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Das Ende eines ganz normalen Tages

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Nach dem Bestseller „Es klopft“ – mehrere Monate stand der Roman auf den Bestsellerlisten der Schweiz – legt Franz Hohler nun einen Band mit klugen, aberwitzigen, bewegenden und nachdenklich stimmenden Geschichten vor; Geschichten darüber, wie wenig es braucht, um den Alltag aus der Balance geraten zu lassen. In Franz Hohlers neuen Erzählungen werden wir zu Zeugen von alltäglichen schrecklichen, schönen, berührenden, aberwitzigen … Ein Mann kommt ausgerechnet in dem Augenblick ins Stolpern, in dem ihm auf der Straße eine junge, attraktive Frau begegnet. Ein anderer möchte am liebsten zu randalieren beginnen, wenn jemand in seiner Nähe laut mit dem Handy telefoniert, und zwei Jungen wollen den Weiher hinter ihrem Haus mit einer alten Ovomaltinebüchse leer schaufeln – doch wie die anderen Figuren in Hohlers Erzählungen müssen auch sie lernen, dass sich die Welt den Träumen und Plänen des Menschen nur allzu häufig widersetzt. In mancher Geschichte begegnen wir auch dem Autor selbst oder ihm nahe stehenden Menschen. So erzählt eine besonders berührende Geschichte von dem Bild seiner Schwiegermutter, das im Vorraum zu Hohlers Wohnung hängt. Hier stellt der Erzähler regelmäßig Blumen auf, und genauso regelmäßig fragt er sich, was eigentlich gewesen wäre, wenn diese Frau einen anderen Mann geheiratet hätte? Hätte dann sein Leben nicht einen ganz anderen, womöglich unglücklicheren Verlauf genommen? Franz Hohler hat ein überaus hintersinniges Buch darüber geschrieben, dass oft schon kleine Ereignisse genügen, um ein Leben ganz grundsätzlich aus der Bahn zu werfen und uns mit manchmal überraschenden Wahrheiten zu konfrontieren.

109 pages, Hardcover

First published January 1, 2008

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About the author

Franz Hohler

131 books36 followers
Hohler wuchs in Olten auf und besuchte die Kantonsschule Aarau bis zur Matura 1963. Dann begann er das Studium der Germanistik und Romanistik an der Universität Zürich. Während des Studiums führte er sein erstes Soloprogramm pizzicato auf (1965). Dessen Erfolg ermutigte ihn, das Studium abzubrechen und sich ganz der Kunst zu widmen. Sein Werk umfasst unter anderem Kabarettprogramme, Theaterstücke, Film- und Fernseh-Produktionen, Kinderbücher, Kurzgeschichten und Romane.
Er arbeitete immer wieder mit anderen Künstlern zusammen, beispielsweise auf der Bühne und am Fernsehen mit dem Pantomimen René Quellet, mit Hanns Dieter Hüsch oder als Autor und Produzent für Emil Steinberger.
Charakteristisch für Hohlers Werk ist der Wechsel zwischen politischem Engagement und reiner Fabulierlust. Oft geht er auch von feinen Alltagsbeobachtungen aus, die unversehens ins Absurde kippen. Hohler begleitet sich bei seinen Auftritten oft selbst auf dem Cello (Celloballaden). Am 8. Dezember 2011 trat er mit seinem Programm "Das Grosse Buch – Kindergeschichten für Erwachsene" an der 20. Jubiläumsausgabe des Arosa Humor-Festivals auf.
Er ist seit 1969 mit der Germanistin und Psychologin Ursula Nagel verheiratet und Vater von zwei Söhnen. Er wohnt in Zürich-Oerlikon.[1][2]
Hohler ist Präsident der Prix-Courage-Jury. Er ist Mitglied beim Verband Autorinnen und Autoren der Schweiz und bei International PEN.

Franz Hohler currently lives in Zurich.
He is the author of many one-man shows and satirical programs for television and radio.He wrote theater pieces, children's books, stories and novels, and is equally loved and feared for his sharp, witted and pointy humor.
In 2002 he received the Kassel Literary Prize for Grotesque Humor.
One of his most famous works is the "Totemügerli". A "Swiss-German" story based upon a fabulous creature using word- creations, which do not exist.

