden, findet das Leben der Eheleute H. von nun an nur noch in ihrer Küche statt, kameraüberwacht, versteht sich. Alle restlichen Zimmer des Hauses wurden von ORA-TV in Beschlag genommen, einer von finsteren Medienmonstern beherrschten Sendeanstalt. Wie ein großer Bruder steuert eine ganze Hierarchie von Weisungsbefugten den Alltag der Hildebrandts per Regieanweisung fern. Ganz oben entscheidet eine letzte, rätselhafte Instanz, schelmisch HÖWEI (Höhere Weisung) getauft. Bald wendet sich der Spaß zum Irrsinn. Einer medialen Gehirnwäsche gleich, gerät unser Seniorenpaar in einen Albtraum aus Reality und Reality-TV -- um sich am Ende dramaturgisch perfekt durchgestaltet wiederzufinden. Ein Thema, bei dem der 74-jährige Dieter Hildebrandt seinem Affen Zucker geben kann. Seine Visionen künftiger Medien- und Money-Allmacht schlagen Purzelbä Peter Stein toppt seinen Expo-Faust demnächst mit der Ilias , alles wesentlich größer und üppiger natürlich. 36 Stunden, finanziert von kunstsinnigen Sponsoren, unterbrochen lediglich durch 72 Werbeblöcke. Ob Hildebrandt Bandenwerbung in Kathedralen wittert, Kochs Schwarzgeldkonten plündert, die Love Parade oder Jauch beseufzt, es ist eine Ehre, vom Altmeister abgewatscht zu werden. Zeitgeist-Kids und Stefan-Raab-Surfer im Ozean der riesigen Spaßgesellschaft, benötigen schon etwas feinere Sensoren, Hildebrandts giftigen, tröpfchenweise verabreichten Humor im Kampf gegen die Verblödung heraus zu destillieren. Trotz des zuweilen etwas antiquiert mahnenden Zeigefingers hält sich der alte "Lach- und Schieß"-Kämpe noch immer recht gut. --Ravi Unger

255 pages, Hardcover

First published January 1, 2001

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About the author

Dieter Hildebrandt

82 books1 follower
Dieter Hildebrandt was an award-winning German cabaret artist.

In 1948 he started studying theatre arts in Munich. During that time he founded a student-performed cabaret show, "Die Namenlosen" ("The Nameless"), in Munich-Schwabing. After finishing his studies Hildebrandt worked with another cabaret artist, Sammy Drechsel, to found and develop the "Münchner Lach und Schießgesellschaft", a successful cabaret venue where he also worked alongside other cabaret artists such as Klaus Havenstein and Bruno Jonas. He terminated his cooperation with Drechsel in 1972, to focus on working for various radio and TV stations.

From 1973 until 1979, Hildebrandt was the presenter and author of the cabaret show "Notizen aus der Provinz" ("Notes From the Provinces"), which was broadcast by German national TV channel ZDF. In 1974, together with Werner Schneyder, he created the show "Autorenkabarett" ("Authors' Cabaret"), which existed until 1982. In 1980 his show "Scheibenwischer" ("Windscreen Wiper") first aired on local Berlin TV channel SFB. It later switched to national channel ARD and remained on the air until 2003. Hildebrandt also frequently took his cabaret performances on the road. Learning that he had cancer in the summer of 2013, he had planned to go on a final tour in 2014, but died within a few months of being diagnosed.

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February 20, 2016
Hildebrandt hat zu allem eine Meinung. Gott sei dank. Sonst hätte ich nichts zu lache.
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