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Die Geschichte des ersten Antiatoms beziehungsweise der Theorien und Denkmodelle, die hinter der Suche nach diesem flüchtigen Aspekt Antimaterie stecken, bildet gewissermaßen den Ariadnefaden in Herrmanns Buch. Sie ist zugleich die Geschichte der Elementarteilchen-Physik. Auch die Entwicklung der Astronomie vom bloßen Sternezählen bis zur Entdeckung eines schwarzen Lochs im Zentrum der Milchstraße -- das sich offenbar in eine Antimateriewolke einhüllt -- hat von dieser Suche profitiert. Der Astronom Herrmann zeigt die Verwandtschaftsbeziehungen im Zoo der Elementarteilchen, begleitet den Leser durch die Fortschritte der Atomphysik, später der Antimaterieforschung von Diracs Idee bis zu den ehrfurchtgebietenden Großen Vereinheitlichten Theorien und versucht zu ergründen, wo denn die ganze Antimaterie nach dem Urknall geblieben ist, und ob die Schwerkraft auf Antimaterie genauso wie auf "normale" Materie wirkt: Hier sind die Tafeln der Forscher noch voller Fragezeichen. Ein weiter Bogen, den Herrmann da schlägt -- und nicht selten schafft er es, einem dieses "Sternengucker-Kribbeln" auf die Haut zu treiben: Physik ist hier faszinierende Welterklärung.
Allerdings: Leptonen und Spinumkehr, Graviphoton und Graviskalar, "Quark-Brei" und Quantenkosmologie -- Herrmanns raschem Schritt zu folgen, ist für Laien sicher nicht die leichteste Übung. Leider versucht Herrmann, den Inhalt dieser gewaltigen Büchse der Pandora vor dem Leser auf zu wenigen Seiten auszubreiten. Das geht -- bei allem Bemühen um Verständlichkeit -- vor allem zu Beginn des Buchs gelegentlich eben doch auf Kosten derselben: In den dichteren Kapiteln kann man kaum auf einen Erste-Hilfe-Koffer mit "vertieften Grundkenntnissen" der Physik verzichten. Wer aber als eingefleischter Physik-Fan mit kleinem "Physik-Führerschein" eine Art komprimierten Abriss über die Entwicklung der Teilchenphysik sucht, dem dürfte das Buch zu einer inspirierenden Lektüre werden. --Stefan Albus
111 pages, Paperback
Published February 28, 1999