Dieses Buch erzählt die Siebziger nicht als Abfolge von Erfolgen, sondern als Zustand. Musik wird hier nicht sortiert, sondern gelesen wie ein Symptom: für Überforderung, Aufbruch, Rückzug, für den Wunsch nach Bedeutung in einer Zeit, in der vieles ins Rutschen geriet. Ernst Hofacker nimmt den Sound des Jahrzehnts ernst – vielleicht ernster als das Jahrzehnt selbst sich damals nahm. Die große Stärke des Textes liegt in seiner Offenheit. Progressive Rock, Disco, Funk, Punk, elektronische Experimente stehen gleichberechtigt nebeneinander, ohne Hierarchie, ohne nostalgische Wertung. Das macht die Lektüre dicht, manchmal fordernd. Wer klare Linien oder eine chronologische Ordnung erwartet, wird sie vermissen. Dieses Buch folgt keiner Dramaturgie außer der des Hörens – und das bedeutet auch: Abschweifung, Überlagerung, gelegentliche Unschärfe. Hofackers Ton bleibt sachlich, fast kühl. Das schützt vor Verklärung, schafft Distanz, kostet aber mitunter auch Wärme. Persönliche Brüche, individuelle Hörerfahrungen bleiben weitgehend außen vor; das Jahrzehnt erscheint eher als kulturelles Feld denn als gelebter Alltag. Manchmal hätte man sich gewünscht, dass der Text näher an den Körper rückt, an das tatsächliche Erleben von Lautstärke, Rausch, Überdruss. Gleichzeitig liegt genau darin seine Konsequenz. Die Siebziger werden nicht romantisiert, sondern als Übergangsraum sichtbar: zwischen politischem Anspruch und privater Flucht, zwischen musikalischer Überdehnung und radikaler Reduktion. Dass dabei nicht jeder Stil gleich tief ausgeleuchtet wird, wirkt weniger wie ein Mangel als wie ein Spiegel des Jahrzehnts selbst – vieles begann, vieles blieb Fragment. Am Ende ist dieses Buch kein Schlüssel, sondern eine Karte. Nicht alles ist markiert, manches bleibt leer. Aber wer sich darauf einlässt, hört die Siebziger nicht lauter, sondern genauer.