Es ist etwas passiert in den letzten dreißig Jahren. Immer weniger Menschen vertrauen den Institutionen dieses Landes – weder der Regierung noch den Medien, noch nicht einmal der Wissenschaft. Doch wie konnte es so weit kommen? Die preisgekrönte Journalistin Anita Blasberg rekonstruiert die schrittweise Erosion des Vertrauens – am Beispiel ihrer eigenen Mutter und entlang historischer Bruchstellen und Protagonisten. Da ist ein junger Treuhandmanager, der achtzig ostdeutsche Betriebe in zwei Jahren verkauft; da ist eine Klinikärztin, die ihre Patienten schneller entlassen soll, als ihr lieb ist; da sind Politiker, die nach der Finanzkrise ihre eigene Ohnmacht bestaunen und dann fast alles beim Alten belassen.
Packend und schonungslos ergründet Anita Blasberg eine der dringlichsten Krisen unserer Zeit.
Die Mutter der Autorin hat das Vertrauen in den Staat verloren. Dabei war sie früher politisch engagiert.
Verschiedene Themen, die seit 1991 diesen Verlust von Vertrauen in Staat und Gesellschaft befördert haben, werden beschrieben: Treuhand, Globalisierung, Hartz IV, Privatisierungen, Finanzkrise, Stuttgart 21, "Alternativlosigkeit", NSU, AfD, Pegida, Trump, Brexit, Klimakrise, COVID, Ukraine. Einige der Themen sind Treiber, andere Ausdruck des Verlustes.
Anita Blasberg spricht vier Tage intensiv mit Ihrer Mutter. Das Buch endet mit Vorschlägen, was zu tun wäre, um das Vertrauen wieder herzustellen. Die Vorschläge kommen von der Mutter, einigen Beteiligten, mit denen Frau Blasberg im Laufe ihrer Recherche gesprochen hat, und der Autorin selbst.
Man muss nicht allem in diesem Buch zustimmen, aber man kann der Autorin nicht absprechen, einen informativen und lesenswerten Text über die letzten 30 Jahre des politischen Deutschlands geschrieben zu haben.