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Ob wir wollen oder nicht

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Virtuos komponiert, fulminant erzählt: Nach dem großen Erfolg von Endlich Stille Otts neuer Roman. Mit dem Grauen, das sich im Keller des Gasthofs zugetragen hat, will er nichts zu tun haben. Doch ein Zeuge hat gesehen, wie er den Tatort verließ... Der Erzähler in Karl-Heinz Otts neuem Roman befindet sich in Untersuchungshaft, während diejenigen, die die Tat vermutlich begangen haben, spurlos verschwunden sind. "Dass ausgerechnet ich hier sitzen muss, ausgerechnet ich, in diesem Loch mit einem Waschbecken, einer Kloschüssel und kahlen Wänden, und das bei schönstem Wetter, ausgerechnet ich, von dem jedes Kind weiß, dass ich keinem etwas antun könnte ..." In einem furiosen inneren Monolog entfaltet Karl-Heinz Ott ebenso spannend wie reflexiv das Seelenpanorama einer Figur, die einmal aufgebrochen war, sich selbst und die ganze Welt zu verändern, um schließlich in jeder Hinsicht im Abseits zu landen. Dabei wird nicht nur sie selbst vom Alb der Vergangenheit eingeholt. Karl-Heinz Ott erzählt in einer so mitreißenden Sprache, dass Schrecken und Komik kaum voneinander zu unterscheiden sind.

205 pages, Hardcover

First published January 1, 2008

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About the author

Karl-Heinz Ott

32 books4 followers
Karl-Heinz Ott wurde 1957 in Ehingen bei Ulm geboren. Er besuchte ein katholisches Internat und studierte Philosophie, Germanistik und Musikwissenschaft. Anschließend arbeitete er als Dramaturg in Freiburg, Basel und Zürich. 1998 erschien sein Romandebüt "Ins Offene", das mit dem Förderpreis des Hölderlin-Preises und dem Thaddäus-Troll-Preis ausgezeichnet wurde.

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Community Reviews

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1 star
1 (7%)
Displaying 1 - 5 of 5 reviews
Profile Image for Semjon.
772 reviews507 followers
October 31, 2021
Ein Buch, welches 2008 auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stand und hier auf Goodreads gerade mal von sechs Personen gelesen wurde, die es im Schnitt mit 2,0 (!) Sternen bewertet hatten. Das versprach mir mal wieder eine zähe Lektüre mit viel Unverständnis. Doch ich musste mir mein eigenes Bild machen, ob ich wollte oder nicht, zumal die 11 Personen, die es auf Amazon bewerten, dem Buch im Schnitt 4,1 Sterne gaben. Eine erstaunliche Diskrepanz. Sind Goodreads-User kritischer? Oder weniger offen für ausgefallene Erzählformen?

Nun, ich kann die amazonmäßige Begeisterung und das überschwängliche Feuilleton absolut verstehen. Karl-Heinz Ott hat einen bewundernswerten Schreibstil. Er platziert seine Leserschaft in den Kopf von Richard, einem etwa 50jährigen Mann, träge und unförmig, in der links-alternativen Szene groß geworden, dessen einzige vorzeigbare Berufstätigkeit mal die Führung einer kleinen Tankstelle in einem abgelegenen Dorf im Hochschwarzwald war. Doch eine neue Talbrücke leitete den Durchgangsverkehr um, und somit begann Richards und des Dorfes wirtschaftlicher Niedergang. Wir treffen Richard an, als er gerade auf der Pritsche in der U-Haft Platz nimmt und sich aufregt, dass ausgerechnet ihm so eine Behördenwillkür widerfahren muss.

Das Buch ist ein einzig langer Gedankenstrom mit Sätzen, die sich nicht nur über Zeilen, sondern über ganze Seiten mäandern. Das ist einerseits unheimlich anstrengend zu lesen, denn jegliche Konzentrations- oder Erinnerungsschwäche im Kurzzeitgedächtnis beim Leser wird bestraft, weil nur mit wachem Geist man am Ende eines Satzes noch weiß, wie er vor ein paar Minuten begonnen hatte. Der Autor hat dies selbst als „Gedankenmusik“ bezeichnet, was ich sehr treffend finde. Wie bei einer Bach-Etude bauen sich hier immer mehr Nebensätze kaskadenförmig auf, wobei man sich wünscht, dass ein begnadeter Schauspieler oder Hörbuchsprecher, diese Wortaneinanderreihungen vertonen würde.

