Die Suche nach dem verschwundenen, vielleicht verunglückten oder sogar ermordeten Vater und die Erinnerungen an eine belastende Familiengeschichte entfalten sich vor dem Hintergrund einer ebenso belastenden kollektiven Vergangenheit, die in die Gegenwart hineinwirkt. Fremdenfeindlichkeit, die in einem rechtspopulistischen Jungpolitiker Sprachrohr und Verstärker findet, Waffenschmuggel ins kriegsgeschüttelte Jugoslawien und Gewaltverbrechen sind die äußeren Symptome einer tiefenpsychologischen Zerrüttung, die ihren Ursprung unmissverständlich in der Verlassenschaft des Dritten Reiches haben. Auch die Landschaft des Neusiedlersees ist keine alpenländische Idylle, sondern ein aus dem biologischen Gleichgewicht gebrachter Sumpf, in dem sich Insekten und Aale tummeln. Bezeichnend ist der Blick des Protagonisten auf die Seebühne von Mörbisch, der ernüchternd von hinten auf die Operettenkulisse (Österreichs?) fällt. Ist die Tablettensucht des Antihelden ein Hinweis darauf, dass man das alles ohnehin nur im Nebel des Rausches verdauen kann, und sei es auch nur berauscht von der sprachlichen und erzähltechnischen Meisterleistung Gerhard Roths.