This is the third edition of the successful introduction to the philosophy of mind. Revised to reflect the current standing of discussion, this book provides a systematic overview of contemporary debate in philosophy of mind. The various positions regarding the mind-body problem are presented with arguments for and against them in order to give the reader a short but comprehensive view of the subject.
"Philosophy of mind" samt ihren Hypothesen und Diskussionen, die vorrangig der analytischen Philosophie zugerechnet werden können, hat für Abstraktionisten wie mich einen Reiz, den man wahrscheinlich nur als masochistisch beschreiben kann: Die Fragestellungen, die dort aufgeworfen werden, und noch mehr die Diskussionen und Antworten (oder Antwortversuche) klingen alle so, als würde man mitdenken und -reden können - Gedanken und Beispiele werden auf "das Wesentliche" reduziert, die Sprache versucht sich in klaren Begriffen, inbesondere Zerlegungen und Definitionen, und eindeutigen Aussagen. Und doch entstehen Ergebnisse, bei denen man sich die Augen reibt: Emergenz im radikalen Sinn (unhintergehbares Entstehen von Phänomenen in Systemen), radikale Grundlagenerklärungen aus der gerade aktuellen Hype-Technologie (vormals war der "Geist" uhrartig, dann symbolische KI, dann konnektionistisch und virtual-realitig - nächstens dann doch quantig?), radikale Physikinterpretationen (aus dem Problem der physischen Realisierung von Empfindungen auf potentiell andere Werte von Naturkonstanten schließen). Aus der Lust am Mitdenken wird dort ganz schnell Schmerz, aber im Schmerz bleibt die Lust weiterhin vorhanden.
Es schmerzt aber doch so, dass man sich einen Philosotherapeuten sucht: Der den Schmerz vielleicht dort lindern kann, wo er unproduktiv ist; und aus ihm in Anspannung und Aktion machen kann, wo die Lust größer ist. Beckermanns Buch – das mehr oder weniger zufällig aus einer Bibliothek ausgeliehen herumlag – schien mir ein solches philosotherapeutisches Versprechen, daher hab ich es mir zum Geburtstag gewünscht - und dann wegen echter Rückenschmerzen monatelang vergessen. Aber jetzt hab ich es durchgelesen.
Wobei es, als ein Lehrbuch der Nomenklatur, Personen und Argumente, durchgearbeitet und prüfungsreif gelernt gehört: Das werde ich versuchen - wie, verspreche ich (mir) am Ende. Vorerst einmal habe ich die 460 Textseiten (plus drei Vorworte und ein erklärendes Glossar) von vorne bis hinten gelesen, wobei um Dennett herum (S.330) mir doch etwas die Luft ausgegangen. Einzelne Schmerzen habe ich durch Bleistiftanmerkungen erleichtert, mehr als ein lokales Mitdenken war mir noch nicht möglich.
Das Buch ist ein Gebietsüberblick, zum ersten Mal 1998 erschienen, da hatte es vermutlich noch einen durchgehenden, nahezu zeitlichen roten Faden, der aber auch die Hypothesen und ihre Probleme logisch gebündelt erklärte. In meiner dritten Auflage von 2008 scheinen mir die letzten Kapitel, so etwa ab S.350, nicht mehr so wohlsortiert zu sein, und die Verknüpfungen nach vorne sind (mir) unklarer. Das ist aber höchstens ein Anlass, sie noch einmal etwas konzentrierter zu lesen und mit Bleistift die Beziehungen, die einem dabei hoffentlich aufgehen, zu ergänzen.
Bevor ich mich dem Inhalt widme, muss ich ein erstes Lob loswerden: Ich empfinde den Erklärungsstil des ganzen Buches als deutlich "anregend", linear lesbar, "mitdenkbar", aber dennoch kompakter als "erzählend" oder gar "ausschweifend", definitiv nicht "chaotisch", aber andererseits auch nicht zu "dicht" (mit Ausnahme einiger Strecken der letzten beiden Kapitel, die man mit einem Notizblock lesen sollte, um sich komplexere Zusammenhänge selbst zu veranscheulichen). Allerdings kann ich übliche mathematische Formeln leicht lesen und kenne z.B. die Konzepte von Turingmaschinen, von modaler Logik oder auch des Konnektionismus. Manche Erklärungen sind daher für mich etwas länglich – etwa die Beschreibung von Turingmaschinen ab S.156 –, andererseits sind die womöglich weitreichenden Konsequenzen dieser Konzepte in diesem Rahmen nicht darstellbar: Aber das kann kaum anders sein. Ich finde die Darstellungstiefe dort, wo ich mich auskenne, jedenfalls gut gewählt, sodass das wohl für das ganze Buch gilt.
