Die Prosagedichte, die Fritz zwischen 1967 und 1969 in Anregung an Titel Paul Klees Werke schrieb, fand ich phänomenal. Philosophisch anmutende Texte, fragenaufwerfende stream of consciousness Zeilen, die auch ohne Klees Werke wirken. Mit ihnen noch besser.
Nordzimmer
Vielleicht ist es aus Versehen Nacht geworden inzwischen, Kann man nicht aus Gegenden zurückkehren, die man nie kennengelernt hat? Niemand gibt vor zu wissen, ob sich die Dauer verlangsamen oder beschleunigen läßt. Der Austausch von Abend und Morgen ist ohne Auskunft. Nach früherer Zeitrechnung begann der Tag mit der Nacht. Aber man muß ohnehin üben zu sehn, was das ist. Wie rasch es durch- einandergerät, wie rasch sich die Geschichten vermengen. Es läßt sich ja nichts beenden. Es war da etwas, was sich nicht ausbreitete, nur fortsetzte, aber einen Grund suchte, um bleiben zu können. Besteht ein Streit zwischen dem, was nacheinander geschieht, und dem, was nebeneinander ist?
Seine sonst reduzierten Gedichte, die mit wenigen, betont wirkungsvollen Worten auskommen, hätten meiner Meinung nach ein bisschen mehr Leben nicht geschadet. Teilweise nüchtern beleuchtete Themen, die Haiku-mäßig am Ende zu einer Einheit gebracht werden. Bei mir blieb der Wirkungszauber oft aus. Dennoch schafft er es gelegentlich, aus dieser Wortkargheit klare Bilder entstehen zu lassen, die es sich wie Perlen zu sammeln lohnt. Wie:
Fregene
Das Meer, ein vergangenes, ein zukünftiges Jahr, pocht.
Der Kieselstein, den es leckt, lehrt dich, ohne Aufwand zu leben.
Wellen laufen zurück, eilends. Etwas muß da sein, das sie an der Hand nimmt.
Insbesondere seine Natur- und Liebesgedichte finde ich gelungen. So widmet er das Buch "Mechthild, die durch ihre Anwesenheit an diesen Gedichten mitgeschrieben hat." Diese Anwesenheit spürt man durch flüchtige Einblicke ihres gemeinsamen Lebens. Kurzpotraits über Bekanntheiten und Orte mangelt es oft an Originalität und Pointe.