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Sämtliche Gottesbeweise: Danach War Schon (Gottesbeweise I-VIII) & Davor Kommt Noch

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Thomas Kapielskis „humoristisches Opus magnum, gehört zum Komischsten und Witzigsten, was derzeit in deutscher Sprache zu lesen ist; für zehn Seiten Kapielski gebe ich gern den gesamten Debütantenkram her, um den gegenwärtig so viel Bohey gemacht wird“ (Listen). Der Spiegel warnt davor, Kapielski („einer der großartigsten Schelme unserer Zeit“, FAS) in der Öffentlichkeit zu lesen: „Etwa in der Eisenbahn oder in einem Wartezimmer. Wer nämlich einen Funken Humor in sich trägt, bricht während der Lektüre regelmäßig in für Außenstehende scheinbar unmotiviertes, lang anhaltendes und lautes Lachen aus.“ Kapielski brilliert erneut als Meister des „Stream of Drunkenness“ (Berliner Zeitung), seine bevorzugten Stilmittel sind Parodie und Komik, seine Kunstphilosophie ist radikaler Dilettantismus. Seine Geschichten handeln u.a. von Begegnungen mit der Berliner Polizei im nicht mehr ganz nüchternen Zustand, einem von einer EC-Karte provozierten Volksaufstand in Hamburg u.a. „Wäre der Titel ‚witzigstes Buch des Jahres‘ zu vergeben, der Sieger stünde bereits fest: Thomas Kapielski mit seinem Werk ‚Davor kommt noch‘ … Nirgendwo sonst - außerhalb Irlands - wird eine solch trinkfeste und dabei so sprachgenaue, geistreiche Prosa geschrieben“ (Kölner Stadtanzeiger).

340 pages, Paperback

First published February 1, 2009

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Thomas Kapielski

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Profile Image for Jörg.
515 reviews59 followers
July 24, 2025
Quatsch - das Buch. Kapielski glänzt mit Absätzen wie "Das beeindruckt, man schiebt sich den Scheckkartenwischer über die Stirn und schlägt lässig das Schweißwasser von der Karte. Das hat eine ziemliche Grandseigneursgestik und mimt so, wie früher mit dem Stofftaschentuch nach Gutsherrenart den Nacken auswischen."

Er glänzt mit viel zu selten gehörten Worten: "Es wurde mir kommod und wohltemperiert ums Herz." Auch pesen, Oschi und Fidulität dürfen häufiger in Büchern verwendet werden.

Damit sind die Stärken des Buches, und von Kapielski, genannt. Wortwitz, verquere Gedanken, Originalität. Inhaltlich hat jeder der 13 Gottesbeweise ein Thema, das mehr oder weniger konsequent verfolgt wird. Immer bleibt genug Raum für Abschweifungen.

Zum Beispiel reist Kapielski im fünften Gottesbeweis in den frühen 70ern mit einer marxistischen Jugendgruppe in die DDR. Der sechste ist das Gegenstück von 1989, als er als Westberliner den Einfall aus dem Osten erlebt. Highlight ist ein Besuch mit seiner Westberliner Schar auf einer LPG inklusive weihnachtlichem Mistschaufeln.

Kapielski ist unglücklich mit der Welt: "Was, bitte, passiert zur Zeit anderes als die endgültige Abschiebung des variablen zugunsten des fixen Kapitals in ein Heer überflüssigen Fleisches? Vier Fünftel der Menschen werden sich gegenseitig das überflüssige Leben zur Hölle Machen und sich bestenfalls vermittelst Doppelkorn das Leben halbieren."

Weitere Frustrationen:
- " Weiter östlich südamerikanische Oligarchien: Irgendein Schlipszar, dazu ein General und ein Pope, der den Koffer mit der Atomklingel trägt. Ein gräusliches neues Ost-Rom. Ein ausgesuchter dortiger Pöbel strebt nach Westen, und die Grünen Schleimer in ihren Rat- und Reihenhäuser mit feuchtbiotopen Burggräben drum rum werden ihm außer imperativen Sammelstofftonnen nichts entgegensetzen können."
- "Ich bin ja auch ganz froh, daß die Eiferer, die Schwaben, Utopisten und Künstler von hier weg auf den Prenzlauer Berg steigen."
- "Das ist mir widerlich da. Ich fahre da nur hin, wenn es sein muß. Ich habe dort nichts zu suchen. Ich bin doch in Westberlin als Neuköllner auch nie auf die Idee gekommen, nach Wedding zu reisen, wenn es nicht sein mußte."
- "Im Westen außerdem noch all die neuerdings sehr verirrten Jungtürken, die kriegerischen männlichen Ostvölker und andere allochthonen Typen in Turnzeug mit Funktelefon und Versorgungsansprüchen sowie einer Verachtung dieses Landes, in dem sie nicht leben müssen. Ihr Verhältnis zu Frauen bedarf sowieso keines Kommentares."

Zu seiner Ehrenrettung. Er schrieb das alles Anfang der 90er und klassifiziert seine Tirade selbst als Stammtischrede.

Einer der späteren Gottesbeweise handelt von einer Reise als Trauzeuge nach Finnland. Wie nicht anders zu erwarten, hat Kapielski auch mit Finnland ein Problem. Ein Gurkenfass gewährt Zuflucht vor erlittenem Ungemach durch Mücken und Dünnbier: "Anstatt nun aber dieses Fäßchen heulend zu umklammern, sprach ich Faß und Gurken ein freundliches >Dominus vobiscum< entgegen, was sie korrekt und erfreut mit >Et cum spiritu tuo< beantworteten, und kaufte mir fünf kleine Gurken." Die russischen Gurken aus dem Fass waren das Highlight seiner Reise. Armes Finnland.

Das gesamte Werk ist unzusammenhängend wie diese Review. Brillante Gedanken, grober Unfug, dahinplätscherndes Grummeln lösen sich ab. Anstrengend auf die Dauer von über 300 Seiten. Aber durch den thematischen Kontext der einzelnen Gottesbeweise deutlich besser als sein loser Hirndurchfall in den Neue sezessionistische Heizkörperverkleidungen.
Profile Image for Uwe Hauck.
Author 6 books16 followers
February 26, 2011
Amüsant Tour de Force durch ein wildes Leben, sprachlich sehr vielseitig wenn auch nicht ein "klassischer" Roman. Aber hochamüsant
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