Herbert Rosendorfer was born in the village of Gries (currently in the province of Bolzano) in the South Tyrol. From 1939 to 1943, he lived in Munich. In 1943, he was evacuated to Kitzbühel, returning to Munich five years later. After finishing school, Rosendorfer spent a year studying painting at the Academy of Fine Arts, Munich but then entered the Faculty of Law at the University of Munich. Between 1967 and 1993, Rosendorfer served as a judge in Munich, after which he was a Justice at the High Court of Appeal in Naumburg. Also, from 1990, he was an honorary professor of the history of Bavarian literature at the University of Munich. Following his retirement, he lived in Eppan, in the South Tyrol, till his death on 20 September 2012. Rosendorfer was a member of the Bavarian Academy of Fine Arts, as well as the Academy of Sciences and Literature (Akademie der Wissenschaften und der Literatur) in Mainz. He received the 1977 Toucan Prize, the 1991 Ernst Hoferichter Award, the 1992 Upper Bavarian Cultural Prize, the 1999 Jean-Paul Prize, and the 2010 Corine Literature Prize for his lifetime achievements. He was honoured with the Order of Merit, First Class (2000), the Austrian Cross of Honour for Science and Art, 1st class and the Bavarian Order of Merit in 2004. Works
Nach Lektüre der beiden etwas danebengegangenen Venedig-Bücher und des problematischen Rom-Kirchenbuches des Autors bin ich nun ganz erstaunt. Rosendorfer kann ja ganz unverkrampft schreiben. Zu einem locker-humorvollem Stil reicht es auch hier zwar nicht, aber immerhin quetscht er einige Legenden aus - etwa die von der Gründung Roms (S. 13-17) - und macht klar: Es ist nichts drin. Das gefällt mir. Da fehlt mir zwar hier und da etwas, aber der Fortschritt läßt doch hoffen. Lernte man im Nachkriegs-München nicht "7-5-3, Rom sprang aus dem Ei" in der Schule? Und Auguri gibt es doch noch in Rom - als Gruß, mit dem man sich zum neuen Jahr Glück wünscht. S. 22 fehlt die Erklärung, warum die Stadtgöttin Juno den Ehrennamen "die Mahnende" (moneta) erhalten hatte (Diese und andere Erklärungen gibt es selbstverständlich bei meinen Stadtführungen.). Wieso bringt er nicht S. 28f die schöne Story, daß im 19. Jahrhundert auf dem "Friedhof der Ungläubigen" - so nennen ihn jedenfalls rechtgläubige Katholiken - Beerdigungen nachts stattfanden (Dazu gibt es eine schöne Graphik von Bartolomeo Pinetti aus dem Jahre 1811.), weil protestantische Trauergemeinden tagsüber schon mal von alleinig wahren Christen verprügelt wurden? Zur Porta mediana des Petersdoms von Filarete fehlt S. 55 der Hinweis - man kann es zwar aus dem angegebenen Jahr 1440 erschließen, daß diese Tür für die alte Konstantinbasilika geschaffen und später vergrößert wurde. Bei den Restaurantempfehlungen S. 109-113 vermisse ich die Cantina Tirolese Tiroler Keller, das Stammlokal von Papst Benedikt XVI. als er noch als Kardinal Josef Ratzinger ohne Aufsehens mit seinen Mitarbeitern ein solches aufsuchen konnte (Ich verrate die Adresse nicht, weil ich es - außer in einem Restaurantführer - gegenüber allen nicht genannten Lokalitäten ungerecht finde, einzelne hervorzuheben, und ganz eigensüchtig befürchte, dann am ausgezeichneten Mittagsbuffet im kleinen Keller künftig keinen Platz mehr zu finden. Nur wer sich ein wenig müht, den Tiroler Keller zu finden, hat es verdient, dort zu speisen.). Wieso fehlt bei den S. 121f angeführten Sammlungen in privaten Palästen der Palazzo Pamphili? Daß Rosendorfer immer noch behauptet, zu wissen, was der Heilige Geist weiß und nicht weiß (S. 30), will ich ihm nicht noch einmal ankreiden, zumal er völlig richtig darauf aufmerksam macht, daß niemand wissen kann, wie groß ein "Engel in Lebensgröße" wirklich ist (S. 33). Manche Ausführungen sind allerdings sehr verkürzt und geben nur die halbe Wahrheit wieder, etwa zum heiligen Jahr (S. 23), zum Domus Aurea und Kaiser Nero (S. 30f), zur Einrichtung - nicht "Errichtung" - der französischen Akademie in der Villa Medici (S. 36), zur "Wuchtbrumme" Königin Christine von Schweden (S. 37), zur Baugeschichte des Petersdoms (S. 51-55), zur Astrologie (S. 63f), zur Etablierung des Vatikanstaates (S. 126). Daß er die Reformen und die Förderung der Industrialisierung durch den seligen Papst Pius IX. unterschlägt, verwundert mich nicht, denn dies ist einer der von Rosendorfer bevorzugt gehaßten Päpste (S. 46, 79f, 94f). Über Rosendorfers mitunter verfehlte Wortwahl will ich mich auch nicht weiter mokieren (da braucht er