Entwicklungskooperation lebt vom Mitteltransfer aus den reichen Landern des Nordens in die armen Lander des Sudens. Richard Rottenburg seziert die Anatomie dieses Transfers auf der Grundlage umfangreichen ethnographischen Materials. Er konfrontiert uns mit der zentralen Aporie des offiziellen Entwicklungsdiskurses, die mit groem Aufwand unsichtbar gehalten wird: Um den Erfolg der Forderung berechenbar kontrollieren zu konnen, werden zusammen mit den Mitteln unvermeidbar Zwecke, Verfahren und Modelle transferiert, die in einen unauflosbaren Widerspruch zum politischen Ziel eigenverantwortlicher Entwicklung geraten. Beide Seiten der Kooperation suchen kommunikative Ubereinstimmung auf der Ebene objektivierungsfahiger technischer und organisatorischer Losungen, die uberall gelten sollen. Jenseits dieser 'weit hergeholten Fakten' versuchen sie ihre kulturelle Heterogenitat als politisch heikles Thema auszuklammern. Rottenburgs Studie zeigt, da dieses Losungsmuster zu einer selbstgeschaffenen Falle wird. Was gemeinhin als kleinster gemeinsamer Nenner einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit gilt, entpuppt sich als Hauptursache ihres Scheiterns.