"Ja, Paul – Paul war in diesem Fall nur ein Sammelname. Er hieß gar nicht Paul – er war es nur. Es gibt eine bestimmte Art von Erlebnis, das ich Paul nenne, aus dankbarer Erinnerung an seinen ersten Vertreter." Sie kennt sie alle, die verschiedenen Typen männlicher den Retter, der immer gut und aufrichtig ist (aber deswegen schwer zu ertragen), die Begleitdogge (immer elegant, immer tip top) oder den Fremden, der den großen Reiz ausmacht, aber niemals zur Beziehung werden darf. Sie, das ist die herrlich selbstironische Briefschreiberin, in die Franziska Gräfin zu Reventlow viel von sich selbst gelegt hat. Eine der modernsten Schriftstellerinnen des beginnenden 20. Jahrhunderts schreibt über den Alltag einer Frau, die sich an keinen Mann binden will, über illustre Gesellschaften, das Lieben und Verlieben, Affären und natürlich über all die Pauls und Pedros, die ihr im Laufe ihres Liebeslebens begegnet sind. – Mit einer kompakten Biographie der Autorin.
Ich hab das Buch ganz zufällig entdeckt - und muss sagen, dass ich schockiert darüber bin, dass ich diese Autorin vorher nicht kannte! (Das wäre eins dieser Bücher, die man gut in der Schule lesen könnte, um mal ein bisschen Abwechslung von immer denselben Autoren zu bekommen). Franny von Reventlow hat so ein spannendes Leben geführt, ich werde definitiv auch ihre anderen Werke lesen.
Witziger, satirischer und emanzipierter Beitrag einer tollen Frau aus 1912 (starke autobiografische Einflüsse). Für jede Sorge und Hürde findet Reventlow eine gewitzte und (endlich mal zur Abwechslung) positive Position. Negativität Adieu! Neben ganz freien und hedonistischen Reflexionen bietet sie einem auch ganz tiefgreifende . Besonders ergreifend wurde für mich das Thema Alter/Krankheit/Tod behandelt: "Der Tod - warum hat man wohl so viel Angst davor? Ich habe sie auch, aber dann denke ich wieder, es ist vielleicht ganz überflüssig, wir wissen doch gar nicht, ob es unangenehm sein wird. Es mag verdreht sein, aber ich ertappe mich sogar bei dem Gedanken: Das Leben ist so schön, obwohl so viel dagegen eingewandt wird - am Ende ist das Sterben auch gar nicht so übel." Werde ich nochmal lesen.
Von Paul zu Pedro ist als Briefroman konzipiert. In einer Folge von Briefen wendet sich die Autorin an einen Doktor, der während des gesamten Buches stumm bleibt. Er antwortet nicht, tritt nie als handelnde Figur in Erscheinung und bleibt weitgehend anonym. Der Leser erfährt gerade so viel über ihn, dass seine Funktion erkennbar wird und zugleich zu wenig, um ihn wirklich fassen zu können. Dadurch rückt der Leser unweigerlich an die Stelle des Doktors und wird zum stillen Gegenüber.
Die Briefe entfalten ein persönliches Mosaik aus Begegnungen, Beziehungen und Erfahrungen mit sehr unterschiedlichen Männern, von „Paul“ bis „Pedro“. Die Namen stehen dabei weniger für konkrete Biografien als für Typen, Haltungen und emotionale Konstellationen. Was zunächst wie eine amüsant-ironische Männertypologie erscheint, entwickelt sich zu einer vielschichtigen Reflexion über Nähe und Distanz, Freiheit und Bindung, Begehren und Selbstsuche.
Der stumme Doktor fungiert dabei als Projektionsfläche: als möglicher Analytiker, als imaginärer Vertrauter oder schlicht als Anlass zum Schreiben. Da jede Antwort ausbleibt, entsteht kein Dialog im klassischen Sinn. Der Text wird zum konzentrierten Monolog, in dem die Autorin sich selbst befragt, prüft und entlarvt.
Besonders überzeugend ist der satirisch-ironische Ton, mit dem die Autorin nicht nur ihre männlichen Gegenüber betrachtet, sondern sich selbst mit derselben Genauigkeit und Schonungslosigkeit einbezieht. Sie vermeidet jede überlegene Perspektive und legt stattdessen eigene Widersprüche, Sehnsüchte und Irrtümer offen. Gerade diese Selbstironie verleiht dem Text Tiefe und Glaubwürdigkeit.
Die autobiografischen Bezüge sind dabei deutlich spürbar. Bemerkenswert und für die Entstehungszeit ausgesprochen mutig ist die Offenheit, mit der die Autorin ihre Lebensweise schildert, ohne sie zu erklären oder zu rechtfertigen. Beziehungen, Begehren und persönliche Freiheit werden nicht als Provokation inszeniert, sondern als selbstverständlicher Teil eines gelebten Lebens. Diese Haltung verleiht dem Werk eine erstaunliche Zeitlosigkeit.
Für mich nicht nur ein unterhaltsamer Briefroman. Einfach nur großartig.
Tolles emanzipatorisches Werk, hat eine wichtige kulturelle Stellung in der Deutschen Literatur, und das zu Recht. Einf eine Baddie Meine erste Buchempfehlung für das Jahr 2026, es ist kurz, satirisch, witzig, jeder Satz ist Gold wert.
„Es gibt Männer, in die man nur richtig verliebt ist, wenn noch andere dabei sind.“
„Ich hab's versucht, Bobby, aber es ist immer dieselbe Geschichte. Theater zum Beispiel - der bloße Gedanke, dass ich irgendwohin gehen muss, wenn ich gerade keine Lust habe, macht mich krank. Beruf ist etwas, woran man stirbt.“
„Ich hatte auch wirklich die besten Absichten, Sie auf dem Laufenden zu halten, aber das Laufende lief mit mir davon, und ich bin etwas außer Atem gekommen.“
„Man kann nicht immer im Zusammenhang bleiben, liebster Freund, das Leben selbst ist gar so unzusammenhängend.“
„Und vermutlich fällt er eher mit mir herein, denn er scheint es wenigstens bisher bitter ernst zu nehmen. Und ich weiß nicht recht, was ich mit seinem Herzen anfangen soll.“
Hab ich geliebt. She’s an icon, she’s a legend, and she’s the moment.
Richtig nettes, unterhaltsames Buch. Sehr viel Witz und gut geschrieben. Das Buch dreht sich fast ausschließlich um ihre Beziehungen zu Männern - für mich persönlich etwas zu viel nach einer Weile.