noch etwas schriftstellerische Übung), aber selbst von einem grausamen Kriegsverbrecher sagt man nicht, daß er "verendete" (S. 82). "Politclown Mussolini" (S. 119) ist aber völlig korrekt. Nicht bemängeln will ich auch, hätte aber gern gewußt, was "ein unaussprechlich feiner alter Herr" (S. 100) ist und was "Seelendiebe" (S. 105) sind. Raffaelo Santi kann man sicher mehr mögen als Michelangelo Bounarotti, Francesco Borromini mehr als Gianantonio Bernini - darüber kann man nicht streiten. Mir scheint aber, daß Rosendorfer bei Michelangelo und Bernini stets zu kurz angebunden ist (S. 22f, 52-54, 60f, 100f, 127-129). Und: Ist es ein Zufall, daß bei den Vorschlägen für weiterführende Literatur das hervorragende Buch von Arne Karsten "Bernini. Der Schöpfer des barocken Rom" (München 2006, 2. Auflage 2007) im Unterschied zu allen anderen ohne positiven Kommentar erwähnt wird (Rom. Eine Einladung S. 143) und etwa die bemerkenswerten Bücher "Jagd nach dem roten Hut. Kardinalskarrieren im Barocken Rom" (Göttingen 2004), "Künstler und Kardinäle. Vom Mäzenentum römischer Kardinalnepoten im 17. Jahrhundert" (Köln 2003) und "Kardinal Bernardino Spada. Eine Karriere im barocken Rom" (Göttingen 2001) des gleichen Autors ganz unerwähnt bleiben?
In seiner Rom-Broschüre gibt Rosendorfer viele nützliche Hinweise, die man in so manchem Rom-Reiseführer vergeblich sucht. Die Auflistung von Museen S. 148-150 hätte man sich aber hier vielleicht sparen können und Angaben zu Eintrittspreisen und Öffnungszeiten geben dem Leser nur Scheininformationen, denn da kann man sich in Italien nie drauf verlassen. Wichtig wäre allerdings ein Hinweis für Jugendgruppen, Schulkassen und Studentengruppen gewesen, der hiermit gegeben sei: Immer genügend Namenslisten mit Stempel und Unterschrift mitnehmen, denn wenn man die im Museum vorlegt, gibt es freien Eintritt! Die "drei eigene(n) Buslinien, die jeweils einen Rundkurs von der Piazza Venezia aus fahren" (S. 67) sind keine städtischen Buslinien, sondern private Hopp-on-hopp-off-Stadtrundfahrtbusse mit nicht immer ganz synchron zum jeweiligen Ort laufenden Erklärungen in den wichtigsten Sprachen vom Tonband, wie es sie in vielen Touristenstädten gibt. Ihre Ausgangs- und Endpunkte sind nicht an der Piazza Venezia (dort halten sie auch), sondern am Bahnhof Stazione Termini und an der Via Conzilazione nahe des Petersplatzes. Manchmal flunkert der Autor ein bißchen, z.B. wenn er suggeriert, im Jahre 2007 vor dem Café Martini sitzend die Füße vor der vorbeifahrenden Straßenbahn eingezogen gemußt und das Colosseo zeitweilig von dieser verdeckt gefunden zu haben (S. 66f): Seit mehr als vier Jahren werden die Straßenbahngleise erneuert und dort fahren immer noch (September 2009) - im Rom dauert manches etwas länger - anstelle der Straßenbahn Nr. 3 (nicht 13 und 30) Busse. Die Metro-Linie C gibt es noch nicht (S. 69). Sie ist seit einigen Jahren im Bau und wird vom Bahnhof Stazione Termini zum Vatikan führen. S. 34f wird aber nicht einfach geflunkert, sondern eine geschäftsschädigende Lüge verbreitet, indem Rosendorfer verkündet, seine Liebe zum Caffè Greco sei "etwas erkaltet", seit er "feststellen musste, dass (2007) der einfache Espresso 8 Euro 50 kostet" (S. 35). Ich vermute, Rosendorfer war nie dort und hat das irgendwo abgeschrieben (Immer weniger kann ich mir nicht des Gedankens erwehren, er sei ein Scharlatan, der bislang noch nichts Vernünftiges geschrieben hat. Nein, ich nehme das nicht zurück, auch wenn Dieter Hildebrandt ein berechtigt schön lobendes Vorwort zu Rosendorfers "Die Erfindung eines Sommers" (München 1993) geschrieben hat.). Soviel hat der Kaffee dort nicht gekostet und kostet er nicht. Ich verlange von Rosendorfer bzw. vom Verlag eine öffentliche Entschuldigung! Jetzt (September 2009) erhält man im Caffè Greco formvollendet am Tisch serviert den Espresso (Caffè normalo) für 5 €, Cappucino, Caffè latte oder Caffè americano für 7 €. Nimmt man aber seinen Kaffee im Stehen an der Bar (al banco), kostet dort der Espresso 90 Cent, Cappucino, Caffè latte oder Caffè americano 1,30 €. Gegen eine andere Bemerkung muß ich ebenfalls ganz entschieden protestieren: "Viel schmutziger als die Berliner S-Bahn ist sie (gemeint sind die Wagen der Metro) auch nicht." (Ebd.) Aber hallo! Über unsere S-Bahn meckern wir Berliner - bitteschön - selbst am besten und das von den schildbürgerlichen S-Bahn-Verantwortlichen im Jahr 2009 produzierte Verkehrschaos macht uns so schnell keiner nach!
