Mit "Gesprächsbüchern", langen durchkomponierten Interviews also, ist es oft so eine Sache. Nicht selten sind sie ein verlegerischer Kunstgriff, um von einen Prominenten, dessen Namen eine anständige Auflage verspricht, der aber nicht sonderlich gut schreiben kann und/oder gar nicht will (sich um Gottes willen aber auch keinem Ghostwriter anvertrauen würde), doch noch ein Buch zu bekommen. Im vorliegenden Fall liegen die Dinge anders! Dass Richard von Weizsäcker schreiben kann, dass er seinen Gedanken klare Struktur zu geben und sie in wohl gesetzte Worte zu fassen vermag, hat er oft genug bewiesen. Und tatsächlich merkt man bei der Lektüre von Was für eine Welt wollen wir?, das im Gespräch mit dem Zeit-Reporter Jan Roß entstanden ist, sehr schnell, dass es sich hier keineswegs um eine Verlegenheitslösung handelt. Roß beginnt mit einer kleinen Erörterung über die titelgebende Frage, die zu stellen doch nur sinnvoll sei, wenn wir auf unser Schicksal auch wirklich Einfluss hätten. Seien aber "nicht die entscheidenden Entwicklungen unserer Zeit, wie Globalisierung und technologischer Fortschritt, schicksalhaft?" --"Schicksalhaft?" fragt der Altbundespräsident zurück und gibt sich auf seine Gegenfrage auch gleich selbst die passende Antwort: "Fatalistisch sollten wir nicht sein. Überheblich dürfen wir nicht werden. Als Menschen wollen wir imZeichen der Freiheit leben. Es ist schwer, sie zu erringen, sie zu bewahren, in ihr zu bestehen." Das klingt, zugegeben, schon recht "staatstragend". Doch in der Sache wird mit guten Gründen kaum widersprechen. Denn dies käme tatsächlich der völligen Selbstaufgabe gleich. Und dazu haben, wie Weizsäcker im weiteren Verlauf deutlich macht, weder Anlass noch das Recht!