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Glück - Glanz - Ruhm. Erzählung - Betrachtung - Bericht

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Paperback

First published January 1, 1983

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Robert Gernhardt

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Robert Johann Arthur Gernhardt war ein deutscher Schriftsteller, Dichter, Zeichner und Maler.

Im Dezember 2008 stiftete die Landesbank Hessen-Thüringen im Andenken an Robert Gernhardt den beim Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst angesiedelten Robert-Gernhardt-Förderpreis (heute: Robert-Gernhardt-Preis). Er wird seit 2009 jährlich an je zwei hessische Autoren vergeben, um sie darin zu unterstützen, ein besonderes literarisches Projekt zu verwirklichen.

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Profile Image for Klaus Mattes.
828 reviews16 followers
October 17, 2025
Doch, das sind seine besten Jahre gewesen: die 1980-er Jahre des Frankfurter Humorlyrikers und Satirikers Robert Gernhardt, den allerdings die honorige Bedeutendes-Buch-Öffentlichkeit erst in den Neunzigern in ihre Arme geschlossen und - für seine zerredete Alterslyrik – zu einem würdigen Nachfahren von Heine, Tucholsky, Kästner, Brecht ernannt hat. Damals, als er sich offenkundig recht wohl befand als einer der Miteigner des Spaßblatts „Titanic“, als seine erste Frau noch lebte, die Malerin war und - wie seine zweite Frau - Almut hieß.

Ein Fall für sich und letztlich doch wohl das Dauerhafteste des Volksunterhalters Robert Gernhardt sind die drei zuvor schon im Zweitausendeins-Versand erschienenen Bücher für die Nach-1968er-Studentengeneraation gewesen: „Die Wahrheit über Arnold Hau“, „Die Blusen des Böhmen“, „Besternte Ernte“. Komische Zeichnungen, Ulkgedichte, Nonsense, Persiflagen, Parodien. Wo das Volk schon Wirtinnenverse, Klosprüche und politisch inkorrekte Kinderreime hatte, versuchten Gernhardt und seine Kameraden Friedrich K. Waechter, Bernd Eilert, Peter Knorr noch eins draufzusetzen. Wer damals in Deutschland studierte, „Die Zeit“ und hin und wieder ein freiwillig gekauftes Nicht-Sachbuch las, der musste ihn kennen. Robert Gernhardt war einer der modernen Meister der BRD. (Und viele, die nie was lasen, kannten ihn doch, weil Otto ihn auf der Bühne brachte und der Hessische Rundfunk „Dr. Muffels Telebrause“ ausstrahlte.)

Eher unbekannt war, dass er sich gründlich mit italienischer Renaissancemalerei und deutscher Romantikdichtung befasste, ziemlich altmeisterliche, exakte Lichtstudien in Öl malte, dass er nicht nur Kunst, in Stuttgart und Berlin, studiert hatte, sondern auch Germanistik. Aus all dem wuchs ihm der charakteristische komische Kontrast zwischen Kenntnis und Geschwafel zu, mit dem er sich dem alltäglichen Scheiß der Kohl’schen Jahre zuwenden konnte. Bei Zweitausendeins noch mit dem Outcast-Bonus beworben, obwohl der stets sowohl fleißige wie gut vernetzte Gernhardt auch da schon Werke ans konservative Werte-Blatt „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ verkaufte, kam mit dem Verlagswechsel in den vom Loriot-Schwiegersohn und vormaligen Diogenes-Lektor gegründeten Haffmans Verlag die große Sammlung „Wörtersee“, schwer und gebunden. 1982 sogar ein Roman, „Ich Ich Ich“. Daran knüpfen die Stellen von „Glück Glanz Ruhm“ an, wenn man ihn fragt: „Was, du schreibst? Muss man dich kennen?“

„Glück Glanz Ruhm“ ist seinerzeit ein Nebenwerkchen gewesen, ein Taschenbuch im Packpapierlook mit Rotweinfleck, ein Capriccio aus drei leichten Gängen. Monumentaler ging's 1986 mit den gesammelten Satire-Texten in „Letzte Ölung“ weiter, dazu kamen im gleichen Jahr die eher privaten Erzählungen in „Kippfigur“, die mich seinerzeit überzeugten, mir mittlerweile eher abgestanden und eitel vorkommen. Und ab 1987 (mit „Körper in Cafés“) forcierte er dann die Schwergewichtrolle im Buchbetrieb mit immer mehr werdenden Gedichten, die irgendwie so klassisches 20. Jahrhundert wie Bertolt Brecht und Gottfried Benn sein wollten, dabei immer noch so volkstümlich-albernd wie Otto. Wie gesagt, von Mal zu Mal heftiger gefeiert vom Feuilleton wurde er – und langweiliger für mich.

„Glück Glanz Ruhm“, das waren, in makellosem Deutsch, 1983, drei autobiografisch angefasste Essays über die Produktion von Kunstwerken. Im - wohl bedeutendsten - Mittelstück besieht er sich detailliert all die kulturellen Versatzstücke, die in der Inneneinrichtung eines Frankfurter Griechen-Restaurants gestrandet sind. Gernhardt hupft von griechischen Säulenstümpfen über die ausladenden Mützen und Hüte deutscher Nazarener-Maler in Rom bis in die Gegenwart hinüber und erfreut sich an all der Mogelei, mit dem die Herren Künstler sich recht freizügig selbst bedient haben, um auf sich aufmerksam zu machen. Das sind ästhetische Schriften, ein klein wenig unterhaltsamer als von Schiller.

