Gewalt ist nicht nur Ereignis, sondern auch Prozess und Verhältnis. Sie zerstört Ordnung nicht nur, sondern begründet sie auch und hält sie aufrecht. Der Dimension des Wissens wird in den meisten Gewaltdebatten nur wenig Bedeutung beigemessen, gilt sie doch als Gegenteil von oder als Gegenmittel zu Gewalt. Mit dem Begriff der »epistemischen Gewalt« rückt Claudia Brunner den konstitutiven Zusammenhang von Wissen, Herrschaft und Gewalt in der kolonialen Moderne, unserer Gegenwart, in den Fokus. Ausgehend von feministischer, post- und dekolonialer Theorie entwickelt sie in Auseinandersetzung mit struktureller, kultureller, symbolischer und normativer Gewalt ein transdisziplinäres Konzept epistemischer Gewalt.
Ein Buch, das aussagt Gewalt finde unter anderem durch die Klassifizierung von Wissen und der Möglichkeit oder Unmöglichkeit wissen zu erlagen statt, sollte nicht in einer Sprache geschrieben sein, die bestimmten Personen wissen nicht zugänglich macht, obwohl sie die Sprache eigentlich fließend sprechen, bzw. als Muttersprache haben.