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Ein Geheimnisbuch

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144 pages, Hardcover

First published January 1, 2009

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Friedrich Kröhnke

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Profile Image for Klaus Mattes.
744 reviews10 followers
December 23, 2024
Ein dünnes Buch lang schwelgt der ältere Zwilling darin, wie sie in Darmstadt aufs gleiche Gymnasium gingen wie Georg Büchner und Stefan George, sich von einem Lieblingsautor zum nächsten, von einem Club zum anderen, einem Antiquariat zum nächsten ins Reich des Lesens einwühlten. Sie sammeln gelbe Goldmanns, mit dem G am Rücken, gelbe Reihe Hansers, mit dem Design von Heinz Edelmann („Yellow Submarine“, FAZ, twen), die schmalen, hässlichen, brüchigen, aber, sagt er, grandiosen Fischer-Taschenbücher, wie von Jules Verne. In Telefongesprächen nachts um halb drei werden sie nach dem Jahr 2000 noch einer Meinung sein, dass die „Geheimnis“-Serie das Beste von Enid Blyton gewesen ist, alle Karl Mays in Ausgaben von Ueberreuter billiger Mist waren. Nur die blauen oder dunkelgrünen Gebundenen vom Bamberger Karl-May-Verlag! Sie hat den Zwillingen die Kröhnke'sche Putzfrau geschenkt. (Wahrscheinlich, nachdem ihr Mann sie durch hatte.) Da kann man sich sozial mal verorten: Nicht nur, dass es auf der Dichter- und Rosenhöhe Putzfrauen gab, sondern sogar solche, die den Kindern der Arbeitgeber Bücher schenkten!

Das Buch ist ja brav, lieblich, sexfrei, ein Geplänkel (bei Böswilligen gilt Kröhnke sonst nämlich gar als pädophil), es ist mit dem Bibliophilen in uns allen. Die einzigen Jungen, die vorkommen, sind die jugendlichen Leser, die kein Buch trennen kann. Die Homosexualität des Autors wird dem sachkundigen Lesenden dezent zwischen ein paar Zeilen ahnbar gemacht. Kröhnkes Alter steht vor der Tür. Da scheint er sich der Epoche um dem Ersten Weltkrieg angenähert zu haben. Andere Werke dieser späten Schaffensphase sehen ihn mit den Sonderlingen Max Dauthendey und Friedrich W. Murnau gleichziehen, beide reisten irgendwie erotisch durch den deutsch-pazifischen Inselraum. Und zu ganz besonderen Anlässen schrieb man sich kleine Freundschaftsbücher, die auf eigene Kosten gedruckt und nur den Freunden persönlich überreicht wurden. Genau diese Art von Buch soll das hier wohl sein. Obwohl man Geld dafür hinlegen muss.

Die Welt ist unschön. Wenn er nicht froh und geschwätzig ist, denkt er daran, wie sie sich in den Anden die gefrorenen Fleischstücke von den Verunglückten schnitten, und an das Waterboarding, unter welchem Namen man in Amerika die Folter betreibt. Er liegt auf dem Bett und starrt vor sich hin und denkt daran, wie Saddam Hussein gehängt wurde und die Zeugen ihre Handykameras darauf richteten.
Es kam also auch für einen wie Abel Amelung dahin, daß ihn die Gegenwart deprimiert und schon in der Mitte des Lebens die unwiederbringliche Kindheit wie eine Rosenhöhe erscheint. Wer hätte das gedacht!
Daß er sich von aller Alltagsästhetik der 1980er, -90er Jahre und der des neuen Jahrhunderts, die seine Generation selber mitgeschaffen hat, weg- und zurücksehnt, so sehr! Zu jeder Schuhwichsereklame von ERDAL Rotfrosch, zum Wilhelm Goldmann Verlag, München 8, Postfach. Porto sieben Pfennig.

Und die Automaten mit PEZ-Bonbons! Die kurzen Knabenhosen aus Glattleder! Und nirgends ein Ozonloch! Auch keine Klimakatastrophe! Und keine AfD! Da war Deutschland noch normal.
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