Zum Inhalt: 50 Seiten werden dem Dualismus gewidmet, der ziemlich grundlegend vernichtet wird, dann geht es auf 200 Seiten um Physikalismus, Identitätstheorie, Funktionalismus, ein wenig um Token-Identität und dann grundlegend um Supervenienz. Das ist definitiv der zentrale Teil der Darstellung. Physikalismus und dann Identitätstheorie werden mit dem irren Argument Kripkes, das auf starren Bezeichnern beruht, und dem offensichtlichen Fodors mit der Multirealisierung um die Ecke gebracht, beim Funktionalismus wird es aber verworren: Die uralten Sichten, dass es "exakte Definitionen" geben müsse, damit eine Theorie akzeptabel sei, und dass formale Ableitungen modaler Logiken relevante Erkenntnisse beitragen können, machen sich breit, ohne dass ihre zweifelhaften Ansprüche untersucht werden (ok: meiner Meinung nach zweifelhaften Ansprüche). Einen schnellen Tod stirbt danach Davidsons "Anomaler Monismus" (v.a., weil er eigentlich doch nichts erklärt) - wobei ich an dieser Stelle einflechten will, dass der "schnelle Tod" gute 20 Seiten lang ist: Umfang der Darstellung von Hypothese wie auch der Gegenargumente nimmt also einen gebührenden Raum und Text ein.
Der nächste Abschnitt wird dann hakelig: Überschrieben ist er mit "Supervenienz und reduktive Erklärbarkeit" – darin geht es auch um "mögliche Welten", Emergenz – in einem ziemlich radikalen Sinn –, bestimmte Vorstellungen davon, wie Physik funktioniert, und alltagssprachliche(?) Erwartungen an die Bedeutungen von Worten. Das Ergebnis ist einerseits unbefriedigend, weil der Text immer wieder um dieselben Erklärungsversuche (ich bin mir nicht sicher, ob ich "Argumente" schreiben will) kreist: Aber andererseits ist das vielleicht eine elegante Art zu erklären, dass hier einiges nicht zusammenpasst, anfechtbar ist, etwas im Busch ist: Jedenfalls ein Abschnitt, den ich separat, für mich, zusammenfassen muss.
Der "Eliminative Materialismus" der Churchlands wird wieder niedergeprügelt, nicht so sehr von Beckermann, sondern den Philosophen: Beckermann beschreibt das nur. Soviel ich es verstanden habe, ist der Eliminative Materialismus tatsächlich eine negative Theorie: "Ausgehend von der Alltagspsychologie kann man das alles nicht erklären." Was stattdessen aber erklären soll, wird nur vage in einer zukünftigen Neurobiologie gesehen – das könnte man wirklich schwer als erklärende Theorie durchgehen lassen. Interessant sind allerdings eine ganze Reihe der offenbar teilweise nahezu emotionalen Argumente, die dagegen vorgebracht wurden: Sie scheinen mir im Wesentlichen die Verwendung bisheriger Denkmodelle, Begriffe, Herangehensweisen der "philosophy of mind" als sakrosankt erklären zu wollen – darunter nicht zuletzt den Begriff und das Konzept der "Intention". Fodor beschwört eine "intellektuelle Katastrophe" (S.277) herauf, und Beckermann selbst formuliert als eine Konsequenz: "Unserer Praxis des Lobens und Tadelns, des Verurteilens und Bestrafens würde der Boden entzogen." (S.278) Das Problem mit solchen Argumenten ist ganz offensichtlich, dass sie dem Muster "dass nicht sein kann, was nicht sein darf" aus Morgensterns "Unmöglicher Tatsache" folgen – auch wenn sie sich nicht darauf reduzieren lassen. Auch hier: Da ist mehr dran, als es auf den ersten Blick scheint.
