DIE MÜHEN DER JUSTIZ Wie wird ein Mensch schuldig? Wann ist ein Urteil gerecht? Und warum ist die Berichterstattung über Strafprozesse manchmal gefährlich? In seinen SPIEGEL-Kolumnen betrachtet der ehemalige Bundesrichter Thomas Fischer die Verschränkungen von Recht und Gesellschaft, mal süffisant, mal irritiert, aber stets meinungsstark.
Dieses Buch versammelt 23 brillante und scharfsinnige Debattenbeiträge von Deutschlands berühmtestem Strafrechtler. In der Gesamtschau geben sie eine streitbare, intelligente und höchst unterhaltsame Antwort auf die Frage aller Fragen: Wer hat recht?
Thomas Fischer, Jahrgang 1953, war bis April 2017 Vorsitzender Richter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Sein jährlicher Kommentar zum Strafgesetzbuch, die Beckʼschen Kurzkommentare, gilt als die Bibel des Strafrechts. Mit seinen Kolumnen für ZEIT-ONLINE und den SPIEGEL wurde er einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, zudem ist er Teil des SWR 2-Podcasts “Sprechen wir über Mord?!“.
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Thomas Fischer, born in 1953, was presiding judge at the Federal Court of Justice in Karlsruhe until April 2017. His annual commentary on the German Criminal Law Code, the Beckʼschen Kurzkommentare, is considered the bible of criminal law. His columns for ZEIT-ONLINE and SPIEGEL have made him known to a wider public, and he is also part of the SWR 2 podcast " Sprechen wir über Mord?!".
Die Qualität der hier gesammelten Kolumnen schwankt stark zwischen wunderbar und sonderbar. Dort, wo Herr Fischer vorrangig über das Strafrecht schreibt, klärt er den Jura-Laien in einer selten vorzufindenden Kombination von Präzision und Verständlichkeit auf. Insbesondere seine Hinweise zu den allzu oft von sachlicher Unkenntnis geprägten Beiträgen von Journalisten (und zwar nicht nur von der Bild-Zeitung, sondern auch von der so genannten Qualitätspresse), erklären, woher viele Irrtümer in Rechtsfragen herrühren, da sie von der Presse permanent verbreitet werden. Die bei Fischer zitierten und erläuterten Gesetzestexte selbst, sind dagegen unverdächtig deutlich.
Der Autor begnügt sich aber nicht damit, aus seiner strafrechtlichen Expertise zu schöpfen. Leider muss er sich auch zu Themen wie Migrationspolitik, Profisport oder Organspende äußern, wobei er sich zu sehr aus dem Fenster lehnt. Hierbei ist anzumerken, dass Herr Fischer seine Kolumnen dazu nutzt, stilistisch äußerst kreativ zu sein. Gerne spitzt er zu, wählt eine provokative Sprache oder vermengt Dinge, die seiner Ansicht nach vermengt werden müssen. Zur Organspende äußert er etwa, der Ausdruck sei ein Euphemismus und solle nur verharmlosen. Was genau aber verharmlost werden soll, erfährt der Leser nicht. Auch die Anmerkung, mit zunehmendem Alter sehe er die Organspende anders, bleibt unbegründet. Spätestens wenn er von einem "Markt" spricht, auf dem Spenderorgane zur Verfügung gestellt werden, arbeitet der sprachliche Stil nicht mehr für den Autor. Er wirkt dann unbeholfen und desinformiert. Viele Argumente für die Organspende (oder genauer: die Widerspruchslösung) werden leider gar nicht aufgegriffen, diese mussten wohl den vielen Assoziationen Fischers den Platz räumen.
Insgesamt ergibt sich somit ein durchwachsenes Bild. Einige Beiträge im Buch kann man gut lesen, andere dagegen nur überspringen.