Prinzipiell findet sich hier eigentlich eine nette Behandlung des Themas Verlust. Leider findet sich allerdings auch noch eine ganze Menge Anderes, das dazu wenig beiträgt und die Leseerfahrung äußerst unbefriedigend macht. Keines der Elemente dieser Geschichte ist prinzipiell schlecht, aber in der Summe führen sie zu einem Manuskript das vollkommen überladen ist.
Es erscheint so, dass Stefans Umgang mit dem Tod seines Vaters die hauptsächliche Handlung darstellen soll. Nebenbei muss er sich aber auch mit Mobbern runschlagen, quatscht mit seinem geige-spielenden Freund, der früher Clown war und aus Italien stammt, lernt ein Mädchen kennen, denkt über die Beziehung zu seiner Mutter nach, das vermeintliche "Geheimnis" um den Todesgrund seines Vaters spukt auch noch rum und er geht auf Traumreisen mit einem magischen Drachen. Das ist alles ein bisschen viel, und bis circa zur Hälfte geht das auch noch ganz gut. Dann ist aber der eigentliche Erzählstrang erledigt: Stefan kommt mit sich und seiner Beziehung zu seinem Vater und seiner Mutter ins Reine, auch die Mutter wirkt wieder glücklich, er lernt sogar neue Leute kennen und freundet sich mit seinen ehemaligen Mobbern an.
Klingt doch nach einem guten Ende? Aber nein, Halbzeit, denn jetzt müssen sie natürlich auch noch alle nach Italien reisen. Um dann dort seinen Clown-Kumpel zu besuchen, der inzwischen dort hingereist ist.
Man sollte das Buch einmal in die Hand nehmen und sich darüber klar werden, auf wie wenig Seiten diese Erzählstränge ausgebreitet werden, von denen die meisten eigentlich schon ganz allein ein solches Buch füllen könnten. Vermutlich hätte die Autorin eine ganze Trilogie aus solchen Bänden schreiben können. Falls es aber wirklich um Verlust gehen sollte, wäre es vielleicht besser die erste Hälfte auszuarbeiten und den Rest einfach wegzulassen. Ich bin mir sicher, dass Buch wäre deutlich effektiver, wenn es sich stärker auf sein eigentliches Thema konzentrieren würde. Manches ein bisschen unklar zu lassen ist dabei auch kein Schaden, das erhöht nämlich das Poetential zur Identifikation mit Stefan.
This entire review has been hidden because of spoilers.