Die Verbissenheit gegenüber der Amtskirche wird Rosendorfer sicher irgendwann ablegen: Mit zunehmendem Alter wächst sich so etwas ja gewöhnlich aus, spätestens mit einsetzender Altersweisheit. Etwas irritiert bin ich allerdings, S. 5 zu lesen, es handele sich bei dieser Broschüre um eine "Neuausgabe" mit "Ergänzungen und Korrekturen" und S. 32 ist von der "Überarbeitung des Büchleins jetzt im Jahr 2007" die Rede, während im Impressum S. 8 steht "1. Auflage 2008". Das hatten wir doch schon mal... Aber da will ich hier nicht so kleinlich sein, zumal ich aus einer anderen Rezension weiß, daß dies einst ein mickriges Broschürchen von knapp 70 Seiten (Ein Kunde, 2. Februar 2001) war und es nun auf immerhin 151 Seiten angewachsen ist. Irgendwie kriegen wir den Rosendorfer doch noch zu einem halbwegs anständigen Sachbuchautor großgezogen. Es gibt hier sogar ein sehr ordentliches, erläuterndes Literaturverzeichnis (S. 138-146) - merkwürdigerweise fehlen dort aber einige vorn im Text erwähnte Werke - und irgendwann wird Verlag und Autor auch aufscheinen, daß zu solch einem Buch ein Namensverzeichnis unerläßlich ist. So langsam lernt Rosendorfer das Schreiben. Man soll halt nie aufgeben! Aber: Wenn einer, der mit Mühen kaum geklettert ist auf einen Baum, schon denkt, daß er ein Reisebuchautor wär - so irrt sich der! Jadochnein! Rosendorfer hat etwa zwischen 1986 und 1992 einige sehr schöne, lesenswerte, humorvolle "Berichte aus Rom" geschrieben (Herbert Rosendorfer. Die Erfindung des Sommers. München 1993 S. 113-160), die seltsamerweise in diesem Rom-Buch keinen Niederschlag gefunden haben. Seinen schier unbezwingbaren Beißreflex gegen Heilige, Päpste und die katholische Kirche überhaupt, hat er anscheinend auch erst später entwickelt.
Ich habe das kleine Büchlein kurz nach seinem Erscheinen Ende der 90er für meine erste Rom-Reise ggeschenkt bekommen, und habe es neulich aus einer Laune heraus nochmal gelesen. Ich hatte sehr gute Erinnerungen, und die Ausgabe hatte alle Umzüge überlebt, also musste es ja richtig gut sein, oder? Manche Bücher haben sich überholt, und dieses gehört dazu. Und das liegt daran, dass die noch benutzbaren Informationen dünn gesäht sind, und selbst die sind gleichzeitig banal und angestaubt. Natürlich, wie mäandern mit dem Autor gemütlich durch die Stadt, während er über Künstler, Kaiser und Päpste referiert. Ich habe gezählt: im ganzen (dünnen) Büchlein werden viermal Frauen erwähnt, dafür anderthalb Seiten den Katzen (ok, fair enough) gewidmet. Weder der 2. Weltkrieg, noch die Juden Roms werden erwähnt. Es ist schlicht ein unzeitgemässer Blick auf Geschichte. Und die Plauderei über Cafes, Hotels, Strassenbahnlinien etc? Ja nun, veraltet. Allerdings für mich mit einer gewissen Nostalgie verbunden, ein kurzer Blick auf Rom, wie ich es kennen gelernt habe.