Ein junges Mädchen wird seit dem Seebrückenfest der Ostseegemeinde Graal- Müritz vermisst. Innerhalb von 48 Stunden, so das Ziel der Ermittler, sollte die Kleine gefunden werden. Doch es misslingt. Wurde sie ermordet?Kommissar Festerling und Polizeianwärterin Emma Baader nehmen die Spur auf und es beginnt eine verzweifelte Suche nach dem Kind. Sie blicken dabei zwangsläufig in menschliche Abgründe. Plötzlich findet man Leichenteile am Strand, die jedoch zu einem jungen Mann gehören ... Regina Hartmann versteht es blendend, in einem protokollartigen Schreibstil die belastende Ermittlungsarbeit der Kripo zu schildern und hat mit Graal-Müritz die perfekte Kulisse für einen OstseeKrimi gefunden.
Ich habe das Buch bei skoobe gesehen und ausgeliehen, weil es in Graal-Müritz spielt und ich letztes Jahr von Dierhagen aus eine Radtour bis zur Seebrücke Graal-Müritz gemacht hatte. Nach dem Anlesen bin ich auch direkt hängen geblieben. Dass ich den Roman nicht binnen eines Tages gelesen habe (was im Normalfall durchaus möglich ist), lag einerseits an der Arbeitsbelastung, aber auch am Thema: Wenn es im Krimi um Kinder geht, brauche ich regelmäßig etwas mehr Zeit.
Das Buch beginnt mit der polizeilichen Vermisstenmeldung die 10jährige Mareike betreffend, die in der Ferienzeit wieder bei den Großeltern in Graal-Müritz ist. Eher nüchtern und berichtend geht es mit den Ermittlungen der zuständigen Polizeibeamten weiter; mir sagte der Stil hier sehr zu. Allerdings passt er nach meinem Empfinden nicht mehr ganz so, wenn die Autorin sich mit dem Innenleben der Charaktere (insbesondere der beiden Polizeiangehörigen) befasst. Das führte zu dem Ergebnis, dass bei mir das Innenleben der Charaktere weniger emotionales Feedback und Interesse erzeugte als die Ermittlungen an sich.
In der Gesamtschau hat mir der Krimi trotzdem sehr gut gefallen, u.a. wohl weil die Ermittlungen den Schwerpunkt des Romans bilden und daher seinen überwiegenden Teil einnehmen. Ich mochte es, dass auch die wiederholenden Befragungen - je nach Ermittlungsstand - Eingang in den Krimi fanden, verschiedene "Wege" abgeklopft bzw. wiederholt überprüft wurden. Die detaillierteren Beschreibungen der Gegend fand ich weder zu ausführlich noch überflüssig. Wer den Ort kennt, weiß letzteres vielleicht sogar zu schätzen. Da die Ermittlung den Romankern bildet, ist die Falllösung verzögert, was keinen Kritikpunkt meinerseits darstellt (dieser Umstand ist schließlich dem Romanaufbau geschuldet); ich wollte es nur erwähnen. Ich jedenfalls habe den Krimi zufrieden "zugeklappt".