Von drei russischen Torpedos getroffen, sank am 30. Januar 1945 das mit Flüchtlingen überladene ehemalige KdF-Schiff "Wilhelm Gustloff" in stürmischer Winternacht bei 18 Grad unter Null in der Ostsee. 9343 Menschen, darunter 3000 Kinder, fanden dabei den Tod. Nur 1252 überlebten die Katastrophennacht. Aus persönlichem Erleben heraus schildert der Autor den Verzweiflungskampf der 10000 Schiffbrüchigen um das nackte Leben und die Rettungsbemühungen deutscher Seeleute. Eine einmalige Materialsammlung liegt diesem fesselnden und zugleich so bedrückenden Dokument zur Zeitgeschichte zugrunde. (Verlagsangabe)
Das sehr detaillierte Buch des Überlebenden Heinz Schön hat mich sehr betroffen gemacht, denn im Nachlass meines Vaters (gestorben am 8.12.2002 im Alter von 81 Jahren) fand ich seine bedrückende, autobiographische Notiz über das GUSTLOFF-Unglück (er war damals als Exerziermeister für die U-Boot-Bewaffnung und in SWINEMÜNDE stationiert):
.....Von Wally bekam ich die Nachricht, dass sie mit Kind auf die Gustloff kam. Der Russe stand bald vor Danzig. Zig Flüchtlinge trafen am Ufer ein, um mit einem Schiff rauszukommen. Wally kannte ja unser Lager im Wald, wußte aber nicht, was sich hier tat. Jedenfalls besorgte ich in der Stadt ein Zimmer, wo Wally und Klaus (ca. 5 Wochen alt) Unterkunft hatte. Ich besorgte noch Heizmittel und Essen, damit es auch so an nichts fehlte. Wir luden Flüchtlinge aus Zügen vom Osten aus, wo auch manches Kind totgetrampelt oder sonst ums Leben kam. Es wirkte wohl auf mich. Meine Familie kam ja mit der Gustloff raus. Aber dann: die Gustloff war in der Danziger Bucht torpediert worden und Tausende kamen dabei ums Leben. Wir betreuten weiter die Mengen von Flüchtlingen. Nach ein paar Tagen kamen unsere Leute und meinten: "Meine Familie war doch auch auf der Gustloff!" Sie hätten ein paar Gerettete hier ins Lager bekommen. Ich ging hin und sprach mit ihnen. Aber sie konnten mir das Grauen über ihre ertrunkenen Eltern so nicht erzählen. Auch dass viele Menschen mit dem Schiff untergingen. Es war ja nicht viel Hilfe mit Booten da. Nun hoffte ich, dass ich auch von Wally etwas erfuhr. Von dem vielen Leid und Elend, das wir auch von den vorbeiziehenden Menschen erkannten und sahen. Oft waren auch meine Sorgen vergessen. So ca. 10 Tage nach dem Untergang der Gustloff machte ich mich auf den Weg, um das reservierte Zimmer abzubestellen. Ich lief auf der rechten Seite in Richtung Stadt. Auf der anderen Seite fuhr eine Frau mit Kinderwagen. Ich machte mir keine Gedanken darüber, was die wohl vorhatte. Ich sah sie nicht an. Aber die fragte mich: "Papa, kennst Du mich nicht?" Wirklich, meine Frau stand mit Kinderwagen vor mir! Na, sagen konnte ich wohl nichts, denn eine Kiste voll Sorgen fiel mir vor die Füsse. Wir gingen zu dem jetzt nötigen Zimmer. Ein Boot-Mutterschiff hatte Frauen und Kinder noch aus Danzig geholt. Alle Gäste sollten nach Dänemark - dort interniert und verpflegt werden. Meine Frau aber konnte den Kapitän so belabern, dass er sie nach Swinemünde brachte und von Bord zu ihrem Mann gehen ließ. Da Swinemünde bald ausgehungert war, mußte meine Frau auf dem zuständigen Amt um Lebensmittelkarten bitten und wegen Wohnzeit fragen. Freudestrahlend erzählte sie mir, sie dürfe 2 Tage bleiben - dann müsse sie aber weiterziehen. Nach zwei Tagen setzte ich sie in einen Zug in Richtung Süddeutschland...."
Mit dem Schnellboot-Begleitschiff TANGA kam meine Mutter mit mir (2,5 Monate alt) 10 Tage nach der Gustloff-Katastrophe wohlbehalten von Danzig-Gotenhafen in Swinemünde an.
Mein ausführlicher Bericht mit dem Titel: "Swinemünde - eine Etappe unserer Flucht aus Danzig" findet sich in meinem Buch "Ein Leben voller Abenteuer (Reisen meiner Jugend)" https://www.amazon.de/dp/B00H85FKPA