Marie Luise Knott stellt die richtige Fragen an Hannah Arendt. Bettina Stangneth sagte singemäß mal, dass man schwer unterscheiden könne, wer Hannah Arendt mehr geschadet habe - ihre Freunde oder Feinde. Marie Luise Knott schlägt sich auf keine der Seiten und bleibt nah an den Quellen - daher super lesenswert und eine grandiose Bereicherung der Arendt‘schen Sekundärliteratur. Knott berührt in diesem schmalen Band mehr entscheidende Punkte in Arendts Denken als viele schwafelnde, historisch vollständige Biographien.
Spannend, wenn man sich für Menschrechte und den (politischen) Umgang mit struktureller Gewalt interessiert. Das Buch macht deutlich, wie unterschiedlich der Umgang mit der Situation von Unterdrückung, Diskriminierung und Verfolgung ist, auch individuell. Interessant die hohen Maßstäbe, die sowohl Hanna Arendt (als jüdisch Verfolgte) als auch Ralph Ellison (als Schwarzer diskriminiert und Gewalt ausgesetzt) an diejenigen ansetzen, die als Gewaltbetroffene sprechen und politisch aktiv sind bzw. Forderungen stellen.