Es gibt sehr schöne und unglaublich unterhaltsame Geschichten, in denen sich die Protagonisten mit Streichen gegenseitig das Leben schwer machen. Manchmal wirkt das kindisch, manchmal unheimlich sympathisch und lustig, wenn es wirklich gut umgesetzt ist. Bei Darcy und Thane fiel es mir schwer, in deren Situation wirklich Humor zu finden. Es gab schon elektrisierende Momente zwischen den beiden, aber so wirklich einen Moment, wo ich sagen würde, die beiden sind perfekt füreinander, fehlte mir komplett. Gerade Thane überschreitet gerne mal die Grenzen des guten Geschmacks – insbesondere dann, wenn es darum geht Darcy eins auszuwischen. Da hörte für mich persönlich der Spaß auf.
Das liegt an verschiedenen Aspekten. Einer davon ist Thane direkt.
Thane ist kalt, gefühllos und tut alles, um möglichst viel Geld zu scheffeln. Aber überschreitet dafür viele Grenzen. Nicht nur die der Legalität. Mit Darcy verbindet ihn eher so eine Hass-Lust-Liebe-Zuneigung. Das ist irgendwie schwer in Worte zu fassen. Trotz dessen beide sich gegenseitig als attraktiv empfinden, hassen sie sich und spielen sich gegenseitig Streiche. Während Darcy dabei noch Grenzen und Privatsphäre kennt, überschreitet Thane diese Grenze absichtlich und auf eine Art und Weise, die ich persönlich nicht mehr gut finden kann. Jeder Mensch hat Privatsphäre verdient.
Darcy wirkt nach außen hin kalt, ist aber in Wirklichkeit ein sehr warmer Mensch, der sehr loyal seinen Freunden gegenüber ist und diesen stets zur Seite steht. Deswegen empfindet sie auch eine derart starke Ablehnung gegenüber Thane. Denn Lila, Thanes Schwester, ist ihre beste Freundin und fast hätte Thane mit seinem Verhalten wohl deren Beziehung zu Evan zerstört. Das wird alles nur angedeutet und als Leser fühle ich mich diesbezüglich etwas im Stich gelassen. Wäre toll gewesen, hier den Hinweis zu bekommen, dass Lilas und Evans Geschichte in „Daddy Bosshole“ erzählt wird. Wie gut, dass ich das Buch eigentlich auch noch lesen wollte, bisher nur nicht die Zeit hatte… *hust* Denn die Geschichte interessiert mich jetzt wirklich.
Die Beziehungen der Charaktere untereinander wirkt – bis auf die der Frauen zueinander – sehr unterkühlt. Lila ist sehr kalt Thane gegenüber, was dieser aber wirklich verdient hat. So wie er Lila wohl und nun auch Darcy behandelt, verdient er es sogar gegen eine Wand geklatscht zu werden. Was erwartet der Typ? Dass man ihm den roten Teppich ausrollt? Garantiert nicht. Er ist ein kalter Geschäftsmann, der zwar ein Herz für Tiere hat, aber macht ihn das zu einem besseren Menschen? Ganz besonders dann, wenn man bedenkt, was er vor Darcy verheimlicht und welche Geschäftspartner er um sich scharren tut? Nope.
Ich habe mit der Story wirklich so einige Probleme. Darunter auch die mangelnde Beziehungsentwicklung zwischen Darcy und Thane. Für mich ist das nur die Befriedigung von Lust und weniger das Finden der großen Liebe. Thanes 180-Grad-Drehung ist ebenfalls sehr unglaubwürdig. Gefühlte zwei Seiten zuvor ist er noch bereit, seine ruchlosen Geschäftspraktiken durchsetzen und auf der nächsten Seite gibt er das alles auf wegen Darcy? Weil er erkannt hat, dass er sie liebt? Nicht sehr glaubwürdig. Auch nicht sein Umgang in Bezug auf einen gewissen Julien Fletcher. Damit hätte er sich definitiv sein eigenes Grab geschaufelt.
Was ich aber gut finde, ist, dass Darcy hier mal eine Protagonistin ist, die wirklich stark ist. Sie hat viel getan, um ihre Familie zu unterstützen und sich und ihrer Schwester eine Zukunft zu bieten. Es ist verständlich, warum Darcy so schwer Vertrauen fasst. Würde man an ihrer Stelle wahrscheinlich auch, wenn man ihre Kindheit und ihre Eltern gehabt hätte. Daher finde ich es traurig, dass Thane ihr da so wenig entgegenkommt. Eigentlich traurig. Aber für mich ist es einfach toll, dass sie mal nicht diese typische unschuldige Protagonistin ist, sondern eine vom Leben gezeichnete Frau, die stolz auf das sein kann, was sie erreicht hat. Egal wie.
Ein unterhaltsames kleines Lesevergnügen für Zwischendurch, an das man allerdings nicht zu hohe Ansprüche stellen sollte. Interessant, aber leider auch auf einigen Ebenen sehr instabil und wenig ausgereift.
Hinweis: Das Buch habe ich als digitales Rezensionsexemplar im Austausch für eine ehrliche Rezension erhalten.