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Sittlichkeit und Kriminalität: Und weitere Satiren zu Justiz und Moral

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Schriften / Karl Kraus. Hrsg. von Christian Wagenknecht, 1Kraus suchte zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Konflikt mit Harden vor dem Hintergrund der von Kraus leidenschaftlich angegangenen Sittlichkeitsprozesse, wie sie für die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg typisch waren. Dieser Art von Prozessen widmete Kraus mit Sittlichkeit und Kriminalität eine ganze Sammlung seiner Aufsätze, in denen er für das Recht des Individuums auf Lust und auf Verschonung von Sexualschnüffelei eintrat.

Hardcover

First published October 7, 1987

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Karl Kraus

425 books135 followers
Karl Kraus was an Austrian writer and journalist, known as a satirist, essayist, aphorist, playwright and poet. He is considered the first major European satirist since Jonathan Swift. He directed his satire to the press, German culture, and German and Austrian politics.

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224 reviews4 followers
March 21, 2026
„Das Privatleben ist das einzige, was den Staat nichts angeht.“

In Sittlichkeit und Kriminalität zerlegt Karl Kraus mit sichtbarem Vergnügen die moralische Selbstgewissheit seiner Zeitgenossen. Was sich in der k.u.k. Monarchie um 1900 als „Sittlichkeit“ ausgibt, entpuppt sich bei ihm als ein Gemisch aus Heuchelei, Voyeurismus und strafrechtlich organisierter Einmischung ins Privatleben.

Kraus’ Angriff richtet sich vor allem gegen jene Delikte, bei denen weniger ein Schaden als vielmehr ein Anstoß verfolgt wird. Die Gesellschaft erklärt sich zur Hüterin der Moral und ruft nach dem Richter, wo bloß ihr Geschmack beleidigt ist. Homosexualität, Prostitution, Ehebruch – nicht das Verhalten selbst ist der Skandal, sondern dass es verfolgt wird.

Die Justiz erscheint als williger Vollstrecker öffentlicher Erregung, die Presse als deren Lautsprecher. Empörung wird produziert, ausgeschlachtet und schließlich in Urteile übersetzt. So entsteht jene eigentümliche Form von Kriminalität, die Kraus interessiert: nicht die Tat, sondern ihre gesellschaftliche Erfindung.

Sein Stil ist entsprechend kein Werkzeug der Aufklärung im nüchternen Sinn, sondern eine Waffe. Kraus schreibt, als führe er einen Prozess – allerdings nicht gegen Angeklagte, sondern gegen die Ankläger. Sarkasmus ersetzt das Argument nicht, aber er treibt es auf die Spitze, bis die Widersprüche sichtbar werden. Dass dabei manches überzeichnet ist, gehört zur Methode.

Wer es heute liest, kann sich leicht überlegen fühlen. Vieles von dem, was damals strafbar oder skandalös war, ist es nicht mehr. Und doch hat sich manches nur etwas verschoben oder ist immer noch unerledigt. Die Lust, Moral in Recht zu verwandeln, ist immer noch vorhanden.

Die Aufsätze sind daher mehr als historische Dokumente. Sie sind eine unangenehme Erinnerung daran, wie schnell eine Gesellschaft, die sich für anständig hält, beginnt, das Leben anderer zu verwalten. Es ist allerdings ab und an nicht leicht zu lesen, weil der Stil nicht nach heutigem Maßstäben leicht lesbar ist und oft journalistisch von damals aktuellen und bekannten Umständen ausgeht.

Rating: 3/5
Sprache gelesen: Deutsch
Gelesen im Jahr: 2026
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