Mit existenzieller Tiefe und literarischer Lakonie erzählt Rainer Jund Geschichten, die uns alle betreffen. Weil sie uns zeigen, was wir ein Wunder, verletzlich, ein Mensch.Eine aparte Kunsthistorikerin und ihr Mann auf Hochzeitsreise in Florenz. Zwischen dem größten Glück und der Katastrophe geht etwas verloren – die Selbstverständlichkeit des Lebens. Eine abrupte Gehirnblutung ändert für die Frau alles. Immer an ihrer Seite ein Klinik-Arzt, der in der Unfassbarkeit seines Alltags alles Momente der Empathie, das bloße Funktionieren im Notfall, als er einem kleinen Jungen nach einer Mandel-OP das Leben rettet, die Zartheit des Abschieds einer alten Frau von ihrem geliebten Ehemann und das Wunder der Geburt.
Ein HNO-Arzt erzählt Geschichten aus seinem Klinikalltag - und aus seiner Gefühlswelt.
Bücher rund um Patientengeschichten und den Medizineralltag sind in der Regel spannend. Henry Marsh, Frank Vertosick, Paul Kalanithi, Abraham Verghese, René Prêtre, ... - die Liste der Ärzte, die ihre Berufsgeschichten in Bücher verpackt haben, ist lang, und die Bücher sind fast allesamt lesenswert.
Auch die Patientengeschichten von Rainer Jund sind spannend - aber leider anstrengend (!) zu lesen. Der Schreibstil ist das große Problem, das ich mit diesem Buch habe. Es trieft vor Adjektiven und tragischen Vergleichen, kein Kapitel ohne Metapher, im Fokus sind im Buch nicht die Patienten, sondern das Gefühlsleben des Autors - was an sich kein Problem wäre, aber trotz seiner etwas "gewollt" wirkenden, poetischen Gefühlsschilderungen konnte ich beim Lesen keinen Draht zum Arzt aufbauen. Ich verstehe auch nicht so ganz, was das Buch mir sagen sollte; der Arzt wirkte in fast jedem Kapitel etwas unglücklich, wenn nicht gerade seine Norweger-Liebe aufgetaucht ist.
Summa summarum: Ich habe schon viele Bücher von Ärzten gelesen, und viele mochte ich lieber. Wem ein Schreibstil, der wie ein Tannenbaum ausgeschmückt ist, nichts ausmacht, wird vielleicht Gefallen an dem Buch finden. Die Sprache ist (leider) nicht so schlicht wie das Cover.
Irgendwas fehlt mir hier, um fünf Sterne zu geben, aber würde die Skala bis 10 gehen, wäre dieses Buch eine 9/10. Es sind Geschichten, die ein HNO-Arzt mit viel Mitgefühl aus seinem Alltag erzählt. Oftmals geht es um sehr schwer und unheilbar kranke Menschen, was stellenweise sehr schwer und traurig ist. Aber es sind echte, authentische Einblicke, die einen zum nachdenken bringen. Dieses Buch ist keine leichte Lektüre, die man schnell wegliest, aber eben etwas besonderes. Ein ehrlicher Einblick in einen spannenden Beruf, der mich auch teilweise dazu bewegt hat, selbst in diesem Feld zu arbeiten.
„Wenn Zeit eine lebensbedrohliche Größe wird, werden Sekunden zur Ewigkeit.“ - Rainer Jund bringt den Klinikalltag eines jungen Arztes gefühlvoll und ehrlich näher, kreiert dabei außergewöhnliche sprachliche Bilder und berührt. Stellenweise scheint das Buch für manche vielleicht überladen, auch entsteht keine wirkliche Handlung, kein Aufbau. Aber für mich beschreibt er das Leben, so wie es sich eben ergibt - in vielen Geschichten: mal traurig, mal hoffnungsvoll, mal still, und manchmal ganz laut.
Das Cover des Buches gefällt mir gut, es ist sehr schlicht und passt perfekt zur Thematik.
Der Schreibstil ist teilweise leider sehr anstrengend für mich gewesen. Ich lese aktuell am liebsten Sachbücher, deswegen fällt es mir schwer, mich auf lange, poetische Beschreibungen einzulassen, mich für literarische Stilmittel zu begeistern und so ein Buch voll und ganz zu genießen. Wenn man jedoch in der richtigen Stimmung dafür ist, macht das Lesen von "Tage in Weiß" durchaus sehr viel Spaß.
Aufgrund der eher unschönen (aber sehr realistischen) Beschreibungen von beispielsweise blutenden oder verwesenden Körpern, ist das Werk nicht für zart besaitete Leser geeignet. Wer sich blumige, schöne Umschreibungen wünscht und eher sensibel ist, der ist hier eindeutig falsch. Wer jedoch gerne Horror-Filme guckt und kein Problem damit hat, sich der Realität zu stellen, der wird sehr viel Spaß mit diesem Buch haben!
Tage in weiß ist kein Roman, wie man denken könnte. Es sind Schilderungen der Erfahrungen aus Fällen, die der Icherzähler als Hals-Nasen-Ohren-Arzt gemacht hat. Es sind größtenteils äußerst schwere Erkrankungen und auch wenn der Arzt empathisch mitfühlt, ist das in der Dichte und Masse schwer zu ertragen. Man benötigt als Leser Nerven. Man kann sich aber den Schicksalen der Patienten nicht entziehen. Vielleicht wäre das anders, wenn es mehr romanhaft verarbeitet worden wäre, aber das hätte dem Buch sicher auch die Intensität genommen.
Rainer Jund blendet auch nicht das Versagen von Ärzten aus. Das entzaubert die Götter in weiß. Glaubhaft auch die Momente, in denen der Erzähler darunter leidet, den Leidenden nicht helfen zu können. Doch damit muss ein Arzt irgendwie umgehen. Überraschenderweise lässt Rainer Jund sein Buch am Ende doch versöhnlich ausklingen.