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Profile Image for Klaus Mattes.
857 reviews18 followers
May 17, 2026
Der Sechziger probiert noch mal durch, was er früher schon gemacht hat. Der Sechziger interessiert sich für seine Vorfahren. Der Sechziger muss leidvoll erkennen, er baut schon ab. Der Sechziger will weise sein, ein alter Buddha, Berichte über ganz normale, wirkliche, aber unwichtige Dinge, die keine Seite brauchen, sollen die ganze Welt, das ganze Leben umfassen. Nun ja.

Als es erschien, war der in Zürich lebende Franz Hohler schon 65, man merkt vielen Texten aber an, das sie ein paar Jahre vorher entstanden, eben wohl knapp vor und in den Jahren nach dem sechzigsten Geburtstag, 2003. So erschrickt er einmal über offenbar einsetzende Vergreisung am Fahrkartenautomat im deutschen Gaggenau, wo er einen Auftritt hat. Dort gibt es diese Automaten mit den riesigen Listen, denen man für jedes der alphabetisch geordneten Fahrziele einen dreistelligem Zahlencode entnehmen kann, den man eintippen muss. (Solche Automaten gibt es – gefühlt – schon ewig nicht mehr. Sie wurden durch Touch Screens ersetzt, auf denen man, je nach Sonneneinfall schlicht gar nichts mehr sieht, ob man alt oder jung ist. Aber halt, die verschwinden auch schon wieder. Immer mehr gelangt man zur Überzeugung, dass jeder sein Smartphone in der Tasche hätte, mit dem er solche Kleingeschäfte erledigt, die Belege werden nicht mehr gedruckt.) Hohler sucht Rastatt, was bestimmt in der Liste war, es liegt nur wenige Kilometer weit entfernt, ist deutlich größer als Gaggenau, die Kreisstadt. Aber da ist kein Rastatt! Er schaut drei Mal, spricht eine Frau an; sie findet Rastatt auch nicht. Zum Glück ist der Text so weit zurück in der Vergangenheit entstanden, dass drüben im Stationsgebäude noch einer arbeitet. Der sagt, natürlich ist Rastatt auf der Liste, es reicht auch, wenn man 340 eingibt. Ein Zeitung lesender Mann merkt auf, sagt, aber sicher, ist Rastatt drin, nein, sagt Hohler, ist es nicht, kommen Sie, ich zeig's Ihnen, sagt der Mann. Als sie auf dem anderen Bahnsteig sind, sieht Hohler das Wort „Rastatt“ sofort. Der Mann sagt, das kostet Sie als Schweizer jetzt eine Schokolade. Will das nur als Witz verstanden wissen, als Hohler im Gepäck kramt, ihm tatsächlich etwas aus Schweizer Schokolade schenkt.

Nun ja. Man muss nicht unbedingt die Ansicht auch hegen, dass solche „kleinen Sachen“ das Leben, die Welt, Werden und Vergehen des Menschen enthalten, folglich Literatur werden und bei uns bleiben müssten. Das gilt in diesem Büchlein beileibe nicht nur für diesen Text. Und er hat zusammen nur etwa 100 Seiten. Ehrlich: Ich hätte mich ein bissel am Beutel beschnitten gefühlt, hätte es mich nicht erst jetzt und zwar antiquarisch und als Bestandteil seiner mehr als 750 Seiten umfassenden Kurzprosa-Sammlung „Der Autostopper“ erreicht. (Wo es das Neuste ist, was drin ist.)

Das Buch ist, wie bei Hohler ja immer, „sehr sympathisch“, irgendwie schon nett, lesebuchfähig, dann leider oft auch eher läppisch, mit diesem didaktischen Appeal vom Gutmenschen-Beispielgeber.

Reiseberichte (bzw. Tagebuchseiten von Tourneen) aus der Mongolei, Israel, Indien, Kanada, von Besuchen bei Bürgerversammlungen („Landsgemeinden“) in der Schweiz. Und immer haben die Leute eine herrliche, tief bewegende, unbedingt schützenswerte Kultur, wenn sie ganz anders leben als reiche Europäer – und als Franz Hohler. Wo die Wildnis der menschenleeren Natur in Kanada an die Ränder eines Millionenstadt-Verdichtungsraums stößt, setzt der Wahnsinn ein. Wo die okkupierten und überwachten Palästinenser an die Israelis stoßen, toben sich Wahnsinn, Schikane, Rassismus und Überheblichkeit aus. In der Schweiz sind die Menschen anachronistisch und veränderungsunwillig. Sind sie das in der Mongolei, in Indien, in Palästina nicht auch, abgesehen davon, dass sie dort immer noch heroisch sind?

