Dünen, Strand und Meer - Sehnsuchtsort Sylt im Wandel der Zeiten Als Bauerntochter einer altfriesischen Familie wächst Kerin Schmidt behütet unter reetgedeckten Träumen in Morsum auf. In ihrem ersten Buch erzählt sie uns von ihrer Kindheit zwischen blumigem Heidekraut, in dem die Bienen im Spätsommer fleißig Honig sammeln, und weichem Sandstrand, der zwischen den Zehen zergeht. Großgeworden mit Oma und Opa unter einem Dach, das Kliff als Spielplatz vor der Tür, sucht sie als Erwachsene in Hamburg ihr Glück und findet ihre große Liebe. Mit Mann kehrt sie zurück nach Sylt, wagt einen Neuanfang im alten Zuhause, samt Familie in der Nachbarschaft, dem Aufbau einer kleinen Imkerei und Tomaten vor der Haustür. Kerin Schmidt schreibt über dieses Leben hinter den Dünen, über nordisch herbe Begrüßungen, Dorftratsch, fahrradfahrende Touristen und die Schönheit Sylts im Wandel der Jahrzehnte. »Sylt bleibt immer die Insel, die sie im Herzen ist. Das Meer bleibt das Meer, die Heide bleibt die Heide und der Sand bleibt der Sand.« Kerin Schmidt
Imkern und Romane schreiben – das sind nicht unbedingt die typischsten Berufe und dass man diesen dann auch noch ausgerechnet auf Sylt nachgeht ist umso überraschender. Doch das ist der Alltag von Kerin Schmidt. Auf der Insel aufgewachsen zog es sie in ihrer Jugend in die Ferne, doch sie hat wieder zurück gefunden in ihre Heimat und daraufhin spontan beschlossen, ihre Erfahrungen auf Sylt in einem Buch niederzuschreiben.
Dabei begleitet der Leser Kerin von klein auf. Für ein Kind kann es keinen schöneren Ort geben, um groß zu werden und so schwingt immer ein wenig Bullerbü-Feeling mit, wenn man ihre Erzählungen liest. Später zieht sie nach Hamburg, erlebt dort spannendes und findet – Spoileralarm – die große Liebe.
Doch es ist, in meinen Augen, nicht die Handlung, die dieses Buch so besonders macht. Vielmehr sticht es sprachlich heraus. Wenn Geschichten von der kleinen Kerin erzählt werden, dann fühlen sie sich auch so an: Ein wenig stockend und sprunghaft, unterhaltsam und voller Energie. Mit dem Alter der „Protagonistin“ wandelt sich auch der Erzählstil und in den letzten Kapitel wird dieser sogar immer poetischer. Da finden dann auch Reime ihren Weg in den Text und neben der „oberflächlichen“ Geschichte kommen auch ernste Untertöne dazu.
Es macht Freude, Kerin beim Aufwachsen „zu zusehen“ und dabei so viel über die sagenumwobene Insel im hohen Norden zu erfahren. Für Leser, die bereits schon einmal auf Sylt waren (und auch für Wiederholungstäter) ist es sicher schön, mit diesem Buch bekannte Orte noch einmal zu besuchen und auch einmal aus einer anderen Perspektive zu erleben. Aber auch für alle Anderen ist das Buch ein Fernwehgarant und Sylt wandert mit ziemlicher hoher Wahrscheinlichkeit auf die Liste der Wunschreiseziele.
Insgesamt ist diese „Autobiographie“, die doch nicht wirklich eine solche ist, eine schöne Erzählung mit vielen lustigen und auch rührenden Momenten. Besonders die sprachlichen Bilder unterscheiden dieses Buch von manch anderen Geschichten und so kann ich es nur absolut weiter empfehlen.