Richard Leimer ist eines Tages nicht mehr aufzufinden. Vor Jahren ist er mit seinem Geschäft pleite gegangen und seine Ehe gleicht einem Trümmerfeld. Seine Frau, die ihn als vermisst meldet, verdächtigt ihn, eine Menge Schwarzgeld beiseite geschafft zu haben. Wollte da ein Mann einfach nur abtauchen aus seinem alten Leben? Oder wollte ihn jemand verschwinden lassen? Friedrich Ani lässt den großen Schweiger unter den Kommissaren in der deutschsprachigen Kriminalliteratur, Tabor Süden, hier noch einmal auf Spurensuche gehen.
Friedrich Ani, 1959 in Kochel am See geboren, lebt heute als freier Schriftsteller und Drehbuchautor in München. Neben Kriminalromanen schreibt er Lyrik, Erzählungen, Jugendromane und Drehbücher. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen u. a. den Tukan-Preis und dreimal den Deutschen Krimipreis.
Zunächst einmal sei bemerkt, dass "Der verschwundene Gast" wie alle in der Kaliber.64-Reihe erschienenen Bücher eben genau 64 Seiten zählt. Ein Roman ist hier also nicht zu erwarten, vielmehr eine Tabor Süden-Kurzgeschichte. Die ist dem Autor meiner Meinung nach aber sehr gut gelungen – Ani spielt mit mehreren Handlungsfäden, von denen er die meisten ob der gebotenen Kürze natürlich schnell wieder loslässt. Trotzdem kommen die Hauptfiguren durchaus glaubwürdig rüber und auch der übliche Süden-Blues darf nicht fehlen. Mich würde das Buch neugierig machen auf die anderen Süden-Romane – wenn ich sie noch nicht kennen würde. Münchner finden sich in den genauen örtlichen Schilderungen natürlich besonders wieder. Eine größere Szene spielt zum Beispiel in dem Schwabinger Wirtshaus, in dem ich öfter meine Mittagspause verbringe. Fazit: Kurz und gut!