Ab Kapitel 10 geht es, wieder, um Physikalisches: Nämlich wie mentale Zustände – deren Existenz weiterhin als gegeben angenommen wird – physisch realisiert werden können. Den Beginn macht, etwas langwierig, Fodors (symbolisch-)Repräsentationale Theorie: Eine historisch verständliche, aber hoffentlich von niemandem mehr ernst genommene (sage ich – und müsste das argumentieren; als Informatiker erspare ich mir das) Anwendung der "Algorithmen und Datenstrukturen"-Sicht der klassischen Informatik auf das Problem der mentalen Zustände. Dem Konnektionismus als repäsentable, aber auch nicht wirklich etwas erklärende Gegenposition wird viel kürzerer Platz eingeräumt. Dennetts intentionale Systeme kommen als nächstes dran, mit ihren drei Ebenen "physical stance", "functional stance" und "intentional stance". Am Beispiel eines Schachcomputers erklärt Dennett, dass man mit der physikalischen Einstellung (oder Haltung, wie ich eher übersetzt hätte) und mit der funktionalen nicht weit kommt und deshalb die intentionale dafür alleine sinnvoll ist: Wir müssen einem solchen System also Intentionen, und damit Wünsche und einiges mehr, zuschreiben. Ich finde das eine hilflose Theorie, die die Möglichkeiten geschichteter funktionaler Erklärungen bei weitem unterschätzt (vor allem auch in den Beispielen, die sie dafür angibt: Alle in der Nähe der untersten Programmierungsabstraktionen) und vor allem in die "Falle der Handvoll" geht: Man postuliert eine Einteilung in eine kleine Anzahl von Segmenten (drei wird überproportional bevorzugt) und stirbt dann beliebig viele Tode, weil diese Segmentierung offensichtlich zusammenbricht.
Zwei Kapitel noch: "Die Naturalisierung des Inhalts mentaler Repräsentationen" und "Bewusstsein und phänomenale Zustände". "Naturalisierung" ist ein für mich eher unglücklicher Fachbegriff (ich weiß aber keinen besseren), der etwa die "Zuschreibung eines Inhalts an eine physische Realisierung" bedeutet. Drei Theorien – von Dretske, Millikan und Papineau sowie von Fodor – werden hier erwähnt. Sie leisten sich wagemutige Abstraktionen, dann aber umgekehrt strikte Segmentierung von Inhalten und auch "Vorkommnissen" – und laufen damit in beliebige Mengen von Problemen. Warum man heutzutage ein Anhänger slot-basierter Informationsstrukturen sein muss, wird mir immer rätselhafter. Dasselbe Kapitel enthält auch Putnams und Burges Anti-Individualismus, eine etwas unerwartete Umschreibung dafür, dass Bedeutung von der "Sprachgemeinschaft" abhänge: Denn gleiche Worte könnten sich in verschiedenen Gruppen auf verschiedene Gegenstände beziehen. (Nur) wegen sprachphilosophischer Festschreibungen in Bezug auf Sinn (Intension) und Referenz (Extension) wird Bedeutung von einem Referenz-Phänomen zu einem funktionalen Phänomen, wobei die Funktionsparameter von außen kommen (deshalb "anti-individuell"). Wer sich einmal durch Montague gequält hat, sollte mit einer solchen Abstraktion nicht wirklich ein Problem haben. Die Erklärungen von Burge und eine andere von Fodor wollen aber unbedingt "individualistisch" bleiben. Da scheint mir ein grundlegendes Problem mit dem körperlich begrenzten Individuum, aber auch der "community" von Individuen – nicht nur beim Menschen – dahinterzustehen, das in diesem Buch (und dieser Disziplin?) nur in ein paar vagen Halbsätzen erwähnt wird: ein offensichtlich zentraler Punkt, der bei der Diskussion von "mind" zu klären wäre. Ist aber nicht, hier zumindest.
Der letzte Abschnitt behandelt die Frage "Wie erlebe ich (bewusst) Empfindungen?" Die Antworten hier bedienen sich einer Mischung aus "offensichtlichem Wissen" - z.B., dass ich Schmerz anders erlebe als reines Wissen -, wiederum (zu?) scharfer Segmentierungen von Begriffen, naiver (zumindest vor-wittgensteinischer) Sichten auf Sprache, schließlich einer extensiven Auslegung "möglicher Welten" und einem – so scheint es mir – cherry-picking neurobiologischer Erkenntnisse. Wie verschiedene Autoren daraus jeweilige Antwortsysteme zusammenbauen, beschreibe ich nicht mehr – und muss mir ernsthaft vornehmen, auch mit meiner teils kritischen Einstellung zu manchem Vorgehen das noch einmal zu verstehen versuchen.