Hohler gibt sich gern bescheiden und persönlich, familiär. Aber ihn selbst wird man nie bei veränderungsunwilligen, moralisch fragwürdigen, paranoiden oder suchtkranken Handlungen treffen. Seine Sünden sind so: Eben hat er noch gedacht, dass jenes Fräulein ziemlich reizvoll wäre, da vertritt er sich den Fuß an der Bordsteinkante, droht hinzuschlagen, was nur verhindert wird, indem sie ihm beispringt, jetzt also beide wissen, dass er ein alter Mann ist. Aber ohne eine gewisse Portion Stolz auf sich als Person ist Hohler auch wieder nicht. Bei der Geschichte mit dem Fahrkartenautomaten verkneift er sich den Hinweis nicht, die 340, die ihm zugerufen worden war, hatte er am anderen Bahnsteig noch im Kopf.

Muss man so etwas lesen? Oder wird man sich langweilen? Ich stelle das dahin.

Ich bin auch über 60 und ich habe schon paar Sachen von diesem Hohler gelesen. Darum weiß ich, dass er seit vielen Jahren eine renovierte Almhütte am Steilhang hoch überm Maggia-Tal im Tessin besitzt, die man nur zu Fuß oder im Helikopter erreicht. Wenn er einen ganz normalen Herbsttag im Tessiner Bauernhaus nacherzählt, sich anfangs noch die Mühe macht, jenen Bichsel- oder Hebel-Ton anzuschlagen: „Ein Mann, nennen wir ihn Großvater ...“, „eine weißhaarige Frau, nennen wir sie Großmutter ...“, die kümmern sich um ein Mädchen, diskutieren mit ihr, ob Helikopter auch Flugzeuge sind, bauen ein Hotel für Zwerge zwischen die Wurzeln eines Esskastanienbaumes, überlegen sich abends, wenn es in der Stille ums Haus und auf den Schieferplatten des Dachs ploppt, ob es Geister oder böse Kerle sind, dann weiß einer wie ich, dass derselbe Hohler wiederholt schon, quer durch die letzten vier Jahrzehnte, den Lebensbedingungen des Vaters seines Vaters, der Mutter seiner Mutter, der Großmutter seiner Frau nachgeforscht hat. Und jetzt sind diese Jahrzehnte einfach so vorbei und sie sind weißhaarig und selbst Großeltern geworden. Er denkt, obwohl das nirgendwo steht, drüber nach, wie lange es geht, bis es vorbei ist mit ihm. (Man weiß als Stammleser allerdings, dass sein Vater zu dieser Zeit mit über 90 bei guter Gesundheit ist.) Wie wird es dann werden mit dem Mädchen, das wir Enkelin nennen, dem Haus, zu dem wir keinen Helikopter nehmen? Was ich hier sagen will: Ich kann verstehen, warum man ein ganzes Buch mit versteckt moralisierenden Nicht-Geschichten füllt. Sie sind doch schön, irgendwo schon. Aber ich verstehe zugleich jeden, der das nicht braucht.

Im von mir schon besprochenen Band „Spaziergänge“ erzählt Hohler von einem Abendspaziergang entlang des stadtseitigen Hangs des Zürichbergs. Dort stehen lauter prächtig gepflegte Einfamilienhäuser in schönen Gärten. Er vermerkt, als er aus seinem Oerlikon hinaufsteigt, genau, wer ihm zu Fuß begegnet. Er ist natürlich zu Fuß, Hohler geht entweder zu Fuß oder nimmt die Bahn, er ist ein grüner Moralist. Es sind nur ganz wenige, alles scheint menschenleer zu sein. Aber sie sind alle Ausländer und sie schleppen schwere Taschen aus einer der großen Handelsketten. Eine junge Schweizerin hat dem Autor das in GR angekreidet, dass es für ihn wohl eine Nachricht wäre, wenn ein Asiate allein durch eine ruhige Schweizer Straße geht. Aber sie hat ihn missverstanden. Die Nachricht, die Hohler verbreiten wollte, ist, dass die Leute, die oben in den schönen Häusern wohnen, weil sie gute Schweizer sind, entweder nicht mehr selbst einkaufen, sie haben Personal, oder aber sie nehmen den SUV.

