Im Fruhjahr 1940, kurz vor Beginn der Westoffensive der deutschen Wehrmacht, rief der Rektor der Universität Kiel, der Jurist Paul Ritterbusch, im Auftrag des Reichsministeriums fur Erziehung, Wissenschaft und Volksbildung (REM) alle deutschen Geisteswissenschaftler auf, sich an dem 'Gemeinschaftswerk' zu beteiligen, das schon bald auch als 'Kriegseinsatz' bzw. 'Aktion Ritterbusch' bezeichnet wurde. Dieser 'Kriegseinsatz' sollte von der Überlegenheit der deutschen Geisteswissenschaften im Nationalsozialismus Zeugnis ablegen und einen kriegsentscheidenden Beitrag im ideologischen Kampf gegen die Westmächte leisten. Die vorliegende Untersuchung rekonstruiert erstmals anhand von Archivmaterial, Briefnachlässen, Zeitzeugenbefragungen, Publikationen und Rezensionen diesen größten 'Kriegseinsatz' der Geisteswissenschaften im NS-Staat, der von anderen, mit dem REM konkurrierenden Parteiorganisationen imitiert wurde. Zahlreiche Teilnehmer kommen brieflich zu Wort; alle 67 erschienenen Buchpublikationen aus zwölf Disziplinen (Altertumswissenschaften, Anglistik, Geographie, Geschichte, Germanistik, Kunstgeschichte, Orientalistik, Philosophie, Romanistik, Staatsrecht, Völkerrecht, Zivilrecht) werden kritisch vorgestellt und fachgeschichtlich verortet, die Pläne der übrigen Fächer, die die Ergebnisse ihrer Tagungen nicht mehr veröffentlichen konnten (Musikwissenschaft, Psychologie, Völkerkunde, Publizistik) werden ebenfalls vorgestellt. So entsteht erstmals eine fachübergreifende Geschichte der Geisteswissenschaften im Dritten Reich .