460 Seiten habe ich hier inhaltlich brachial zusammenkomprimiert. Ich hoffe, dass neben, aber vielleicht auch durch leichten Zynismus meinerseits – den ich natürlich ausschließlich auf mein fehlendes Verständnis zurückführe – klar geworden ist: Diese Einführung ist es auf jeden Fall wert, durchgeackert zu werden. Ich merke allerdings, dass ich skeptisch bin: Wieviel der Darstellung habe ich verstanden, wieviel um-interpretiert; und natürlich: Wieviel hat Beckermann verstanden, wieviel aber dennoch auch um-interpretiert?
Zufällig ist mir, beim Aufräumen größerer schwankender Bücherstöße, ein anderes Buch in die Hände gefallen: Philosophy of Mind: An Overview for Cognitive Science, von William Bechtel aus dem Jahr 1988. 10 bis 20 Jahre älter als Beckermann, beginnt er klassisch mit einem 20-Seiten-Kapitel über "Philosophical Analyses of Language". Doch dann kommt auch er zur Sache: "The Problem of Intentionality", später dann "The Mind-Body-Problem: Dualism ..." und "The Mind-Body-Problem: Versions of Materialism", mit Type Identity, Eliminative Materialism, Token Identity, und zuletzt dann "Functionalism". Die Reihenfolge ist anders, die Aktualität endet natürlich viel früher – aber mit etwas Glück lese ich aus beiden Büchern dort, wo sie sich überlappen, dasselbe heraus. Dieser Selbstversuch ist also einzuplanen, nächstens.
Ein "Erlebnis" muss ich allerdings doch erzählen: Auf S.153 steht ganz oben "Mentale Zustände können ... auf die unterschiedlichste Weise realisiert sein.", mit einer Fußnote 12, die lautet: "Dies impliziert im Übrigen auch, dass derselbe physische Zustand ... ganz unterschiedliche mentale Zustände realisieren kann." Der erste Satz sagt also: Es gibt eine :n-Zuordnung von M nach P, denn ein- und derselbe Zustand aus M kann durch Unterschiedliches aus P realisiert sein. Die Fußnote andererseits sagt, dass es eine :n-Zuordnung von P nach M gibt, denn ein- und derselbe physische Zustand aus P kann verschiedene Zustände aus M realisieren. Die zwei Aussagen betreffen also verschiedene Richtungen der Zuordnung, und damit sind sie logisch unabhängig (es gibt 1:n und m:n-Assoziationen; aus dem Wissen über das :n kann nicht auf das 1: oder m: geschlossen werden). Damit ist der Beginn der Fußnote "Dies impliziert ..." einfach nur falsch. Vielleicht mache ich hier aus einer Mücke einen Elefanten ... aber ich habe so ein ungutes Gefühl, dass dies ein nicht untypisches Beispiel für den Umgang von Philosophen mit abstrakten Konzepten ist: Im Großen und Ganzen hält man sich an die übliche Bedeutung; aber wenn es einem in den Kram passt, dann ersetzt man auch mal schnell ein Detail durch sein Gegenteil: Damit stürzen aber Argumentationen in sich zusammen, die doch so sorgfältig aufgebaut sein sollen. Ich würde nichts sagen, wenn das im laufenden Text passiert wäre – aber eine eigene Fußnote dafür schaut sehr danach aus, dass der Autor uns da etwas (manchmal) Relevantes und eben Zusätzliches erklären will ... und dann ist es falsch. Ich habe manchmal doch den Verdacht, dass diese analytische Philosophie ein großes Hobby ist, wo man dann, wie's in der Tante Jolesch steht (glaube ich), mit "Schwung den Läufer über das ganze Spielfeld zieht, dadurch plötzlich zwei weiße Läufer hat und der geschockte Gegner zur Gegenwehr unfähig das Spiel verliert" (aus der Erinnerung von vor langen Jahren notiert ... vielleicht finde ich den wirklichen Text irgendwann).