Nach einer wahren Begebenheit – stellvertretend für viele Schicksale jüdischer Jugendlichen Simon Weiß lebt in Frankfurt, besucht das Gymnasium und ist Mitglied im Fußballverein. Soweit alles ganz normal – außer der Tatsache, dass Simon Jude ist. Für ihn ist das nichts Besonderes, doch in der Schule wird er deswegen gehänselt, drangsaliert und gemobbt. Seine Angst wird immer größer und seine Noten immer schlechter. Als Simon schließlich zur Zielscheibe zweier Mitschüler wird und die Gewalt gegen ihn eskaliert, ist die Schule überfordert. Simon muss selbst einen Weg finden, wie er mit dem Hass gegen Juden umgehen will.
Dieses Buch richtet sich eher an jüngere Leser und wirkte auf mich ein wenig wie Schullektüre, was dem Inhalt keinen Abbruch tat. (Im Nachgang habe ich auch recherchiert: „Reiner Engelmann ist Autor und Herausgeber zahlreicher Anthologien zu gesellschaftlichen Brennpunktthemen. Seine Schwerpunkte sind Leseförderung, Gewalt, Menschenrechte.“)
Im Mittelpunkt steht der jüdische Schüler Simon Weiß, der sich entscheidet, nicht mehr auf eine streng bewachte jüdische Schule zu gehen, sondern auf eine konfessionslose Schule. Doch als herauskommt, dass er jüdischen Glaubens ist, fangen manche Probleme erst richtig an.
Das Buch hat mehrere Schwerpunkte und das Thema Antisemitismus wird sehr konzentriert verarbeitet. Dabei wirft der Autor einen Blick in die Vergangenheit und die Aufarbeitung des Nationalsozialismus in Deutschland, indem Simon über das Schicksal seiner Vorfahren erfährt, aber es geht auch um das Hier und Jetzt. Auch wird der problematische Umgang mit Deutschlands Vergangenheit nach dem zweiten Weltkrieg thematisiert: das Herunterspielen, Verdrängen, Rechtfertigen und die bloße Tatsache, dass Nazis weiterhin Lehrer, Richter oder andere wichtige Beamte sein konnten. Mit ihrem entsprechenden Gedankengut.
Dabei ist mein Eindruck, dass der Autor durchaus in jede Richtung guckt: Da gibt es den “klassischen” Antisemitismus aus der rechten deutschen Seite, der alltäglich auch subtil gelebt wird. Ein weiteres Thema ist kultureller und religiöser Antisemitimus, auf den Simon bei Mitschülern trifft, teilweise befeuert durch den Nahostkonflikt. Simon selbst hat mit Israel nichts am Hut, war noch nie dort, und wird teilweise heftig für Israels Politik angefeindet. Mitunter reicht es jedoch auch einfach, dass Simon Jude ist.
Ich kann zum Thema salonfähigen Antisemitismus auf den Fußballverein Makkabi Berlin verweisen - teilweise kann man nicht glauben, was dort während, aber auch nach den Spielen stattfindet. Bei diesem Verein haben Spieler neuerdings teilweise Polizeischutz…
Sei es der Anschlag auf eine Synagoge in Halle im Jahr 2019 oder der Antisemitismus während der Coronazeit. Das Thema ist eines, das heute genauso aktuell ist wie auch vor einigen Jahren. Ein Thema über das wir reden müssen!
In diesem Buch folgen wir Simon, den wir über einige Jahre während seiner Jugendzeit begleiten. Während er zuhause anfängt Fragen zu seiner Familiengeschichte während der Holocaustzeit zu stellen, erlebt er zum ersten Mal an seinem eigenen Leib, wie es ist Antisemitismus zu erfahren. Sei es auf dem Fußballplatz, in der Schule oder einfach nur auf dem Bolzplatz. Reiner Engelmann bringt viele historische Fakten in der Geschichte unter mit denen er die Leserschaft definitiv weiterbildet. Auch gibt es am Ende des Buches ein Glossar indem sämtliche Begriffe im Zusammenhang mit dem Judentum, dem Holocaust und Antisemitismus erklärt werden.
Dadurch ist "Ich bin ein Jude-euer Antisemitismus ist mein Alltag" das perfekte Buch für alle, die sich weiterbilden wollen, aber von Sachbüchern eher abgeschreckt werden.
Das Buch informiert aber nicht nur, sondern hinterfragt auch vieles wie das deutsche Schulsystem oder generelle ethische Frage. Gemeinsam mit Simon lernt und wächst man während des Buches,
Mein einziger Kritikpunkt ist wohl, dass sich die Charaktere meiner Meinung nach nicht immer altersgerecht benommen haben bzw. sich nicht wie Jugendliche benommen haben. Besonders bei den Textnachrichten zwischen Simon und seinen Freunden hatte ich dieses Gefühl.
Alles in einem kann ich das Buch nur empfehlen. Mit seinen knapp 200 Seiten ist es kurz aber genau richtig. Persönlich, habe ich durch dieses Buch einige neue Dinge gelernt und mich dadurch auch selbst weitergebildet habe.