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Das Zimmermädchen

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Man stelle sich das Wörtchen "putzmunter" einmal bildlich vor, zum Beispiel als Mensch. Ein fleißiges Zimmermädchen, aufgeweckt und erlebnishungrig, ein bisschen naiv vielleicht, aber was heißt das schon mit 19 Jahren auf dem "ersten alleinigen Ausflug in die Welt"? Et voilà: Carla. Für eine Saison und ein besseres Taschengeld arbeitet sie als Zimmermädchen auf der Frieseninsel Langeoog. Es ist die Zeit, als man noch Fräulein sagte. Wir sind in Deutschlands Norden, wo man mit spitzen Mündern spricht. Eine wie Silke Sörensen, die "wie aus einem alten Gemälde gefallen" der Friesenpension "Zum Deichgrafen" vorsteht, duldet keine Schlamperei.Aber Carla ist tadellos. Was bei ihren Kolleginnen natürlich nicht so gut ankommt. Und auch die strenge Chefin wird immer unerbittlicher, je gründlicher Carla putzt und wienert. Nichts Ungewöhnliches also. Eigentlich ist an und in der Pension, dieser "glücksgespaltenen Fräuleinsammlung", gar nichts ungewöhnlich, es ist das Grab jeder Jugend. Backfisch-Tristesse. Stöckelschuhe mit Riemchen, Maiglöckchenduft, Vanilletabakstengel. Da kommt es ganz recht, dass eine Gruppe von Ärzten einzieht, die sich zum jährlichen Kongress auf der Insel treffen.Das Zimmermädchen, eine Arzt-Novelle? Wenn man so will, ja. Oder ein Heimatfilm aus vergangenen Tagen, der an einem beliebigen Sonntagnachmittag im Öffentlich-Rechtlichen läuft. Es geht um die banale Welt der kleinen Dinge, Arbeit, Fiesheiten, Träume, Schäume etc. Annegret Held hätte den Alltag irgendeines Dienstmädchens auf der Welt beschreiben können. Die Handlung ist austauschbar und geht gegen null. Warum um Himmels willen will man dieses Buch trotzdem zu Ende lesen?Weil Annegret Held ihre einfache Geschichte hinreißend erzählt. Kein intellektueller Wulst, kein abgedrehter Plot, keine exaltierte Erzählkonstruktion. Ihr Stil ist klar, keineswegs unterkühlt, die Dialoge frech und, wie Carla sagen würde, "hemmungslos" modern. Vor allem aber kann Annegret Held mit Worten plastische Dekors und Stimmungen herstellen. Die Langeweile, die Sittlichkeit, die Steifheit in der Meeresbrise am Nordseebad, im Kopfkissen-Knick und in der Tischdecke ist greifbar. Oder die Albernheit, wenn sich die Zimmermädchen am Moorgeist betrinken und nachts verbotenerweise einem Doktor ins Zimmer spannen, um endlich zu erfahren, warum dessen Bett morgens immer nach einer "schweren, arabischen Nacht" aussieht.Die Höhepunkte von Das Zimmermädchen verbindet Annegret Held mit skurrilen Sprachbildern und Vergleichen, klitzekleine Leckerbissen, die dieses Buch unter anderem so lesenswert machen. Was passiert, nachdem sich Carla aus den "leichenweichen Händen und Friedhofsarmen" des Sudel-Doktors befreit hat? Willkommen im "Deichgrafen". Da hinten steht der Ohrensessel, lesen Sie selbst! --Nikolaus Stemmer

Paperback

First published January 1, 2003

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Annegret Held

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September 4, 2015
Carla, 19 Jahre jung, ist das erste Mal in ihrem Leben weg von Zuhause, weit oben im Norden auf der Insel Langeoog, wo sie einen Sommer lang als Zimmermädchen arbeitet. Von diesem Sommer erzählt das Buch bzw. Carla - nicht mehr und auch nicht weniger. Nicht dass irgendetwas Aufregendes oder Spannendes geschieht: Alles Geschehene lässt sich wohl in maximal zwei, drei Sätzen zusammenfassen. Und darüber dann ein ganzes Buch lesen? Lohnt sich das überhaupt?
Oh ja, es lohnt sich wohl. Denn Annegret Held, die Autorin, lässt Carla so überzeugend von ihrem Aufenthalt erzählen, dass man mit ihr lebt und fühlt, als wäre man selbst wieder 19 Jahre jung (zumindest mir ist es zeitweise so ergangen ;-)). Einerseits frech und übermütig, dann wieder verunsichert und ängstlich, ganz wie ein kleines Mädchen. Wie sie voller Unbefangenheit die ankommenden Ärzte des Kongresses auf der Insel taxiert und für belanglos und uninteressant einordnet bis auf den einen, der ihr mit seinen 35 Jahren aber uralt vorkommt ;-) Wie sie mit ihren Kolleginnen einen über den Durst trinkt und sich ihre vornehm-steife, zarte Chefin, das Fräulein Sörensen darüber aufregt ohne jedoch ein Wort zu sagen. Wie sie sich voller Hingabe ihrer Aufgabe widmet, denn diese ist 'doch ihre Eintrittskarte ins Leben', die sich nun verdienen will. Das ist so großartig, dass ich einfach immer weiter lesen wollte. Helds bzw. Claras Schilderungen sind wundervoll klar und deutlich in einer famosen bildhaften Sprache, nehmen kein Blatt vor den Mund und verletzen doch nie das was sie beschreiben.
Wer sich beim Lesen eine stets fortschreitende Handlung erwünscht, eine Entwicklung, vielleicht mit Spannung oder Action, wird an diesem Buch keine große Freude haben. Der Rest aber (so wie ich) dürfte mit Clara einen wirklich schönen und unterhaltsamen Sommer auf Langeoog verleben ;-)
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