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Der Mangel

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Der neue Roman von Oskar Roehler erzählt auf magische Weise von einer Kindheit in den frühen sechziger Jahren. Die Kinder dort wachsen in einem bildungsfernen Milieu auf, in dem Sprachlosigkeit vorherrscht. Sich selbst überlassen, da die Eltern „Malocher“ sind, streunen sie in einer abgelegenen Siedlung im Zonenrandgebiet herum und verwildern immer mehr. Bis sich eines Tages ein Bewohner dieser Siedlung ihrer annimmt und ihr Lehrer wird. Er macht mit ihnen Museumsbesuche und führt sie heran an die faszinierende Welt der Kunst, der Musik, Malerei und der Literatur. Für die Kinder ist dies ein Befreiungsschlag, die glücklichste Zeit ihres Lebens. Bis sich mit Eintritt in die Dorfschule ihr Schicksal noch einmal wendet.Mit starken Bildern und einer klaren, poetischen Sprache erkundet Oskar Roehler die Frage nach den Bedingungen der eigenen Existenz, nach den Einflüssen, die einen zu der Person machen, die man ist.

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Oskar Roehler

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Displaying 1 - 4 of 4 reviews
Profile Image for stefanb.
264 reviews
February 26, 2020
„Allein durch die hässlichen Dinge aus den Möbelmärkten lebten sie in einer absoluten Gegenwart.“ [76]
In seinem Roman „Der Mangel“ lässt Oskar Roehler die sechziger Jahre noch einmal, auf einer Fiktion beruhend, Revue passieren und arbeitet diese auf literarische Weise nochmals auf.
Wenn ich jetzt überlegen müsste, welche Schlagworte mir für die Deutsche Zeitgeschichte der 60er Jahre einfallen würde, wären dies Proteste, Vertreibung, Konsum und Konjunktur. Also quasi eine Zeit, die durch Veränderungen geprägt ist. Wahrscheinlich würde der Autor Roehler nun hinzufügen: Und durch den Mangel!
In seinem Werk geht er dabei mit poetischer Sprache, manchmal für meinen Geschmack etwas zu hochgestochen und auch wiederholend (eine Lehre in der Kreissparkasse machen), auf die Themen der damaligen Zeit ein.
„Die Sudetendeutschen, die Zuwandere aus Ostpreußen, aus Pommern und Schlesien“ [37] sind in dem Roman eine eingeschworene Gemeinschaft, gierig nach geistiger Nahrung, die eine Klassengesellschaft bilden und sich der Obrigkeit erkenntlich zeigen sollen, wohnen in einer abgelegenen Siedlung, sind hart zu sich selbst und zeigen einen Freiheitsdrang, auch wenn dieser bei den dort lebenden Kindern zu einer Totalverweigerung führt.
„Freiheit in einem einzigen Akt der Totalverweigerung verteidigten, während die anderen sich abführen ließen und sich in das Schicksal, das für sie vorgesehen war, fügten.“ [61f.]
Der Schreibstil ist flüssig. Die Charaktere bleiben eher oberflächlich, was aber nicht schlimm ist, da der Roman mehr die Gesamtsituation der 60er Jahre beschreibt als das Schicksal einer einzelnen Person. Spannend ist es trotzdem der Erzählung zu folgen, der teils dichterischen Ausdruckskraft zu lauschen und über das Gelesene nachzudenken.
„Das schwarze Brackwasser, in das sie starrten, hätte als metaphorischer Spiegel für Verdrängtes, in Vergessenheit Geratenes herhalten müssen, das sich nun wieder einen Weg an die Oberfläche bahnte.“ [26]
Der Roman zeigt auf eindrucksvolle Weise, welche Faktoren dazu beitragen, zu der Person heranzuwachsen, die man ist. Die Kinder sind von ihren Eltern geprägt. „Fronarbeit waren sie von Kindesbeinen an gewohnt, Härte gegen sich selbst.“ [28] Auch betrifft der Mangel nicht nur Dinge des Konsums, sondern vielmehr auch die emotionale Sparsamkeit, welche die Eltern aufgrund der Lebenssituation an den Tag legen. „Sie (die Mutter) war es, die den Mangel verwalten musste, der unser Leben bestimmte, die sorgfältig dosierten Notrationen an Zuversicht, Liebe, Strenge.“ [52]
Profile Image for yellowdog.
860 reviews
February 28, 2020
Es gab mal eine Zeit, als die deutschsprachige Literatur stark von Thomas Bernhard beeinflusst war. Lange habe ich das nicht mehr gelesen, bis jetzt Der Mangel von Oskar Roehler erschienen ist.
Roehlers Stil ist gestochen scharf, sein Protagonist klagend und wütend, aber auch kühl analysierend und mit bissigen Humor.
Dieser Stil ist sicher nicht jedermanns Geschmack. Roehler ist kein Mainstream, das war er auch als Regisseur bei seinen Filmen nie.

Es wird das Aufwachsen in den sechziger Jahren in einer abgelegenen, unzugänglichen Gegend geschrieben. Es entstehen große visuelle Bilder vom Aufstieg des Hügels in der verschneiten Umgebung.

Roehler schreibt streckenweise metaphorisch: „Das schwarze Brackwasser als Spiegel für Verdrängen“.

Manche Beschreibungen lösen Unbehagen aus, haben aber auch eine sprachlich raue Schönheit.
Beklemmend aber die Szenen des Schulalltags mit Erkennen der Strukturen von Macht und Ohnmacht.

Der namenlose Erzähler, der vermutlich autobiografische Züge des Autos trägt, erzählt teilweise als Kollektiv (unsere Väter …), dann aber auch als Individuum, wenn er konkret von seinen Eltern berichtet.
Er liest die Bücher von Beckett, Kafka und Bernhard, die ihm ein Weltbild vermitteln. Das ist vielleicht das, was ihm irgendwann einen Weg aufzeigen kann.

Mich hat das Buch sehr beschäftigt!
Profile Image for Bianca Sandale.
569 reviews22 followers
December 22, 2020
liest sich gut runter, schöne kleine Geschichte ohne viel sprachliche Anforderungen über
"wir haben damals ja nichts gehabt"

Profile Image for Jochen Werner.
24 reviews1 follower
April 23, 2024
Wo kommt nur plötzlich diese Sprache her? Roehlers bestes Buch.
Displaying 1 - 4 of 4 reviews

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