Für „Glück“ fragt er „Hat die Literatur Folgen?“ Manchmal eher schreckliche, findet der alternde Herr Gernhardt, als er ein Buch noch mal liest, das ihn vor 30 Jahren umgeworfen hatte: „Fiesta“ („The Sun Also Rises“) von Ernest Hemingway. Für Gernhardt, den Göttinger Jugendlichen, ist das mal ein Gradmesser für Coolness gewesen. Jetzt bemerkt er eher den verklemmten Provinzler aus dem amerikanischen Mittelwesten. Wie gezwungen müssen die Sätze fast ständig Hauptsätze sein und dürfen möglichst nichts aussagen. Alle ausländischen Getränke und die Lokale in Europa, wo man sie trinken geht, müssen mit kursiven Buchstaben betont werden. (Unten dann „Schluck“ und „Paschke“, aber die Goodreads-Formatierung macht es innerhalb von Blockquotes nicht mit.) Eine Frau leidet an ihrer Beziehung zu einem schreibgehemmten Schriftsteller, der im Bett keinen mehr hochbringt. Das soll heroisch erscheinen. Wenn es zu irgendwas noch taugt, dann zu einer Parodie von Robert Gernhardt, wie er eine Familienfeier im norddeutschen Wendland besucht.

„Bei Paschke ist heute Abend Schützenball”, sagte die Frau meines Bruders. „Wenn ihr Lust habt, können wir nachher noch hingehen.”
„Und ob wir Lust haben”, sagten wir.
Wir zogen also nach dem Essen zu Paschke und setzten uns an einen Tisch neben der Theke. Der Schützenball fand im Versammlungsraum statt und durch die geöffnete Flügeltür kamen immer wieder Leute an die Theke, um hier einen Schluck zu trinken und dann wieder in den Tanzsaal zu gehen. Schluck ist eine wendländische Bezeichnung für klaren Schnaps. Wenn man viel davon trinkt, wird man besoffen. Im Tanzsaal war die Tanzerei schon in vollem Gange, aber es ging noch ziemlich zivil zu.
„Das wird sich im Laufe der Zeit aber noch ändern”, sagte die Frau meines Bruders.
„Hoffentlich”, sagte ich. Ich hatte noch nie einen Schützenball mitgemacht und verband damit nur undeutliche aber großartige Vorstellungen.

Mit über 60 Seiten ist „Ruhm“ der längste Teil des Triptychons. Hier, im „Wahrhaftigen Bericht über das Berühmtwerden“, lugt die grässliche Fratze der Selbstfeier heraus, die den satten Gernhardt später ziemlich unerträglich machen sollte. „Was tun Künstler denn nun wirklich die ganze Zeit?“, fragt er sich und wendet sich dem Fall des Zeichners Robert G. zu. G. ist jetzt auch Dichter geworden und hat G. Benns Briefe an Oelze gelesen. Benn, der sich vorher gerne als vereinsamter Querkopf gegeben hatte, lässt erkennen, dass er, voll zu Recht, zum 70. Geburtstag in der amerikanischen Gedenkbibliothek eine Feierstunde des Senats bekommt, eine Eloge von Holthusen, Schauspieler werden ihm seine Gedichte vorlesen. Robert G. denkt, wenn der das durfte, darf ich das doch wohl auch.

Die hier nun folgende Passage aus Gernhardts Erfahrungen mit dem Medium Rundfunk, ist inhaltlich nicht bedeutend, illustriert aber gut den herrlichen Prosasprachklang, den er hatte. Und: Erstens unterhält es und zweitens trifft es auf uns, die wir Texte fürs Internet schreiben, noch viel mehr zu!

Stellt euch vor - ein Medium, das rund um die Uhr gefüttert werden muß, doch ohne Gedächtnis, ohne Publikum und ohne Wirkung. Was immer du für den Rundfunk schreibst: es wird zu nichts von dem in Beziehung gesetzt, was bisher geschrieben wurde, da sich dessen niemand erinnert. Was immer der Rundfunk von dir sendet, es wird nicht einmal von deinen Freunden wahrgenommen, da niemand eine bestimmte Sendung, jeder lediglich das Radio einschaltet. Reiner Zufall, wenn jemand den Beginn einer Sendung erwischt, unerheblich, ob jemand sich noch den Abspann anhört. Anschließend dreht er ja doch sofort am Skalenknopf, wodurch das, was er soeben gehört hat, sogleich wieder zurücktritt, ein Fetzen Geräusch wird im Flickenteppich der Geräusche, an dem der Apparat rund um die Uhr webt und webt. Welch abgeklärter Geist in den Redaktionsstuben der Sendeanstalten! Welch tiefe Einsicht in die gänzliche Unerheblichkeit des eigenen Tuns! Kein Wettbewerb um Einschaltquoten, Sendezeiten und Spitzengagen vergiftet dort die Atmosphäre, kein Blumentopf und kein Lorbeer sind zu gewinnen - welch reine Welt!

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