Es gibt auch eine Handlung, quasi der Grund für Richards Verhaftung, aber die Puzzlestücke gibt der Autor nur sehr spärlich über die Erinnerungen seines Ich-Erzählers frei. Man versteht zwar recht schnell, dass es um eine Dreiecksbeziehung zwischen Richard, dem ehemaligen Pfarrer Johannes, dem eine abgeschmetterte Anklage wegen Kindesmissbrauchs in die Einsiedelei trieb, und Lisa, die Gastwirtin des Dorfes, geht. Offensichtlich sind Johannes und Lisa verschwunden und nun wird Richard wegen irgendetwas verdächtig, was selbst er nicht weiß oder sich zusammenreimen kann. Aber gegen Ende dieser Geschichte setzt sich doch ein ungefähres Gesamtbild zusammen, dem aber noch genug Lücken bleiben, um sie mit der Phantasie des Lesers zu füllen. Handlungsorientierte Leser/innen werden bestimmt wahnsinnig dabei, was die schlechte Goodreads-Bewertung erklärt. Menschen, die sich dagegen an einer kunstvollen, stellenweise auch humorvollen Erzählweise erfreuen können, die am Anfang wie eine Anklage oder Traktat klingt und mit zunehmender Zermürbung des Erzählers gleichgültiger und fatalistischer wird, werden dagegen ihre Freude haben. Ich hatte sie auf jeden Fall, aber so ein Restfunken mehr Gewissheit hätte wahrscheinlich auch den fünften Stern freigeschaltet. Aber auf jeden Fall sehr lesenswert.
Profile Image for Sandra.
212 reviews55 followers
November 1, 2021
Der Roman beginnt damit, dass Richard, seine Unschuld beteuernd, in Untersuchungshaft sitzt. Er wartet darauf, zum Richter geführt zu werden und sinniert währenddessen darüber, wie es dazu kommen konnte, dass er sich in dieser misslichen Lage befindet. Im Laufe des Buches werden der Leserin immer wieder Bruchstücke des Verbrechens, das wohl seine On-Off-Lebensgefährtin Lisa und sein guter Freund der Pfarrer Johannes begangen haben, offenbart.

Neben der oben genannten Darstellung der aktuellen Situation des Protagonisten, erfahren wir auch etwas von der Lebensgeschichte der Hauptperson und auch ein Prozess, der einige Jahre zuvor gegen den Pfarrer lief, wird thematisiert. Unklar bleibt ob und was davon mit den Ereignissen der Gegenwart zusammenhängt.

Eine Besonderheit an dem Buch ist, dass uns die Geschichte fast durchgehend in Monologform durch den Ich-Erzähler Richard erzählt wird. Wir befinden uns durchgehend in seinem Kopf und erhalten so auch konsequent nur die Informationen, die auch er hat. Das führt dazu, dass sich sowohl bei Richard als auch bei der Leserin eine kafkaeske Stimmung einstellt (ein Vergleich mit " Der Prozess" drängt sich geradezu auf).

Sehr positiv hervorzuheben ist die Sprache, in der der Roman verfasst ist. Es handelt sich hauptsächlich um sehr lange Schachtelsätze, die jedoch, meines Erachtens, den Lesefluss nicht stören, im Gegenteil, es las sich für mich trotzdem sehr gut. Mir hat der Schreibstil insgesamt unheimlich gefallen, insbesondere auch die leise (und manchmal auch nicht so leise) Ironie sowie der feine Humor, der den Text immer wieder durchzieht.

Ich bin sehr froh, hier auf dieser Plattform, auf diesen, mir bis dahin unbekannten, Autor gestoßen zu sein und werde Ausschau nach weiteren Romanen von Karl-Heinz Ott halten.
Profile Image for SusanneH.
525 reviews41 followers
December 25, 2021
Wieder ein Buch durch auf das ich nur durch goodreads kam.
Zu Beginn liest es sich wie ein Krimi und wenn man sich auf die Art der Erzählweise einlassen kann, einen die endlos langen Sätze nicht abschrecken, dann taucht man ein in diesen inneren Monolog, die Gedankenwelt der Hauptperson.

Die Hauptperson sitzt zu Beginn des Buches in einer Zelle in Untersuchungshaft.
Nach und nach erfährt man bruchstückartig was sich ereignet hat. Aber nie vollständig.
Ein vollständig klares Bild hat man auch nach Beenden des Buches nicht.

Insofern kann ich die schlechten Bewertungen nachvollziehen. Mir hat das Buch aber gefallen.
Da ist einer, der mal alles anders machen wollte, der nicht so wie alle sein wollte.
Niemals wollte er von Früh bis Spät in irgendeinem Job malochen und abends vor dem Bildschirm sitzen, tagein tagaus.
Er rebelliert, wohnt in einer dieser 68er WGs und landet dann doch irgendwann als Tankstellenbesitzer im normalen Alltag.
Aber es läuft nicht rund für ihn. Weder im Job (die Tankstelle geht pleite, da der Ort durch eine neue Brücke ins Abseits gerät) noch in der Liebe.
Sein jahrelanges Verhältnis betrügt ihn mit seinem Kumpel.
Ob wir wollen oder nicht, unser Leben fließt dahin, wir sind schuldig an uns selbst.
5 reviews
September 27, 2020
Ich verstehe, warum es dieses Buch auf die Longlist des deutschen Buchpreises geschafft hat, aber auch, warum dann ein anderes Buch ausgezeichnet wurde. Dieses reine Kammerspiel im Kopf der Hauptfigur ist zwar künstlerisch grandios erdacht, liest sich aber furchtbar umständlich. Schade.
Profile Image for Owl.
294 reviews36 followers
October 2, 2012
An sich gar nicht sooo schlecht, aber ich finde es einen eher ungünstigen Zug, wenn man den Leser die ganzen 205 Seiten lang wie einen Außenseiter behandelt. Es gibt nur Andeutungen und Informationsbröckchen und die auch nur so nach und nach. Kann man als erzähltechnisch clever auslegen. Muss man aber nicht.
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