Man kann „Das Ende eines ganz normalen Tags“ lesen und wird finden, dass er dasselbe Muster hier wenigstens noch zwei Mal anwendet, nein, drei Mal. Einmal gehen er und seine Frau abends den nicht eben langen Weg vom S-Bahn-Halt in Oerlikon bis zu ihrem Haus, dunkel ist es schon. Er notiert, welche Menschen sie sehen. Diese gehen mit Kindern spazieren, bringen Lebensmittel nach Hause, laufen als heftig diskutierendes Freundespaar vorbei, essen was Kleines – und sind auf Anhieb alle als Ausländer aus sämtlichen Kontinenten erkennbar. Hohler mag sich offensichtlich selbst dabei, wie er es so kommentarlos schreibt, man könnte es glatt für ein Argument gegen die „Überfremdung“ halten. Doch wäre dann noch die Geschichte, die ihm eine Frau erzählt hat, die alleine wandern ging und dann daran scheiterte, ein Feuer für ihre Grillwürste anzuzünden. Auf dem weiteren Weg fragt sie zweimal Leute, die in ihren Gartengrundstücken grillen, ob sie sich vorübergehend anschließen dürfe. Sie finden jeweils Gründe, wieso das nicht geht. Dann bittet sie Wanderer bei einer Grillhütte am Wald, auch die wollen sie nicht am Tisch haben, weil die Kinder sich vor ihren zwei Hunden fürchten. Die nächste Familie, die sie anspricht, ladet sie dann ein, die Männer übernehmen die Arbeit für sie. Sie geht noch ein Stück, kehrt schließlich um und und dieselbe Gruppe sitzt immer noch auf dem Grillplatz und winkt sie fröhlich rufend an den Tisch und gibt ihr noch mal was zu essen und zu trinken. Hohler: „Es muss ja nichts heißen, dass die, bei denen es nicht ging, Schweizer und die, bei denen es ging, Ausländer waren.“ Und noch eine Geschichte, in der die Mikronatur vor seiner Hausschwelle und in seiner Straße registriert wird. Unkraut, Pionierpflanzen, Schädlinge, Insekten, Raupen, Nagetiere. Da kommt Hohler zum Schluss, dass, wenn die Zivilisation des Betons und der Autos gescheitert sein wird, diese Sorte Leben Sieger sein wird. Er freut sich, als würde er selbst das noch erleben.

Spätestens da ist das dann grüner Kitsch geworden. Von einem, dem es nie wirklich schlechtgegangen ist. Irgendwer hat ihm seine Produkte immer abgekauft. Von irgendwas, das er irgendwie sich verdient hatte.

London 1

Ich bin bei einem Schweizer zu Gast, der mit einer Jamaikanerin verheiratet ist.
Es klingelt in ihrer Apartment-Wohnung, und der Kurier eines chinesischen Restaurants steht vor der Türe. Ein Irrtum – meine Gastgeber haben nichts bestellt, aber da sie gerade kochen wollten, werfen sie einen Blick auf die in Alu-Schachteln gebetteten Nudelgerichte, die zusammen mit Pommes-Frites und Coca-Cola geliefert werden und fragen den jungen Mann, ob es denn ein gutes chinesisches Restaurant sei. Dieser, ein Spanier, zuckt die Achseln und sagt, only English people go there.
Profile Image for Julia.
30 reviews
January 17, 2023
Eine schöne Sammlung an Kurzgeschichten, Erzählungen, Beschreibungen und Momenten des Lebens. Diverse Abschnitte und Sätze haben mir den Atem geraubt und mich sehr zum Nachdenken angeregt. Besonders gut gefallen hat mir die Erzählung zum „Herbsttag“.
Profile Image for Yvonne Leutwyler.
228 reviews
June 14, 2025
As always, highly enjoyable, sometimes slightly grotesque, always heartwarming short stories.
Profile Image for Peter.
618 reviews26 followers
August 14, 2016
26.02.2014 Nach Pamuk geht es in vertrautes Erzählgelände. Die kurzen Geschichten dieses Bandes sind im großen Erzählband aus dem Jahre 2013 nicht enthalten. Ich freue mich schon...
27.02.2014 Kurz aber intensiv gefreut. Manche Geschichte keine 20 Zeilen lang aber dicht und überraschend. Ich liebe die große Beobachtungsgabe Hohlers und seine pragmatische Art Sachverhalte zu schildern. Und dann schüttet und wirbelt er ganz zart überraschende Farben dazu - ein großartiger Erzähler. Meine Lieblingsgeschichten aus diesem Band sind: Der Fall, Ein Liederabend, Ich werde noch älter, 12.30 Uhr, Transkanada.
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