Quo vadis, Europa?Ist der stabile Friede in Europa gefährdet? Zwischen den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union wird aus guten Gründen der Friede zu den hauptsächlichen Errungenschaften des europäischen Einigungsprozesses gezählt. Heute stellt sich aber nicht nur die Frage, ob dieser Friede in Richtung auf verstärkten Nationalismus gefährdet sein könnte. Es ist vielmehr auch offen, ob Europa bei einer gelingenden Verstärkung der gemeinsamen Verteidigungs- und Sicherheitspolitik lediglich zu einer weiteren eigeninteressierten Großmacht auf globaler Ebene werden wird. Muss Europa nicht auch in der Politik gegenüber Staaten, die der europäischen Friedensordnung nicht angehören, den Prinzipien folgen, die sich als so segensreich für Europa erwiesen haben? Das Buch versucht, anhand historischer Überlegungen diesen Fragenkomplex aufzuhellen. Daraus entsteht ein Bild der gegenwärtigen Lage, das den Hoffnungen und Idealen Europas ebenso gerecht zu werden versucht wie den tragischen Konstellationen, zu denen internationale Machtpolitik immer wieder führt.
Aufmerksam geworden auf diesen Essay von Soziologe Hans Joas angesichts des Angriffskrieges, welcher derzeit im östlichen Teil Europas tobt, und auf der Suche nach wissenschaftspolitischen, gar soziologischen, Erklärtungsmustern für diese, noch bis vor kurzem, kaum vorstellbare Entwicklung im Europa des 21. Jahrhunderts, liefert die eher philosophisch gehaltene Diskussion viele interessante Einblicke in geschichtlich gewachsene, ideologische Denkmuster. Immer wieder die Konzepte von "Interessen", nationalistischen bis imperialistischen Sicht- und Wahrnehmungsweisen angesichts von Entwicklungen in sogenannten, von bestimmten Nationalen für sich definierten, "Großräumen", und welche Nation(en), föderativ oder imperial dort eigenmächtig (im Spannungsfeld: Recht versus Macht) anstellen darf. Bezugspunkte und Erklärungsmuster können in der Tat identifiziert werden mit dem aktuellen europäischen Konflikt. Der Inhalt und die abwägende Diskussion die im vorliegenden Buch auf hohem Niveau vorgenommen wird, ist sicherlich ein sehr wertvoller Denkanstoß zur eigenen Reflektion auf die treibenden Ideen die den aktuellen Kriegskonflikt in östlichen Teilen Europas treiben, und wie dann die Reaktion der Staatengemeinschaft in Europa zu bewerten ist, nicht zuletzt zu verstehen sein kann.