Die sieben erhaltenen Dramen des Tragikers Sophokles entstanden in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts v. Chr. Athen war damals von der Dynamik eines umfassenden geistigen Wandels geprägt. Die radikale Demokratie durchdrang alle Lebensbereiche und wurde vielfach als Bedrohung ueberkommener Werte, insbesondere im Bereich der Familie empfunden. In der Arbeit wird versucht zu zeigen, wie Sophokles die groáen Gestalten seiner Tragödien (Aias, Herakles, Antigone, Elektra, Ödipus und Philoktet) zu Vertretern einer älteren Weltsicht macht, die nicht mehr die zeitgemäáe ist, und wie er ihnen gleichwohl mit distanzierter Sympathie gegenuebersteht. Ein leitender Gedanke der Arbeit ist es, daá diese Charaktere in ihrer stolzen und trotzigen, éunmodernenæ Haltung fuer Sophokles gemäá dem bekannten Diktum des Aristoteles Menschen sind, äwie sie sein sollenô.